Sie sind da, wenn es brennt. Sie bergen, wenn ein Unfall passiert. Sie helfen, wenn eine Katastrophe hereinbricht: die freiwilligen Helferinnen und Helfer der Feuerwehr. Ihr Dienst ist unverzichtbar, denn das österreichische Feuerwehrsystem basiert überwiegend auf dem Ehrenamt.

Wie wichtig der Einsatz freiwilliger Feuerwehrleute ist, wird besonders in Katastrophenfällen deutlich, wie etwa im Jahr 2002, als Österreich mit einem Hochwasser von bis dahin unvorstellbarem Ausmaß zu kämpfen hatte.

Als gerade einmal Zehnjährige erlebe ich damals hautnah mit, wie binnen weniger Stunden ganze Straßenzüge meiner Heimatstadt Steyr von gewaltigen Wassermassen überschwemmt werden. Schlammfarbene Fluten reißen alles mit, was nicht fest verankert ist, und Brücken müssen gesperrt werden. Von einem Schulausflug schaffe ich es mit dem letzten Zug noch zurück nach Steyr, als sich die Lage zuspitzt und ich getrennt von meinen Eltern auf der anderen Seite einer Brücke stehe, abgeschnitten von meinem Zuhause. Während ich Unterschlupf bei Verwandten finde und bereits am nächsten Tag auf anderen Wegen nach Hause zurückkehren kann, müssen viele evakuiert werden und verlieren ihr gesamtes Hab und Gut.

In ständiger Bereitschaft

Neben der Polizei, der Rettung und anderen Hilfs- und Einsatzkräften kämpfte die Feuerwehr an vorderster Front, um die Bevölkerung und die Stadt vor dem Jahrhundertereignis zu schützen. Die Feuerwehrleute arbeiteten Tag und Nacht – oft ohne Pause. Einer davon war mein Vater. Er ist seit vielen Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, dieses Hochwasser stellte jedoch auch ihn vor besondere Herausforderungen. Nach stundenlangen Einsätzen kam er völlig erschöpft heim. "Als Feuerwehrmitglied muss man stets bereitstehen, wenn Hilfe benötigt wird", erklärte er. Einsatzbereitschaft zu jeder Tages und Nachtzeit, um Hilfe für die Allgemeinheit zu leisten – damals wurde mir bewusst, was das bedeutet. Feuerwehrleute sind laufend im Einsatz, um Naturkatastrophen und andere herausfordernde Situationen zu meistern. Erst Mitte August dieses Jahres führten Murenabgänge nach schweren Gewittern in mehreren Bundesländern zu zahlreichen Einsätzen.

Zwischenbrücken in Steyr mit Blick auf die Ennsbrücke während des Hochwassers 2002. - © Picturedesk
Unwetter. Zwischenbrücken in Steyr mit Blick auf die Ennsbrücke, die aufgrund des Hochwassers 2002 gesperrt werden musste. - © Picturedesk

An der Spitze stehen die Freiwilligen

"Österreich ist gut aufgestellt. 99 Prozent der Feuerwehrmitglieder in Österreich leisten ihren Dienst ehrenamtlich, also unbezahlt. Sie sind Teil eines Systems, das mehr als 150 Jahre wachsen und reifen konnte. Diese Tradition beschert uns glücklicherweise 340.000 Mitglieder und mindestens eine Feuerwehr pro Gemeinde – also ein flächendeckendes Netz von kleineren und größeren Feuerwehren", sagt Mathias Seyfert vom Bundesfeuerwehrverband.

Der Großteil des heimischen Feuerwehrwesens wird durch das Ehrenamt getragen. Im Jahr 2019 standen österreichweit sechs Berufsfeuerwehren und 306 Betriebsfeuerwehren 4.487 Freiwillige Feuerwehren gegenüber. Die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen zehn Jahren leicht gestiegen. Die Zahl der Feuerwehrfrauen verdoppelte sich im selben Zeitraum auf 25.000.

Initiativen für das Ehrenamt

Damit die Feuerwehren stets über ausreichend Mitglieder verfügen, wird einiges unternommen: "Die Zukunft ist gesichert, weil wir den Herausforderungen aktiv begegnen", so Seyfert. Beispielsweise informiert die Bildungsinitiative "Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr" Kinder und Jugendliche über das Thema Brandschutz; hier wird auch Interesse für das Ehrenamt Feuerwehr geweckt. Man sei außerdem darum bemüht, dass das Ehrenamt für die Mitglieder der Feuerwehr attraktiv bleibe. Beim Land Oberösterreich oder in Kärntner Gemeinden gibt es beispielsweise einen "Ehrenamtsbonus" bei der Jobvergabe. Zudem konnte man eine kostenlose Hepatitis-Impfung für Feuerwehrmitglieder erwirken. Offen seien hingegen noch ein paar essenzielle Punkte, wie ein Pensionsvorsorgemodell, Steuererleichterungen und weitere Impfungen, betont Seyfert.

Mehr Solidarität mit den Freiwilligen

Wichtig sei es darüber hinaus, Arbeitgeber von der Bedeutung der ehrenamtlichen Tätigkeit der Feuerwehrleute zu überzeugen, schließlich gebe es auch tagsüber Einsätze, wenn viele der Feuerwehrleute ihren Jobs nachgehen. Man sei also darauf angewiesen, dass Arbeitgeber die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute in Notfällen für den Einsatzdienst freistellen. Aus diesem Grund entwickelte man per Gesetz einen Arbeitgeberbonus, der bei speziell definierten Großeinsätzen Arbeitgebern pro Arbeitstag und Mitarbeiter eine gewisse Prämie zuspricht, wenn sie ihn für den Einsatz freistellen, ohne ihm Urlaubstage dafür zu verbuchen. Das soll verhindern, dass sich Arbeitnehmer Urlaub für den Feuerwehrdienst nehmen müssen, und Arbeitgeber motivieren, ihre Mitarbeiter für Feuerwehreinsätze freizustellen.

Diese Entlastung gelte aber nur für Großeinsätze unter bestimmten Voraussetzungen, berichtet Markus Voglhuber vom Landesfeuerwehrverband Oberösterreich. "Solche Einsätze sind jedoch nicht die Regel. Oft ergibt sich hier ein gewisses Solidaritätsproblem. Zwar unterstützen viele Unternehmen das Ehrenamt, aber nicht alle Arbeitgeber zeigen sich kulant. Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter nämlich nicht in den Feuerwehrdienst entlassen", erklärt der Brandrat. Man hoffe aber auf ein stärkeres Bewusstsein für das Ehrenamt in der Wirtschaft: "Die Solidarität mit den freiwilligen Feuerwehrkräften zu leben, ist eine enorme Hilfe für das Ehrenamt seitens der Wirtschaft und wichtig für die Sicherstellung des Freiwilligen Feuerwehrsystems in Österreich", betont Voglhuber.

Denn oft wird der Alltag zum Problem für die Freiwilligen. Viele sind mit Beruf und Familie ohnehin nahezu ausgelastet. "Die größte Herausforderung ist wohl, alles unter einen Hut zu bringen. Es ist auch wichtig, dass das berufliche sowie private Umfeld das Engagement mitträgt, akzeptiert und sich flexibel zeigt", sagt Gerhard Praxmarer. Der Bezirksfeuerwehrkommandant der Stadt Steyr war ebenfalls beim Hochwasser 2002 im Einsatz – besonders in Katastrophenfällen, die längere Einsätze verlangen, werde diese Flexibilität strapaziert, meint er.

Dafür braucht es auch die Unterstützung der Gemeinden, welche mit Subventionen der jeweiligen Länder zu einem großen Teil die Finanzierung der örtlichen Feuerwehren verantworten. "Beim Budget gibt es nirgends eine so große Einigkeit unter allen Fraktionen wie bei der Feuerwehr, denn jeder weiß, wir brauchen sie in Notfällen", bestätigt Wilhelm Hauser, Vizebürgermeister und Feuerwehrreferent der Stadt Steyr. Es gehe auch darum, den Feuerwehren die nötige Wertschätzung entgegenzubringen: "Eine Kommune sollte danach trachten, das Umfeld für die Feuerwehren so angenehm wie möglich zu gestalten und sie technisch gut auszustatten, sodass sie motiviert bleiben, ihre Freizeit für das Wohl der Allgemeinheit einzusetzen. Ein wichtiger Schritt ist hier, ein offenes Ohr für die Wünsche der Feuerwehren zu haben und diese nach Möglichkeit zu realisieren", so Hauser.

Höhere Finanzierung notwendig

Was die Unterstützung angehe, sei ein wichtiger Schritt mit der Berücksichtigung der Freiwilligen Feuerwehren im Non-Profit-Fonds gesetzt worden. Denn die Corona-Krise habe viele Feuerwehren durch die Absage von Festen schwer getroffen, da sie durch die Erlöse oft die Beschaffung von Ausrüstung oder Fahrzeugen mitfinanzieren, um die Gemeinden entlasten zu können. Allerdings sieht der Bundesfeuerwehrverband noch Ausbaupotenzial. Dort wünscht man sich vom Staat eine indexangepasste Grundfinanzierung aus Feuerschutzsteuer und dem Katastrophenfonds – also eine Neubewertung der Deckelung, die seit 2013 bei 95 Millionen Euro steht – sowie eine Rückerstattung der Mehrwertsteuer beim Kauf von Feuerwehrfahrzeugen. Die Erhöhung der Grundfinanzierung sei wichtig, da eine zeitgemäße Unterstützung der Feuerwehren bei der Anschaffung von Fahrzeugen und Geräten mit den aktuellen finanziellen Mitteln nicht mehr ausreichend möglich sei. Das begründet der Bundesfeuerwehrverband damit, dass zum Beispiel die im Einsatzfall benötigten technischen Geräte immer komplizierter würden. Hierfür brauche man spezielle Schulungen, die finanziert werden müssen. Außerdem würden auch viele technische Einsatzleistungen über den gesetzlichen Einsatzbereich der Gemeinden hinausgehen. Kosten für Wartung und Ausbildung in Verbindung mit überörtlichen Aufgaben der Feuerwehr sollten nicht allein von den Gemeinden finanziert werden müssen. Weitere Forderungen sind eine einheitliche Kostenersatzregelung bei Waldbränden und die Berücksichtigung von Feuerwehrinteressen bei gesetzlichen Regelungen.

Elektriker statt Feuerwehr

Hinsichtlich des Aufgabenbereichs der Feuerwehr werde sich wenig verändern, erklärt Seyfert: "Die Aufgaben der Feuerwehren werden sich auch weiterhin auf Brandeinsätze, technische Hilfeleistung und die Katastrophenhilfe konzentrieren." Man müsse aber trotzdem darauf achten, dass "die Feuerwehr nicht als ‚Allheilmittel‘ für sämtliche Herausforderungen gesehen wird", was auch der Oberösterreichische Landesfeuerwehrverband betont. Man solle Feuerwehrleute etwa nicht zu technischen Einsätzen am Haus rufen, die eigentlich Aufgabe eines Elektrikers wären. Die Ressourcen der Feuerwehr hätten auch irgendwann eine Grenze erreicht, das solle die Bevölkerung bedenken, jedenfalls wenn keine Menschen, Tiere oder Sachwerte in Gefahr seien.

Zuversichtlich in die Zukunft

Die Mitgliederzahl ist laut Bundesfeuerwehrverband stabil, eine Verpflichtung zum Feuerwehrdienst ist in Österreich nicht notwendig. Modellen aus anderen Ländern, die zum Beispiel ein rein berufliches Feuerwehrsystem oder Feuerwehrleute in Teilzeitarbeit vorsehen, steht man kritisch gegenüber. Man müsse sich bewusst machen, dass diese den Steuerzahler viel Geld kosten würden, sollten sie flächendeckend finanziert werden. Zu Ausrüstung, Gerätschaften und anderen wichtigen Mitteln würde dann der Stundenlohn der Feuerwehrleute hinzukommen. Hierbei handle es sich um höhere Millionenbeträge, deren Finanzierung gewährleistet werden müsste. Bei der Sicherheit der Bevölkerung dürfe man auch nicht einfach sparen, "daher wollen wir unsere österreichische Variante auch in Zukunft bestmöglich aufrechterhalten. Und das ist möglich, wenn alle zusammenhalten", so Seyfert.

Österreichs Feuerwehrsystem ist also durch die tatkräftige Unterstützung vieler freiwilliger Feuerwehrkräfte gesichert. Damit das so bleibt, müssen Politik, Verantwortliche, Wirtschaft und die Bevölkerung ihren Beitrag leisten, sodass in Katastrophenfällen wie 2002 auch jemand anrückt, wenn es heißt: "Hochwasseralarm!"