Nachhaltigkeit leben und anderen näher bringen – mit diesem Ziel vor Augen brachen Angelina Wolf, Projektmanagerin bei oikos Vienna, und Sebastian Gerlich am 7. Juni 2018 zu einer zwei Monate dauernden Klimawanderung quer durch Österreich auf. Im Rahmen des Projekts Ecognize wollten sie herausfinden, was die ÖsterreicherInnen bereits wissen über die UN Nachhaltigkeitsziele (SDGs - Sustainable Development Goals) und wo Informationsbedarf besteht. Besonders ansprechen wollten sie dabei die junge Generation – weshalb sie entlang ihrer Wandertour auch immer wieder an verschiedenen Schulen für Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren Workshops abhielten zu globalen Herausforderungen wie Klima, Konsum und Entwicklung mit dem Fokus auf Climate Action – Maßnahmen für den Klimaschutz (SDG 13). Zurück auf den Wanderpfad wird auch aktiv das Gespräch mit der lokalen Bevölkerung gesucht, um sich über eine nachhaltige Zukunft unsere Gesellschaft auszutauschen. Ihre Erfahrungen und Eindrücke beim "Klimawandern" quer durch Österreich haben Angelina und Sebastian in Blogs festgehalten und auf Instagram dokumentiert.

Die Aktion "klimawandern" war Teil des Projekt Ecognize,

das von oikos Vienna gemeinsam mit dem "Ökosozialen Studierendenforum"

gegründet wurde, einem Zusammenschluss von Studierenden und

HochschulabsolventInnen, die sich für ökosoziale Gesellschafts- und

Wirtschaftsmodelle engagieren. 
- © Angelina/Sebastian

Die Aktion "klimawandern" war Teil des Projekt Ecognize,
das von oikos Vienna gemeinsam mit dem "Ökosozialen Studierendenforum"
gegründet wurde, einem Zusammenschluss von Studierenden und
HochschulabsolventInnen, die sich für ökosoziale Gesellschafts- und
Wirtschaftsmodelle engagieren.

- © Angelina/Sebastian

Die SDGs: (noch) unbekannt, aber interessant!

Neben der sportlichen Herausforderung der langen Strecke verloren die beiden jungen Wanderer nie ihre Mission aus den Augen – sich ein Bild zu machen vom aktuellen Wissensstand in Österreich über die SDGs und das Gespräch zu suchen mit der Zivilbevölkerung, PolitikerInnen und den Medien, um über diese Schiene Informationen zu den "Global Goals" zu verbreiten.

Die Bilanz dieses Unterfangens war anfangs eher ernüchternd – Angelina und Sebastian trafen kaum jemand, der die UN Nachhaltigkeitsziele kannte. Allerdings – und das gibt Anlass zu Hoffnung - die Menschen, denen sie von den Zielen und ihren Inhalten erzählten, waren durchweg neugierig und interessiert! Dass die Umsetzung der SDGs nicht nur Sache der Regierungen ist, sondern jeder Einzelne etwas beitragen kann und muss wurde als Motivation gesehen, sich für diese Ziele einzusetzen: "Nur gemeinsam können wir es schaffen!"

Klimabündnis Tirol: "Globale Ziele San Net Deppat"

Tatsächlich passiert bei der Umsetzung der SDGs auf lokaler und kommunaler Ebene auch bereits einiges. In Innsbruck besuchten die Klimawanderer eine Institution, die sich seit 20 Jahren unter dem Motto "global denken, lokal handeln" mit der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen in Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Betrieben beschäftigt: das Klimabündnis Tirol.

Bei einer Kaffeejause im neuen Klimabündnis Büro im Herzen Innsbrucks berichteten sechs Damen über ihre SDG Informationsarbeit. So produziert das Klimabündnis Österreich Materialien zu den SDGs (so beispielsweise eine informative Broschüre Globale Ziele san ned deppat) und macht darüber hinaus mit Veranstaltungen, Projekten und Initiativen zur Umweltbildung auf etliche Ziele aufmerksam.

Klimaschutz mit DoppelPlus

Eine der Initiativen von Klimabündnis Tirol trägt den bezeichnenden Namen DoppelPlus. Hier werden Menschen geschult, auf ehrenamtlicher Basis Haushalte mit geringem Einkommen zum Thema Klimaschutz und Energieeffizienzsteigerung in den Bereichen Wohnen, Heizen, Strom, Mobilität, Beschaffung und Ernährung zu beraten. Das Erstaunliche ist, dass eine solche Beratung mindestens 10 der 17 Ziele tangiert (Keine Armut, Kein Hunger, Hochwertige Bildung, Bezahlbare und Saubere Energie, Weniger Ungleichheiten, Nachhaltige Städte und Gemeinden, Nachhaltiger Konsum and Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz, Leben an Land, Partnerschaft zur Erreichung der Ziele). Mehr Information unter https://www.doppelplus.tirol/de/home/

Darüber hinaus lernen die Teilnehmer einer solchen Beratung, dass sie nicht nur etwas für die Umwelt und das Klima tun, sondern gleichzeitig auch ihr eigenes Geldbörserl schonen können. Und ein nachhaltiger Lebensstil kann ganz neue Perspektiven eröffnen. "Wie gut sich das beispielsweise anfühlt ein Green Event zu organisieren, wo es megagutes vegetarisches Essen gibt, wie man gesund bleibt durch Fahrradfahren und gleichzeitig das Klima schont, oder wie erholsam und stressfrei es ist, einfach mal den Urlaub wandernd in Österreich zu verbringen, ohne vorher stundenlang zu fliegen," schwärmt Angelina in einem Blogeintrag.

Mit den SDGs durch Österreich wandern – was hat’s gebracht?

Am Ende ihrer zweimonatigen Klimawandertour durch Österreich sind Angelina und Sebastian überzeugt, dass sie nicht nur die Botschaft der SDGs verbreitet, sondern darüber hinaus ganz viel über ihr Land und schlussendlich auch über sich selber gelernt haben. Beim Wandern mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu kommen, ihnen von den SDGs zu erzählen und sie zum Nachdenken über Nachhaltigkeit anzuregen, hat die beiden auch in ihrer persönlichen Entwicklung weitergebracht.

"Die eigene Blase verlassen," nennt Angelina den Entschluss, für einige Zeit der eigenen, kleinen Welt mit den Menschen, die auf der gleichen (nachhaltigen) Wellenlänge schwimmen, den Rücken zu kehren und sich einzulassen auf den Dialog mit völlig anderen Menschen, die größtenteils noch nie etwas von den SDGs gehört haben und mit denen ins Gespräch zu kommen dennoch verblüffend einfach war. Ihr Vorhaben, die Nachhaltigkeitsziele in Österreich bekannt(er) zu machen, wurde jedenfalls durch diese persönlichen Kontakte verwirklicht. Die Begegnung mit den beiden Klimapilgern hat das Interesse der Menschen geweckt. "Dadurch, dass wir die SDGs als die weit entfernt klingenden "Globalen Ziele" von ihrem Podest herunterholten, indem wir sie mit unseren eigenen Handlungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten verknüpften, war es uns möglich die Inhalte auf Augenhöhe und in die Lebenswelt der Menschen hinein zu kommunizieren," ist Angelina überzeugt.

Als Fazit ihrer Wanderung stellten Angelina Wolf und Sebastian Gerlich jedenfalls übereinstimmend fest: "Unser Weg wird am Bodensee nicht enden."

Klar – denn ihr eigentliches Ziel ist der Weg in eine nachhaltige Zukunft – und diese Wanderung hat erst begonnen!