• vom 03.08.2018, 10:00 Uhr

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Altwarenhandel einst

Zwischen Graffelwerk und Ganoven




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Strenge Verdikte gab es für Diebstahl und Hehlerei: Noch Mitte des 18. Jh.s drohte die Todesstrafe. Zu Beginn des 19. Jh.s wurden die Urteile milder. Kleiderdiebe saßen etwa bis zu zwei Jahre hinter Gittern.

Marktfrauen (Wr. Freyung); Stifters "Tandelmarkt" erschien u.a. 1870 im Band "Aus dem alten Wien" (r. Ausgabe 1940) .

Marktfrauen (Wr. Freyung); Stifters "Tandelmarkt" erschien u.a. 1870 im Band "Aus dem alten Wien" (r. Ausgabe 1940) .© Bilder: Canaletto, ca. 1760/Archiv Marktfrauen (Wr. Freyung); Stifters "Tandelmarkt" erschien u.a. 1870 im Band "Aus dem alten Wien" (r. Ausgabe 1940) .© Bilder: Canaletto, ca. 1760/Archiv

Der eingangs erwähnte Mechaniker-Gehilfe kam vor Gericht - ihm blühte Haft. Immerhin hatte er innerhalb weniger Monate zwölf Fahrräder im Werthe von 800 fl. (= Gulden) gestohlen. Das entsprach etwa dem Jahresgehalt für gehobenere Berufe wie Gymnasiallehrer. Diener in Ministerien mussten mit nicht einmal der Hälfte auskommen, Köchinnen mit weit weniger.

Glückspilze konnten an den Ständen ihren Lohn gehörig aufbessern. Um ein paar Münzen kaufte 1867 ein Lehrling eine Weste und staunte nicht schlecht, als er das Futter genauer inspizierte. 500 fl. fand er feinsäuberlich eingenäht - samt Notiz: "Der das Geld findet, wird es gewiß brauchen können, denn Reichthum kauft nicht am Trödelmarkt."

Die Erkenntnis des noblen Spenders traf auch auf das meist bescheidene Tandlerleben zu. Schon 1762 hielt der Wiener Magistrat fest: Die Konzessionen sollten "Mittellosen" zur "Erwärbung der erforderlichen Nahrung" dienen. Aus den Bretterhütten lugten Kriegsinvalide, Zuwanderer und Witwen, die sich allzu oft mit haltlosen, häufig antisemitischen Bezichtigungen konfrontiert sahen.

Die Laune ließen sie sich dadurch nicht verderben. Die Trödler waren für ihre wilden Faschingsfeste bekannt - so wild, dass sie sogar verboten wurden: Nachdem um 1880 ein als Leiche verkleideter Händler eine feinnervige Kundin gar sehr erschreckt hatte, folgte die behördliche Feiersperre. Die bunten Abende wurden zu Grabe getragen. Die Wiener Tandler aber rufen einem bis heute ihre Angebote mehr oder weniger munter zu - und zwischen vergilbten Blättern und angeschlagenem Porzellan verbergen sich wie eh und je wahre Schätze.

Kopfnuss: Was bedeutete "Tand" ursprünglich? (Geknackte Kopfnuss auf der nächsten Seite)


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 16:50:24
Letzte Änderung am 2018-08-01 17:09:47


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