In internationalen Konzernen ist die Kreation von "Purpose", einem höheren Sinn des Unternehmens, ein starker aktueller Trend. Es geht hier nicht nur um die Bewältigung von Legitimationsproblemen nach der Finanzkrise, dem Diesel-Skandal u.ä., sondern auch darum, im Recruiting die benötigten Leistungsträger anzusprechen. Der öffentliche Sektor hat hier einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil, stellt doch die Produktion öffentlicher Güter, die Kreation von Public Value eine attraktive Mission dar. Wenn jedoch die Ausrichtung von Ressorts in hohem Ausmaß von politics, also Kalkülen des Ausbaus politischer Macht, geprägt sind und hierbei policies, also die werte- und wissensbasierte nachhaltige Gestaltung von Politikfeldern, zu kurz kommt, hat man tendenziell Probleme, die benötigten Menschen als Arbeitskräfte zu gewinnen und zu behalten.

Digitale Verwaltung stellt somit eine wesentlich komplexere Aufgabe dar, als webbasierte Plattformen und Apps bereitzustellen und eine Rationalisierung der inneren Abläufe zu erreichen. Gefordert ist die zukunftsorientierte Verbindung von politischen Strategien (im Sinne von policies) mit Organisations- und Personalentwicklung, einer Dienstrechtsreform und gediegener Führungsarbeit.

Dr. Wolfgang Gratz ist Jurist und Soziologe. Er arbeitet als Organisationsberater in Wien und betreibt empirische Verwaltungsforschung.