• vom 02.11.2018, 10:00 Uhr

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Update: 02.11.2018, 14:40 Uhr

Tierquälerei

Warum Tiere keine Maschinen sind




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Von Alfred Schiemer

  • In den Jahren um 1900 steckte der Tierschutz noch in seinen Anfängen.
  • Nicht nur 123 Jahre zurückgeblättert.

Weidendes Rind mit einer ganz in ein Buch vertieften Hirtin. (Teil eines Gemäldes von Rudolf Koller, 1828-1905)

Weidendes Rind mit einer ganz in ein Buch vertieften Hirtin. (Teil eines Gemäldes von Rudolf Koller, 1828-1905)



Ein Retter, der der Lebensgefahr trotzte und in Panik geratene Rosse zum Halten brachte. (Bild: "La Tribuna Illustrata...", Rom, 7. Oktober 1900)

Ein Retter, der der Lebensgefahr trotzte und in Panik geratene Rosse zum Halten brachte. (Bild: "La Tribuna Illustrata...", Rom, 7. Oktober 1900) Ein Retter, der der Lebensgefahr trotzte und in Panik geratene Rosse zum Halten brachte. (Bild: "La Tribuna Illustrata...", Rom, 7. Oktober 1900)

Im wilden Westen Wiens ging es einst arg zu. Die "Wiener Zeitung"-Spätausgabe "Wiener Abendpost" vom 21. November 1895 berichtete das in nüchternen Worten. Einleitend hieß es: Am 19. d. M. (= des Monats) Abends mißhandelten die Kutscher Jakob Irlweck und Franz Bicek auf dem Flötzersteige in Hütteldorf die Pferde ihrer Wagen.

Vermutlich geschah dies auf dem nahe der Linzer Straße verlaufenden steilen Wegstück, das Zugtieren von Schwerfuhrwerken das Äußerste abverlangte. Jedenfalls sah ein Tierfreund dem Treiben nicht tatenlos zu: Der Placateur Wilhelm Reschke, Mitglied des Thierschutzvereines, stellte die Kutscher zur Rede, wurde aber (...) beschimpft und mit umgekehrtem Peitschenstiele geschlagen, so daß er flüchten mußte.

In der Folge griff die Polizei gegen die auch für Menschen gefährlichen Fuhrleute durch. Zuerst nahm sie sich einen der beiden vor: Zwei Sicherheitswachmänner erklärten Irlweck für arretirt (...).

Das machte auf diesen Peitschenschwinger allerdings wenig Eindruck. Er widersetzte sich, warf einen der Wachmänner zu Boden und versetzte ihm Faustschläge ins Gesicht. Nur mit Mühe konnte er überwältigt und zum Commissariate Hietzing (Hütteldorf gehörte damals zum 13. Bezirk) gebracht werden. Auch während der Escorte benahm er sich ungemein gewaltthätig (...).

Franz Bicek, der zweite des Duos, musste ebenfalls mitgehen. Er blieb ruhig; er hoffte wohl, mit einer Geldstrafe abgefertigt zu werden. Seinem Kumpan, der einen Polizisten verletzt hatte, drohte mehr Ungemach.

Wie immer die Sache geendet haben mag, die gequälten Vierbeiner dürften kaum in bessere Zeiten getrabt sein. Schutz stand Zugpferden vor mehr als einem Jahrhundert meist nur auf geduldigem (Gesetzes-)Papier zu. Zuweilen wurden die herrlichen Tiere bis aufs Blut geschunden. Auch Ignoranz beschwor schlimmstes Unglück herauf. Wer mit Pferden arbeitet, sollte sie ein wenig verstehen. Wichtigster Punkt: So klug und stark das Ross ist, es bleibt sein Leben lang ein Fluchttier. Selbst ein plötzlich auffliegendes Vögelchen kann Panik auslösen.

Einst waren durchgehende Pferde der Schrecken in Stadt und Land; manchmal enden Kutschenfahrten noch heute böse.

Scheuklappen mögen einiges verhindern, Wunder wirken sie nicht. Vertrauen der Zugtiere zum Lenker ist wichtiger. Wenn trotz allem der Fall des Falles eintritt, können nur noch verständige und todesmutige Leute helfen. Hut ab vor den Rettern, die davonrasenden Rössern in die Zügel fallen! Übrigens entspringt das oben wiedergegebene Bild nicht der Phantasie. Es dokumentiert vielmehr, wie ein Kaplan in Livorno anno 1900 eine derartige dramatische Situation meisterte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-31 10:46:05
Letzte Änderung am 2018-11-02 14:40:14


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