Langfristig müsse man allerdings eine noch stärkere Einbindung der SDGs in den Privatsektor anstreben, meinte Benischek und regte an, die momentan günstigen Kreditbedingungen auszunutzen, um in konkrete Projekte mit SDG-Bezug zu investieren. So könnte etwa die Errichtung von Photovoltaik Anlagen auf Gemeindebaudächern von Privatunternehmen finanziert werden. Dazu bedürfe es allerdings der Flexibilität aller Projektpartner – so müsse beispielsweise dann auch akzeptiert werden, dass die Anlagen nicht der Stadt Wien gehören.

Problem Finanzierung: Langer Weg von der Idee zur Umsetzung

Dieser Vorschlag dürfte bei Cornelia Daniel, Geschäftsführerin der Solaranlagenfirma Dachgold, gut angekommen sein. Schließlich hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 1001 Dächer mit Dachgold Photovoltaik-Anlagen auszustatten. Sie wies allerdings auch gleich auf die Finanzierungsproblematik solcher innovativen Ansätze hin, der ihrer Meinung nach ein Mangel an Wissen über Möglichkeiten nachhaltiger Energiegewinnung zugrunde liegt. Aufgrund mangelnden Vorwissens dauere die Umsetzung von Projekten wie Dachgold in Österreich derzeit vom Erstgespräch zur Umsetzung bis zu vier Jahre, bedauerte Daniel.

"Wer wollen wir gewesen sein?"

Vor dem Beginn der Plenumsdiskussion rund um das SDG 9, hatte Ramona Kordesch von der gemeinnützigen Stiftung Societas Futura dazu angeregt, die Nachhaltigkeitsziele aus einem philosophischen Blickwinkel zu betrachten. Sie rief dazu auf, die SDGs in einer vollendeten Zukunft zu denken und sich im Hinblick auf das Jahr 2030 zu fragen: "Wer wollen wir gewesen sein? Was wollen wir erreicht haben? Wie wollen wir es erreicht haben? Und zuletzt: Warum wird es gelingen?"

In einem weiteren philosophischen Exkurs nach der Pause, warf der Historiker und Soziologe Prof. Reinhold Knoll einen kritischen, aufrüttelnden Blick auf die SDGs, die er als "Wunschziele" bezeichnet und die seiner Meinung nach im krassen Gegensatz stehen zum immer schneller voranschreitenden Klimawandel und der Unfähigkeit und Unwilligkeit politischer Akteure, etwas dagegen zu unternehmen. Insofern seien die SDGs laut Knoll auch Ausdruck einer verdeckten Verzweiflung.

Ausblick: Gemeinsam weiter für die SDGs

Zusammenfassend wurden in Verlauf dieser "Solution Talks" Veranstaltung zahlreiche Initiativen und Anregungen zur Sichtbarmachung und konkreten Umsetzung der SDGs vorgestellt. Dabei kamen auch aus dem Publikum konstruktive Vorschläge – beispielsweise die Sprache der SDG Vermittlung den jeweiligen Zielgruppen anzupassen oder Symbole zu verwenden, um die Nachhaltigkeitsziele der Bevölkerung näher zu bringen, die auch an öffentlichen Plätzen und Verkehrsmitteln angebracht werden könnten.

Am Schluss der Veranstaltung verpflichteten sich alle TeilnehmerInnen mit ihrer Unterschrift dazu, das Nachhaltigkeitsthema weiter zu tragen und in ihren jeweiligen Unternehmen, Organisationen und Institutionen Projekte und Initiativen zur SDG Umsetzung anzustoßen. Die nächste Veranstaltung ist für November geplant und soll dem SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele – gewidmet werden.