Programme der Forschungsförderung, die speziell der Medizinrobotik gewidmet sind, gibt es in Österreich und auch in Europa nicht. Entwicklungen in diesem Bereich werden im Rahmen von Förderungen für Informatik- oder Digitalisierungsprojekten gefördert. Wieviel davon auf die Medizinrobotik entfällt, lässt sich erst nachträglich feststellen: Seit 2013 hat beispielsweise die FFG insgesamt 22,61 Millionen Euro für 33 Projekte im Bereich der Medizinrobotik aufgewendet.

In Österreich stehen derzeit insgesamt fünf Da Vinci-Roboter. Neben dem LK Wiener Neustadt gibt es ihn auch in Wien am AKH sowie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, am Ordensklinikum Linz und am Uni-Klinikum Salzburg. Da Vinci ist eines der erfolgreichsten medizinischen Geräte, aber es ist kostspielig und deshalb nicht unumstritten. Rund zwei Millionen Euro kostet ein Da Vinci in der Anschaffung. Auch die Kosten je Operation sind höher, wobei sie je nach Art der Operation und Klinik variieren. In einer Studie zur roboterassistierten Prostata-Entfernung empfiehlt das Swiss Medical Board daher Krankenhäusern, die nur wenige Fallzahlen haben, auf den robotischen Assistenten zu verzichten. Auch das Ludwig Boltzmann-Institut für Health Technology Assessment, das neue Gesundheitstechnologien bewertet, kam im Februar zu dem Schluss: "Um seinen Preis zu rechtfertigen, müsste der Roboter insgesamt viel besser abschneiden." Das LBI-HTA hatte die Roboterchirurgie mit offenen und laparoskopischen ("Schlüsselloch-") Operationen verglichen. Marginale Vorteile der Roboter-assistierten OPs seien allerdings erkennbar, so die Studie.

Unvergleichliche Präzision

Die Kostendebatte beiseitelassend, ist einer der unbestrittenen Vorteile der roboterassistierten Chirurgie ihre Präzision: In bequemer Haltung, die Arme abgestützt, steuert Clemens Bittermann Da Vinci an einer Konsole, die unprätentiös in der Ecke des Operationssaales steht. Seine Bewegungen an zwei gelenkigen Hebeln werden von Da Vinci in feinste Bewegungen im Millimeter-Bereich übersetzt. Der Roboter gleicht dabei den natürlichen Handtremor, jenes durch den Blutkreislauf gegebene menschliche "Händezittern", aus.

Dass Stetigkeit und Präzision die beiden großen Stärken von Robotern sind, wird besonders augenfällig bei "Preceyes". Der Roboter des gleichnamigen niederländischen Unternehmens - er wird zurzeit an der Augenklinik Rotterdam klinisch getestet - wurde speziell für Operationen am Auge entwickelt, etwa, um Blutgefäße in der Retina punktieren zu können. Ohne Robotertechnik undenkbar: "Allein der Handtremor wäre größer als der Durchmesser der Gefäße, die man punktieren will", so Kronreif. Acmit war aufgrund seiner Expertise im Bereich der interventionellen Radiologie an der Entwicklung spezieller Werkzeuge sowie an der Evaluierung des Preceyes-Systems beteiligt. Automatisierung, so kann man aus den Erfahrungen mit iSys oder Preceyes schließen, ist angebracht, wenn es um leicht standardisierbare, aber risikoreiche Operationen geht, die höchste Präzision erfordern.