• vom 02.08.2018, 14:00 Uhr

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Fundstück

Freudiges Versuchskaninchen




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    © WZ-Faksimile: M. Szalapek © WZ-Faksimile: M. Szalapek

    Wundermittel wurden in den Annoncenteilen einstiger Zeitungen zu Hauf angeboten. Auch die hier wiedergegebene Anzeige aus der "Wiener Zeitung"-Spätausgabe "Wiener Abendpost" vom 16. August 1873 versprach Abhilfe gegen alle möglichen Krankheiten: Von Hals- und Brustleiden über Magen-, Leber, Unterleibs- und Hämorrhoidalbeschwerden bis hin zu Schwächezuständen "jeder Art".

    Der Name des Allheilmittels: Coca.


    Der Genuss der ovalen Blätter des Coca-Strauchs war in Südamerika seit jeher bekannt und beliebt. Ein junger Wiener Assistenzarzt wollte Wirkung und Nutzen der Droge erforschen und berichtete in seiner 1884 erstmals erschienenen Abhandlung "Über Coca" von den Erfahrungen, die er im Selbstversuch machte: "Wenige Minuten nach der Einnahme stellt sich eine plötzliche Aufheiterung und ein Gefühl von Leichtigkeit her." Er bemerkte außerdem "ein Pelzigsein an den Lippen und am Gaumen, dann ein Wärmegefühl an denselben Stellen" oder aber "eine angenehme Kühle im Munde und Rachen".

    Die eigentliche "Cocaïn-Euphorie" beschreibt der experimentierfreudige Mediziner mit einer vermeintlichen "Zunahme der Selbstbeherrschung": Man fühle "sich lebenskräftiger und arbeitsfähiger", jedoch ohne die "edle Excitation und Steigerung der geistigen Kräfte", wie man sie zum Beispiel von Kaffee-, Tee- oder Alkoholgenuss her kenne.

    Seine Studien über das Kokain, dessen Gefährlichkeit ihm erst einige Zeit danach bewusst werden sollte, sind der Nachwelt nur als Randnotiz in Erinnerung geblieben. Einen Namen machte sich Dr. Sigmund Freud später vor allem als Begründer der Psychoanalyse.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-08-01 16:59:21
    Letzte Änderung am 2018-08-01 17:01:39


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