Beteiligt, geklickt, und dann?

2014 konnten die Wiener mitentscheiden, wie der Schwedenplatz in der Wiener Innenstadt in Zukunft aussehen soll. "Dialog plus", das Unternehmen von Peter Kühnberger, lud die Bürger ein, eigene Ideen einzubringen und anschließend über ihre Lieblingsvarianten abzustimmen. Das Ergebnis wurde 2014 an die Architekten übergeben. Doch bis heute wurde das Projekt nicht realisiert, und alle, die sich damals beteiligten, wandern immer noch über den "alten" Schwedenplatz. Peter Kühnberger sagt: "Für viele, die sich eingebracht haben, ist nicht nachvollziehbar, warum vier oder fünf Jahre nach dem Beteiligungsprozess die Ideen noch immer nicht umgesetzt sind." Solche Zeiträume sind für größere Stadtviertel-Umgestaltungen allerdings nicht ungewöhnlich. Nur müssen dies die Bürger auch wissen. Kühnberger: "Es ist wichtig, die Erwartungshaltung bei denen, die sich beteiligen, realistisch zu halten, sonst ist das Potenzial für Frustration groß - und das macht nicht unbedingt Lust, sich wieder zu engagieren."

Dieses Thema beschäftigt etwa auch Maria Leitner. Die Wissenschaftlerin am Austrian Institute of Technology (AIT) hat das vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie finanzierte Forschungsprojekt "ePartizipation" geleitet, bei dem die Gestaltung und Implementierung einer direkt anwendbaren, skalierbaren und sicheren Gesamtarchitektur eines E-Partizipations-Ökosystems erforscht wurde. Leitner erinnert sich an die wichtige Erkenntnis: "Wir haben in diesem Projekt erkannt, dass bei E-Partizipation nicht nur die Durchführung der Projekte, sondern auch die Nachbereitung wichtig ist. Man muss sich immer fragen: Wie gehe ich mit dem Ergebnis um, um die Personen, die teilgenommen haben, zu motivieren, wieder mitzumachen?"

Judith Schoßböck, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für E-Governance der Donau-Universität Krems hat Erfahrung damit gemacht, wie bei E-Partizipation auch ein zu Beginn großes Engagement während des Prozesses rasch abnehmen kann. Sie arbeitete maßgeblich beim Projekt "OurSpace - The Virtual Youth Space" mit, das zwischen 2010 und 2013 durchgeführt wurde und zum Ziel hatte, jungen Menschen eine Plattform für ihre Anliegen zur Verfügung zu stellen und dort auch den Kontakt zu Entscheidungsträgern herzustellen, und zwar in Österreich, Griechenland, Tschechien und Großbritannien. Es handelte sich dabei um "Blended Participation", also eine Mischung aus On- und Offline-Angeboten. Die Initiatoren arbeiteten mit Schulen und mit Jugendorganisationen zusammen. Vonseiten der Politik gab es zunächst Interesse: In Österreich erklärten sich fast alle Parteien bereit, mitzumachen. Die Politiker und Stakeholder verpflichteten sich, regelmäßig auf der Plattform vorbeizuschauen und auf den Input der Jugendlichen zu reagieren. Doch sie hielten sich nicht verlässlich daran. Schoßböck erklärt sich das unter anderem so: "Man hatte sich Massenpartizipation aus dem Nichts heraus erträumt, nur weil das Medium so treibt." Weit gefehlt: Der Plattform gelang es nicht, die "Massen" zu mobilisieren. Ein Learning für alle. Schoßböck: "Mittlerweile sieht man das ein bisschen realistischer. Wir wissen jetzt: Nur weil ein Prozess online ist, beteiligen sich nicht automatisch so viel mehr Menschen."