Rege Teilnahme am ersten SDG-Forum. - © SDG Watch
Rege Teilnahme am ersten SDG-Forum. - © SDG Watch

Der Veranstalter SDG Watch Austria, eine zivilgesellschaftliche Plattform mit mehr als 140 Mitgliedsorganisationen, die sich für die Umsetzung der Agenda 2030 und der UN Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) einsetzt, zog im ersten Österreichischen SDG Forum, das vergangene Woche in Wien veranstaltet wurde, Bilanz. Was hat Österreich 2018 zur Verwirklichung der SDGs beigetragen und was muss in der Zukunft verbessert werden? Zahlreiche Vertreter von diversen NGOs, dem Think Tank CEPEI, dem Rechnungshof und vor allem der Zivilgesellschaft nahmen teil an einem regen Meinungs- und Erfahrungsaustausch, bei dem es vor allem um die Frage ging, welche Rolle der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung der SDGs zukommt und wie sie sich stärker als bisher einbringen kann.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Ökobüro Geschäftsführer Thomas Alge, der die Teilnehmer im Namen von SDG Watch Austria willkommen hieß, und einer Videobotschaft von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich ausdrücklich zur Umsetzung der Global Goals bekannte und seine Unterstützung für die Veranstaltung zum Ausdruck brachte, kamen auch gleich zwei SDG-Botschafterinnen zu Wort. Im Gespräch mit Thomas Alge, der in seiner Eröffnungsrede an die Regierung appelliert hatte, mehr für die Umsetzung der SDGs zu tun – "Die SDGs müssen Chefsache werden" – erörterten Sümeyra Coşkun und Viktoria Pichler die Frage, wie man die Nachhaltigkeitsziele der Bevölkerung nahebringen könne. Die SDGs müssten auch sprachlich konkreter dargestellt werden, man müsse wegkommen von den abstrakten Formulierungen des offiziellen Dokuments. Dann kann man auch Menschen für die Inhalte der Ziele interessieren, die bislang wenig oder gar nichts drüber wussten, meinte Coşkun. Viktoria Pichler regte an, dass jeder Einzelne in seinem persönlichen Umfeld etwas tun könne, um die SDGs voranzubringen. Mit diesem Appell richtete sie sich vor allem auch ihre Generation – denn schließlich seien junge Menschen diejenigen, die am meisten von einer erfolgreichen Umsetzung der Agenda 2030 profitieren könnten, aber auch diejenigen, die am meisten darunter leiden würden, falls diese scheitert.

Ernüchternde Bilanz des Rechnungshofes

Im Folgenden ergriff Silke Steiner, SDG-Beauftragte des Österreichischen Rechnungshofes, das Wort. Mit Bezug auf den Bericht ihrer Organisation "Nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, Umsetzung der Agenda 2030 in Österreich" vom Juli 2018 kam sie zu dem Schluss, dass es zwar bereits zahlreiche Aktivitäten mit SDG Bezug gebe, aber keinen gesamtheitlichen Ansatz zur Umsetzung der Agenda 2030. Steiner verwies auf den Mangel an systematischer Koordinierung sämtlicher stakeholder von Bund, Ländern, Gemeinden und der Zivilgesellschaft zur gemeinsamen Arbeit an den SDGs. Hier sei man in anderen europäischen Ländern, wie etwa den Nachbarländern Deutschland und Schweiz, deutlich weiter. Österreich hinke auch bei der Berichterstattung an das HLPF (High Level Political Forum) hinter anderen europäischen Ländern her. Mit ihrem Plan, 2020 erstmalig einen Bericht zum Stand der SDG Umsetzung abzuliefern, sei die österreichische Bundesregierung spät dran – 24 europäische Länder hätten bereits einen entsprechenden Bericht abgeliefert, kritisierte Steiner.