Um im Ernstfall schnell und effizient reagieren zu können, braucht es Vorbereitung. Ein Blick auf die staatliche Krisen-, Katastrophen- und Pandemievorsorge.

Krisen und Katastrophen haben eines gemeinsam: Sie kündigen sich selten vorher an. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig die Verantwortlichkeiten für den Ernstfall zu regeln, Notfallszenarien durchzuspielen und sich auch international über mögliche Gefahren auszutauschen.

Die Vorbereitung auf und Bekämpfung von Krisen und Katastrophen sind in Österreich grundsätzlich Sache des jeweiligen Bundeslandes bzw. Ministeriums. Für Hochwasserereignisse oder Schneeunglücke, die in Österreich häufigsten Katastrophen, ist beispielsweise die Regierung des betroffenen Bundeslandes zuständig. Bei einem nuklearen Zwischenfall wird das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus tätig, die Pandemie ist Angelegenheit des Gesundheitsministeriums.

Vernetzung als Erfolgsfaktor

Meist erfordern Ausnahmesituationen aber ein koordiniertes Vorgehen über die Grenzen der Bundesländer und politischen Zuständigkeiten hinaus. Das Innenministerium stellt dafür eine Plattform bereit, die mit der Koordination und Vernetzung betraut ist: das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM). "Unsere Aufgabe ist es, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, damit wir unabhängig von den Kompetenzen des Einzelnen an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen", erklärt Robert Stocker, der im Innenministerium die Abteilung Staatliches Krisen- und Katastrophenmanagement und Koordination Zivile Sicherheit leitet. Je nach Ausgangslage sitzen unterschiedliche Verantwortungsträger am Tisch: Neben den Ministerien und Vertretern des betroffenen Bundeslandes sind auch Wissenschaftler, Einsatzorganisationen wie Feuerwehr und Rettung sowie Betreiber von kritischer Infrastruktur – etwa private Telekommunikationsunternehmen, Energieversorger und Verkehrsbetriebe – an Bord. Die Notwendigkeit der Vernetzung wurde im Zuge der Corona-Krise, die sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche auswirkt, einmal mehr deutlich. Seit Beginn der Krise kommt der "SKKM-Koordinationsstab Sars-CoV-2/Covid-19" daher täglich zusammen und bespricht die Entwicklungen.

Feuerwehrkraft arbeitet an einer elektrischen Anlage. - © PID/Markus Wache
Starke Partner. Einsatzorganisationen wie die Feuerwehr dürfen in den Krisenstäben nicht fehlen. - © PID/Markus Wache

Worst Case: Blackout

Unabhängig von der Corona-Pandemie tagt das Gremium "SKKM Penta++" auch außerhalb von Krisensituationen regelmäßig alle zwei bis drei Wochen, um sich über aktuelle Gefahren auszutauschen. Der Fokus hat sich in den letzten Jahren verändert: Nicht die "klassischen" Naturkatastrophen, mit denen man dank jahrzehntelanger Erfahrung relativ gut umzugehen weiß, bereiten Stocker und seinen Kollegen Sorgen, sondern vernetzte Krisen wie etwa ein IT-Ausfall: "Wenn das Internet ausfällt, müssen nicht nur die technischen Probleme, sondern auch eine Vielzahl von Folgen bewältigt werden. Denn heute sind alle Lebensbereiche vernetzt – von der Finanzwirtschaft über den Verkehr bis hin zum Gesundheitswesen", sagt Stocker. Das größte Bedrohungspotenzial gehe seiner Ansicht nach von einem sogenannten Blackout aus, also einem großflächigen Stromausfall über mehrere Tage beziehungsweise Wochen. In einem solchen Fall sei es notwendig, sich mit Partnern auf globaler Ebene zu koordinieren – eine Mammutaufgabe, wenn alle gängigen Kommunikationsmittel versagen. Außerdem rechnet Stocker mit einer durch den Klimawandel bedingten Zunahme bei Wetterextremen wie Überschwemmungen und Dürreperioden.

Vorsorgen im privaten Rahmen

So gut das staatliche Krisenmanagement auch sein mag: Im Ernstfall kommt es auch auf die Selbsterhaltungsfähigkeit der Bevölkerung an. Aufklärungsarbeit zu leisten und die Bürgerinnen und Bürger auf die Notwendigkeit von Vorsorge im privaten Bereich aufmerksam zu machen, diese Aufgabe nimmt auch der Österreichische Zivilschutzverband wahr. "Bei der Vorsorge kommt es unabhängig vom Szenario darauf an, Lebensmittelvorräte anzulegen, aber auch Kommunikationskanäle für Informationen von außen abzusichern – etwa mithilfe eines dynamobetriebenen Radiogeräts", sagt Michael Hammer, Vizepräsident des Österreichischen Zivilschutzverbands. Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte jederzeit genug Essen und Getränke zu Hause haben, um sich mindestens zwei Wochen lang selbst versorgen zu können.

Die Pandemie: Unbekannter Feind

Pandemien stellen die Vorsorge vor besondere Herausforderungen: "Der Erreger ist unbekannt, die Vorbereitung entsprechend schwierig. Dazu kommt, dass der Gesundheitsbereich auf europäischer Ebene relativ wenig geregelt ist. Viele haben daher in der Covid-19-Pandemie den europäischen Geist vermisst", erklärt Bernhard Benka, Mediziner und Leiter des Krisenstabs im Gesundheitsministerium, und ergänzt: "Dabei wäre eine starke internationale Koordination bei der Bekämpfung der Pandemie sinnvoll." Als Meilenstein gelte in diesem Zusammenhang die Gründung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) im Jahr 2004. Ihr haben wir es zu verdanken, dass es überhaupt ein europaweites Monitoring der Covid-19-Fallzahlen gibt.

Person sitzt vor Computer und beobachtet die rot markierten Hotspots einer Pandemie auf einer Weltkarte. - © Unsplash
Pandemiemonitoring. Neben dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) haben insbesondere die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-amerikanische Johns Hopkins University den internationalen Verlauf der Pandemie im Blick.   - © Unsplash

Eine grobe Orientierung für das Verhalten bei Pandemien gibt der Pandemieplan. Er enthält Kapitel über Zuständigkeiten, Krisenkommunikation und rechtliche Vorgaben sowie Richtlinien zur Krankenhaushygiene und zur Verteilung möglicher Impfstoffe. Der Pandemieplan sei allerdings auf Influenzaviren ausgerichtet, die man vergleichsweise gut beherrsche, so Benka. Mit einem Coronavirus als Pandemieauslöser habe niemand gerechnet. Außerdem diene der Pandemieplan ohnehin nur zur Orientierung, denn die genauen Gegebenheiten könne niemand voraussehen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Monate werde es sicher Anpassungen geben, ist der Experte überzeugt. Möglicherweise werde man generische Pläne schaffen, die nicht auf spezielle Erreger ausgelegt sind.

Aufgrund ihrer Seltenheit hatten Pandemien im Rahmen der Krisenvorsorge bisher nicht oberste Priorität. In Zukunft, so Benka, könnte diesem Thema aber mehr Bedeutung beigemessen werden.