Wien. Beim Versuch, die Rolle der Frauen im Impact Investing - dem "wirkungsorientiertem Investieren" - zu charakterisieren, fallen zunächst einige allgemeine Merkmale auf, die Impact-Investoren von anderen Investortypen unterscheiden. Wissenschaftliche Recherchen ergeben, dass Impact-Investoren tendenziell eher jünger sind, über einen höheren Bildungsgrad verfügen, beruflich bessere Positionen innehaben und folglich auch mehr verdienen. Genau jene Personengruppen neigen verstärkt dazu, Wohltätigkeit durch Impact Investing zu ersetzen.

Frauen investieren anders

Eine von Women’s Philantrophy Institute durchgeführte Studie ergab, dass Frauen beim Wechsel von karitativer Spendertätigkeit zum Impact Investment vorsichtiger und weniger konsequent agieren als ihre Investor-Kollegen. Frauen wollen erst einmal mehr über Impact Investing erfahren und lernen – eine Erkenntnis, die durch andere Studien ebenfalls bestätigt wurde – und daher betreiben sie Impact-Investing-Aktivitäten zunächst oft parallel zu ihrem karitativen Engagement.

Männer dagegen tendieren dazu, Philanthropie einfach gegen Impact Investing einzutauschen. Ein Grund für diesen Unterschied könnte sein, dass Frauen bei finanziellen Entscheidungen eher konservativer und weniger risikofreudig sind. Auch steht bei der reinen Spendentätigkeit, laut Studie, immer noch die Neigung zu Empathie und Altruismus als hauptsächliche Motivation im Vordergrund, und diese ist unter Frauen offensichtlich verbreiteter als unter Männern, die ihr Handeln tendenziell mehr nach Eigeninteressen ausrichten. Schließlich neigen Frauen auch stärker dazu, sowohl ihre Spender- als auch ihre Investitionstätigkeit eher durch eine "gender lens" – eine weibliche Perspektive - zu betrachten, und Wert darauf zu legen, dass ihr Geld – ob Spende oder gewinnorientierte Investition – insbesondere Frauen und Mädchen zugute kommt.

Diskrepanz zwischen Überzeugung und Handeln

Was sind nun einige der Faktoren, die Frauen eher davon abhalten, sich stärker im Bereich Impact Investing zu engagieren? Hier haben etliche Studien gezeigt, dass das Frauen sehr wohl großes Interesse am sogenannten sozialverantwortlichem Investieren (oder Impact Investing) haben. Aber obwohl zwischen 59 und 79 Prozent Frauen ihr Interesse an dieser Investitionsform bekundeten, im Vergleich zu zwischen 28 und 62 Prozent der befragten Männer (die Zahlen variieren je nach Studie) – schlägt sich diese Einstellung oft nicht unmittelbar in ihrem Handeln nieder. Hier scheint es so zu sein, dass Frauen tendenziell im Finanz- und Investitionsbereich bereich weiniger selbstbewusst agieren, weniger risikofreudig sind und weniger Zeit auf ihre Investitionsentscheidungen verwenden. Neugier und Bereitschaft, Geld gesellschaftlich und ökologisch wirkungsorientiert zu investieren sind zwar vielleicht ausgeprägt vorhanden, aber weibliche Investoren sind oftmals unsicher, wo sie anfangen sollen. Auch haben sie ein stärker ausgeprägtes Bedürfnis, sich zuerst gründlicher über den Bereich Impact Investing zu informieren, bevor sie sich endgültig darauf festlegen.