Partizipation - für wen?

Die grundsätzliche Frage, wer sich beteiligen kann oder sollte, war auch beim Schwedenplatz ein Thema: Bei online einreichbaren Beiträgen müsse besonders darauf geachtet werden, ob es um Einzelinteressen geht oder um Inhalte, die für das Gemeinwohl gut sind, meint Kühnberger. "Der Gemeinwohlaspekt hat für uns Priorität. In der Regel versuchen wir unsere Prozesse so anzulegen, dass breitere Interessen vertreten sind." Man müsse bedenken, dass sich manche Interessensgruppen oder Betroffene nicht selbstständig einbringen oder einbringen können. Bei der Neugestaltung des Wiener Schwedenplatzes etwa hat das Team bewusst Obdachlose angesprochen und nach ihren Bedürfnissen gefragt. Auch die Parkour-Gruppe, die sich jede Woche dort trifft, wurde integriert. Kühnberger: "Es gibt auch Pensionisten, Eltern, Triathlon-Trainierende. Wie bringe ich Kinder, Jugendliche oder Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache in den Prozess?"

Schoßböck sieht nach wie vor sehr viele Vorteile in E-Partizipation. Zum Beispiel die Chance, zu besseren Entscheidungen zu kommen bzw. die Legitimität der Entscheidungen sicherzustellen: "Man kann erwarten, dass es eine bessere Transparenz bei Entscheidungsprozessen gibt und die Akzeptanz für das, was herauskommt, höher ist."

Ob ein E-Partizipationsprozess funktioniert, ist letzten Endes auch eine Frage der Ressourcen: "Bei einem mehrstufigen Prozess braucht man jemanden, der die besten Vorschläge zusammenfasst", sagt Schoßböck. Insbesondere die Verwaltungen müssten lernen, sich auch personell auf den Mehraufwand digitaler Beteiligung einzustellen.

Maria Leitner hofft, dass neue Technologien, etwa intelligente Sprachassistenten, die Akzeptanz erhöhen könnten. Auch das Internet der Dinge werde E-Partizipation verändern. Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft: "Wenn wir in einigen Jahren wieder darüber reden, wird sich E-Partizipation stark verändert haben."