Um ihrer Vorbildrolle im Klimaschutz gerecht zu werden, setzt die öffentliche Hand zunehmend auf alternative Antriebe. Doch Verwaltung, Behörden und ausgelagerte Unternehmen haben Herausforderungen zu meistern, um von den neuen Technologien profitieren zu können.

Der Markt für Kraftfahrzeuge hat ein denkwürdiges Jahr hinter sich. Daten der Statistik Austria zufolge sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen 2020 im Vergleich zum Jahr davor um fast ein Viertel. Die Zahl der neuen Lkw fiel um knapp 17 Prozent. Der Kfz-Markt verzeichnete so wenige Zugänge wie zuletzt im Jahr 1987 und damit einen historischen Einbruch.

Ein Mobilitätstrend zeigte sich von der Erschütterung durch die Covid-19-Pandemie hingegen wenig beeindruckt. Während deutlich weniger mit Benzin und Diesel betriebene Verbrennungsmotoren neu angeschafft wurden, setzte die Gruppe der alternativen Antriebe ihren Wachstumskurs fort: Im Vorjahr wurden 50.060 Elektro-, Erdgas-, Hybrid-, Wasserstoff- und kombiniert betriebene Fahrzeuge angemeldet. Ein Fünftel der Neuzulassungen kam aus dieser Sparte, die damit gegenüber 2019 um 90 Prozent zulegte.

Vorbild öffentlicher Sektor

Ein Grund dafür sind die Bemühungen um den Klimaschutz, bei denen die öffentliche Hand eine besondere Rolle einnimmt. Um die Fuhrparks von Ministerien, Behörden, Ländern und Gemeinden sowie ausgelagerten Unternehmen nachhaltiger zu gestalten, werden seit längerem entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen.

Bis August dieses Jahres muss etwa die Clean Vehicles Directive in allen Mitgliedstaaten der EU umgesetzt sein. Sie soll auf europäischer Ebene dafür sorgen, dass der Staat mit gutem Beispiel vorangeht: Bis Ende des Jahres 2025 müssen alle Pkw, die mit öffentlichen Geldern angeschafft werden, Emissionsgrenzen einhalten. Laut Regierungsprogramm dürfen öffentliche Organisationen ab 2027 nur noch emissionslose Pkw anschaffen. Insgesamt müssen 38 Prozent aller Fahrzeuge in öffentlicher Hand die Kriterien eines Clean Vehicles erfüllen.

In Österreich ist die Ökologisierung des Straßenverkehrs auch an anderer Stelle festgeschrieben. Entsprechende Maßnahmen finden sich etwa im aktuellen Regierungsprogramm, im Nationalen Energie- und Klimaplan sowie im Aktionsplan für nachhaltige Beschaffung. Letzterer wurde bereits vor zehn Jahren beschlossen und seitdem aktualisiert und weiterentwickelt.

Lösungen aus einer Hand

Eine Schlüsselstelle dieser Transformation ist hierzulande die Bundesbeschaffung GmbH (BBG). In ihren Aufgabenbereich fallen nicht nur die Bedarfserhebung, Ausschreibung und Beschaffung von Fahrzeugen. Sie bietet darüber hinaus Dienstleistungen für ein modernes Flottenmanagement an: "Zu unseren Aufgaben zählt auch die kostenlose Beratung sowie die Bewusstseinsbildung für eine nachhaltige Beschaffung – kurz naBe. Dafür wurde gemeinsam mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie die sogenannte naBe-Plattform geschaffen, zu deren Schwerpunkten im Jahr 2021 nachhaltige Mobilitätslösungen gehören", sagt Michael Durchschlag, Vertrags- und Qualitätsmanager bei der BBG.

Seiner Erfahrung nach ist das Interesse an Elektroautos im öffentlichen Sektor in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: "Es kommt im konkreten Fall auf die Nutzungsanforderungen an, aber die Bandbreite der am Markt verfügbaren Modelle ermöglicht der Elektromobilität inzwischen in vielen Bereichen wirtschaftlich vorteilhafte Lösungen", sagt Durchschlag.

Die Anschaffungskosten sind zwar weiterhin höher als bei konventionellen Antriebsarten, doch über die gesamte Nutzungsdauer können Elektroautos – auch dank steuerlicher Anreize – klare Kostenvorteile bringen. Für Vielfahrer bleiben derzeit die Reichweite und eine ausbaufähige Ladeinfrastruktur Argumente gegen vollelektrische Fahrzeuge. In diesen Fällen kann einerseits ein Hybridfahrzeug, das einen herkömmlichen Antrieb mit Elektromobilität kombiniert, eine gute Lösung sein. Andererseits steigt die Reichweite von E-Autos kontinuierlich, sie werden damit immer wettbewerbsfähiger.

Blick auf eine Schnell-Ladestation - © Picturedesk
Zweirad. In den neuen Mobilitätskonzepten spielen bei der klimafreundlichen Anreise zum Dienstort zunehmend auch Fahrräder eine Rolle.
- © Picturedesk

Fuhrparks im Wandel

Die rasante Weiterentwicklung der Technik bringt jedoch auch Herausforderungen für Fuhrparkbetreiber. Denn was heute Stand der Technik ist, kann innerhalb weniger Jahre überholt sein. Dies wirkt sich auf den Restwert eines Fahrzeuges aus. Um dieses Risiko auszuschalten, vermittelt die BBG vermehrt Leasinglösungen, bei denen das Restwertrisiko nicht auf den Nutzern lastet.

Ein weiterer Punkt, in dem die neue Technologie das Beschreiten neuer Wege verlangt, ist die Reparatur und Wartung: "Viele Organisationen verfügen über eigene Werkstätten, die noch auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ausgerichtet sind. Von Software über besonderes Know-how bis hin zu Spezialwerkzeug benötigen Elektrofahrzeuge andere Rahmenbedingungen", erklärt der BBG-Experte. Dafür bietet die Beschaffungsgesellschaft sowohl Komplettlösungen durch die Vermittlung geeigneter Vertragspartner als auch Beratung hinsichtlich der Anpassungen bei den Auftraggebern selbst.

In der Klasse der schwereren Fahrzeuge wie Lkw oder Busse hat Hybridtechnologie gegenüber vollelektrischen Antrieben die Nase vorn. Wasserstoffantriebe werden in diesem Bereich als vielversprechend eingestuft. Eine Technologie, für deren flächendeckenden Einsatz die Akzeptanz noch stärker steigen und die Infrastruktur noch besser ausgebaut werden müsste, heißt es seitens der BBG.

Die Elektromobilität weist hier – trotz weiterer Ausbaufähigkeit – einen höheren Reifegrad auf. Der nächste Schritt zu einer tatsächlich klimafreundlichen Mobilität wird in diesem Jahr umgesetzt: "Für Bundeseinrichtungen wird die Beschaffung von Umweltzeichen-zertifiziertem Strom ab 2021 Pflicht. Damit soll auch sichergestellt werden, dass der Strom für elektrisch betriebene Fahrzeuge nachhaltig erzeugt wurde", sagt Michael Durchschlag.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler bei der Präsentation neuer Dienstafahrzeuge für die ÖBB und ASFINAG, die ab 2022 ihre Dienstwagenflotten emissionsfrei betreiben. - © Picturedesk
Umstellung. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler bei der Präsentation neuer Dienstafahrzeuge für die ÖBB und ASFINAG, die ab 2022 ihre Dienstwagenflotten emissionsfrei betreiben.  - © Picturedesk

Alternativen und Visionen

Bei klimafreundlicher Mobilität beschränkt sich der Trend längst nicht auf zweispurige Fahrzeuge. Im e-Shop der BBG können beispielsweise Dienstfahrräder bis zur Direktvergabegrenze einfach bestellt werden: "Das Interesse daran ist groß, allerdings ist noch Luft nach oben bei den tatsächlichen Beschaffungen", berichtet der Vertrags- und Qualitätsmanager.

Schon jetzt wird die Ökobilanz nicht nur durch die Reduktion von Luftschadstoffen verbessert, sondern auch durch den erhöhen Einsatz recycelter Materialien. Neben der technologischen Verbesserung etwa der Batterien, leistungsfähigeren Ladegeräten und einer dichteren Ladeinfrastruktur sehen die Experten der BBG großes Potenzial für eine ökonomischere Mobilität im autonomen Fahren. Damit dürfte gewährleistet sein, dass die Flotte von morgen noch nachhaltiger gestaltet werden kann.