Österreichs 127.500 Kilometer langes Straßennetz verbindet Städte, Regionen, Menschen. Wer ist für seine Erhaltung und Pflege zuständig und welche Aufgaben fallen dabei an? Hier einige Wegweiser.

Egal, ob mit Bus, Auto oder Motorrad: Die meisten von uns sind täglich on the road. Es scheint selbstverständlich, dass wir Straßen, Brücken und Tunnel in einem guten Zustand vorfinden. Doch die Pflege und Erhaltung des Verkehrsnetzes kostet viel Zeit und Geld. Wem haben wir diesen Komfort eigentlich zu verdanken?

Die Verantwortlichkeiten sind gesetzlich klar geregelt. Für Planung, Bau, Erhaltung und Finanzierung des Autobahn- und Schnellstraßennetzes ist die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) zuständig, deren Aktien zur Gänze im Eigentum der Republik Österreich stehen. Um Landesstraßen kümmern sich die Länder, um Gemeindestraßen die Gemeinden – die Zuordnung ist in den Landesstraßengesetzen definiert. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel Privatstraßen, Interessentschaftsstraßen und Forststraßen, für deren Instandhaltung die Besitzer selbst Sorge tragen.

Effizientes Verkehrsmanagement

Die ASFINAG unterhält sechs Tochtergesellschaften, die sich unterschiedlichen Aufgaben widmen. Für Betrieb und Erhaltung des Netzes ist die ASFINAG Service GmbH zuständig. Sie kümmert sich beispielsweise um den Streckenkontrolldienst und das Ereignismanagement. "Unsere Traffic Manager und die Mitarbeitenden in den Autobahnmeistereien sind ständig auf unserem Straßennetz unterwegs, etwa um Schäden zu identifizieren oder bei Unfällen möglichst schnell vor Ort zu sein", erklärt Geschäftsführer Christian Ebner. Kernstück des Unternehmens sind die Verkehrsmanagementzentralen, die das Verkehrsaufkommen rund um die Uhr im Blick haben. Ihnen verdanken wir die Verkehrsinfo auf den Überkopfanzeigetafeln, auf der Website und auf der ASFINAG App "Unterwegs". Mit modernen Technologien baut die ASFINAG diesen Service 2021 aus: Dann wird das System CITS ausgerollt, das Informationen wie Baustellen- oder Stauwarnungen von der Straße direkt in die Fahrzeuge bringt. "Die straßenseitige Verkehrsinfo wird uns aber noch länger begleiten, da nicht alle die entsprechenden Apps beziehungsweise Fahrzeugassistenzsysteme im Auto haben", sagt Ebner.

Blick in die Verkehrsmanagementzentrale Inzersdorf der Asfinag - © ASFINAG
Dreh- und Angelpunkt. 24 Stunden täglich wachen ASFINAG-Mitarbeiter, hier in der Verkehrsmanagementzentrale Inzersdorf, über das Autobahn- und Schnellstraßennetz. - © ASFINAG

Hightech-Winterdienst

Zu den Aufgaben des Unternehmens zählen auch die Wartung der elektrotechnischen Anlagen, die Instandhaltung von Gewässerschutzanlagen und Brücken, der Grünschnitt am Straßenrand, die Reinigung der Rastplätze – und der Winterdienst. "Wir haben 370 modernste Streu- und Räumfahrzeuge mit GPS-Einsatzdatenerfassung. Daher sehen wir genau, wo unsere Fahrzeuge gerade unterwegs sind und wie viel Gramm Salz sie gerade streuen", so Ebner. Auch hier sind die Technologien nicht von gestern. Neue Hightech-Geräte, die "Firestorms", tragen ein heißes Sole-Gemisch über einen Sprühbalken auf die Fahrbahn auf, um Vereisungen und hartnäckige Schneeschichten aufzulösen. Nicht nur die Funktionalität der Geräte, sondern auch die Arbeitnehmersicherheit habe sich über die Jahre wesentlich verbessert, erzählt Ebner. Für den Grünschnitt am Fahrbahnrand kommen beispielsweise autonome Mulchmaschinen zum Einsatz, welche die Mitarbeiter von den geschützten Fahrerkabinen aus steuern können.

Mensch und Umwelt verpflichtet

Rund eine Milliarde Euro investiert die ASFINAG Bau Management GmbH jährlich, um den baulichen Zustand der Straßen zu erhalten und das Netz auszubauen. Eine komplexe Aufgabe: "Wir arbeiten im Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Menschen und jenem der Umwelt. Das heißt, wir dürfen nicht zu nah am Siedlungsgebiet bauen, sind aber auch dem Naturschutz verpflichtet. Oft werden auch ökologische Argumente vorgeschoben, um Partikularinteressen durchzusetzen. Bis unsere Projekte in die Umsetzung gehen, vergehen daher oft viele Jahre", erklärt Geschäftsführer Alexander Walcher. Die Anrainer werden von Anfang an in den Planungsprozess eingebunden. So könne man spätere Verzögerungen vermeiden, sagt Walcher. Die Baumaßnahmen sollen zum einen die Verfügbarkeit der Strecken verbessern und den Verkehr in Fluss halten, zum anderen die Sicherheit der Lenker gewährleisten. Ist eine Straße überlastet, muss sie aber nicht zwangsläufig ausgebaut werden. Oft helfen laut Walcher auch intelligente Lenkungsmaßnahmen, die in Zusammenarbeit mit Verkehrsanbietern wie den ÖBB entwickelt werden.

Strenge Kontrollen für Bauwerke

Eine besondere Herausforderung sieht Walcher in der Instandhaltung der mehr als 5.000 Brücken und 166 Tunnelanlagen entlang der Strecken: "Es ist ein enormer Aufwand, sicherzustellen, dass alle diese Anlagen halten. Ein Unglück, wie wir es bei der Morandi-Brücke in Genua erlebt haben, ist immer das Damoklesschwert, das über einem Straßenerhalter schwebt." Alle zwei Jahre werden die Bauwerke daher von Mitarbeitern einer Kontrolle unterzogen, alle sechs Jahre von einem externen Zivilingenieur auf Herz und Nieren geprüft.

Alpine Herausforderungen

In den Bergen ist die Straßenerhaltung besonders komplex: Entlang der Tiroler Straßen gibt es viele sicherheitsrelevante Schutzbauwerke, Geländer, Mauern, Tunnel und Brücken, die laufend in Schuss gehalten werden müssen. Denn in den Bergen lauern viele Gefahren: "Felsüberprüfungen sind bei uns in Tirol beispielsweise ein großes Thema, bei dem fachliche Expertise gefragt ist. Wir haben eine Firma, die immer im Frühjahr beim Abklingen der Frosttauperiode Überprüfungen vornimmt und lose Steine entfernt, die sonst beim nächsten Regen unsere Straßen treffen könnten", erklärt Bernd Stigger von der Landesstraßenverwaltung des Landes Tirol. Sicherheit ist auch in den Tunnelanlagen ein zentrales Thema. Knapp die Hälfte der Tunnel des Landes sind heute elektromaschinell ausgerüstet. Das heißt, sie verfügen über Lüftungs-, Brandmelde- sowie Pumpenanlagen, Ampeln und – bei längeren Tunnelobjekten – über eine Videoüberwachung. Dementsprechend hätten sich auch die Qualifikationen verändert, die Mitarbeiter heute mitbringen müssten, sagt Stigger: Elektrotechniker seien sehr gefragt.

Schäden durch Naturereignisse

Mit Sorge beobachtet Stigger die Zunahme von nicht planbaren Naturereignissen wie Hochwasser, Lawinen und Muren. Der budgetäre Aufwand zur Beseitigung der dadurch verursachten Schäden verdoppelt sich in Tirol nahezu jährlich, 2020 lag er bereits bei 15 Millionen Euro. Muss eine Straße gesperrt werden, hat das schwerwiegende Folgen: "In vielen Tälern sind die Landesstraßen die Hauptverkehrsadern. Wenn sie gesperrt werden müssen, ist die Bevölkerung von der Außenwelt abgeschnitten und alles steht still." Die Notwendigkeit eines intakten Straßennetzes wird in den en Regionen also besonders deutlich.