Der öffentliche Dienst arbeitet für die Bürgerinnen und Bürger. Die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht aber viel weiter – denn ihre Aufgabe ist es außerdem, effiziente Arbeitsabläufe zu entwickeln und dabei den technischen Wandel sowie ökologische Herausforderungen mitzudenken.

Verantwortung im öffentlichen Dienst interaktiv lernen

Der neue Verhaltenskodex zur Korruptionsprävention im öffentlichen Dienst ist ein Regelwerk, das seit November 2020 für alle Bediensteten des Bundes, der Länder, der Städte und Gemeinden gilt. Gerade – aber nicht nur – zu Beginn eines Dienstverhältnisses brauche es eine Handlungsanleitung, weiß Gregor Weber, Jurist in der Abteilung Allgemeines Dienst- und Besoldungsrecht und Koordination Dienstrecht im Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. Ergänzt wird der Leitfaden von einem E-Learning-Tool: Ein Projekt, das 2019 im Zuge der Erarbeitung des neuen Verhaltenskodex gestartet und unter Federführung der Verwaltungsakademie des Bundes im Rahmen einer Kooperation ressort- und gebietskörperschaftsübergreifend umgesetzt wurde. "Unser Ziel war, dass das Online-Tool stellenübergreifend von allen gut genutzt werden kann", erklärt Sandra Rauecker-Grillitsch von der Verwaltungsakademie des Bundes. Interaktiv wird dabei vermittelt, wie man beispielsweise mit Einladungen oder Nebenbeschäftigungen umgeht, wie man sich also "in schwierigen Situationen richtig verhält", so Weber. Beide hoffen, dass das Programm breit eingesetzt wird. Für öffentlich Bedienstete, aber auch für Bürgerinnen und Bürger, sagt Rauecker-Grillitsch: "Denn die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben ein Anrecht darauf, zu wissen, was unsere Richtlinien sind und welches Verhalten von öffentlich Bediensteten erwartet werden kann."

Vom sensiblen Umgang mit Menschen mit Demenz bei Einsätzen

Wie geht man mit Menschen mit Demenz um? Diese Frage stellen sich vermehrt Polizistinnen und Polizisten, die bei einer Amtshandlung mit Betroffenen – in Österreich sind das etwa 145.000, und die Zahl verdoppelt sich alle 20 Jahre – kompetent, rechtlich korrekt, aber auch einfühlsam handeln wollen. Das Projekt "Einsatz Demenz" vermittelt diese Handlungssicherheit. Der Startschuss fiel 2015, erklärt Markus Richter, Leiter des Zentrums für Ressourcensteuerung und Unternehmensqualität im Innenministerium. Stefanie Auer, Leiterin des Zentrums für Demenzstudien an der Donau-Universität Krems, hatte auf das Thema aufmerksam gemacht, rasch wurde der "Mehrwert für die Gesellschaft" erkannt, so Richter. In einer Kooperation zwischen dem BMI, der Donau-Universität Krems und der MAS Alzheimerhilfe wurde ein Online-Training entwickelt, das seit 2018 bereits 14.000 öffentlich Bedienstete freiwillig absolviert haben. 242 Wachstuben dürfen sich heute "demenzfreundliche Dienststelle" nennen. Das preisgekrönte Projekt soll nun Gemeinden zugänglich gemacht werden.

Heimat für grüne Technologien und Start-ups in Graz

Junge Unternehmen und Start-ups, die sich auf grüne Antworten auf Herausforderungen unserer Zeit konzentrieren, werden in der steirischen Landeshauptstadt gefördert. Kein Wunder, zählen grüne Technologien doch zum am stärksten wachsenden Bereich am Wirtschaftsstandort. Seit Sommer 2018 bekommen Gründerinnen und Gründer im "Green Tech Hub", einem österreichischen Pionierprojekt, 400 Quadratmeter große geförderte Büroflächen im dritten und vierten Stock des Grazer Science Towers – und mehr. "Unternehmen erhalten Zugang zu einem nationalen und internationalen Netzwerk", erklärt Angelika Mitteregger. Sie ist in der Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung der Stadt Graz für Start-ups zuständig, ein weiterer Initiator ist der "Green Tech Cluster Styria". Elf innovative Büroräume können vergeben werden, zehn Umwelttechnologieführer und Green-Tech-Start-ups sind derzeit im Hub untergebracht, weiß Mitteregger. Geschätzt werde vor allem die "Community vor Ort" und die Nähe zu potenziellen Forschungs- und Innovationspartnern. 200 Personen aus Wissenschaft und Forschung arbeiten derzeit im Science Tower an neuen grünen Technologien.

Digitales Tool für rechtssichere Beschlussfassung in Online-Meetings

Besprechungen und Konferenzen aus dem Homeoffice, die per Videokonferenz abgehalten werden: Das wurde in der Pandemie für viele zum Alltag. In der Verwaltung brauche es nicht nur anwenderfreundliche technische Lösungen, sondern auch ein "hohes Maß an Sicherheit", betont Matthias Lichtenthaler, Head of Digital Government & Innovation im Bundesrechenzentrum (BRZ). Er entwickelte mit seinem Team ein Tool, das Gremien, die per Videokonferenz Beschlüsse fassen, Rechtssicherheit garantiert. Das Modul, das mit verschiedenen Videokonferenz-Lösungen verknüpft werden kann, wurde im Vorjahr entwickelt, beauftragt wurde die Lösung durch Ecoplus, die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich. Ende 2020 beschloss der Nationalrat die dauerhafte Option der digitalen Notarisierung – damit kann auch "weiterhin die Notarisierung und Dokumentation von digitalen Beschlüssen ermöglicht werden", erklärt Lichtenthaler. Nun sei eine "langfristige Perspektive" gefragt: Das Modul des BRZ kann für Landtags- und Gemeinderatssitzungen eingesetzt, aber auch von Unternehmen genutzt werden, wenn Beschlüsse anstehen.