Dass ein Roboter in absehbarer Zeit gänzlich autonom eine Operation an menschlichen Organen durchführen könnte, glaubt Chirurg Bittermann nicht. Nicht ohne Grund ist Da Vinci genau genommen ein Telemanipulator und kein echter Roboter. Das System kann eigenständig nämlich keine Entscheidungen treffen. "Die Kontrolle bleibt ausschließlich beim Operateur. Nur beim Abfeuern spezieller Klammernahtinstrumente übernimmt, zur Verbesserung der Patientensicherheit, nach genauer Gewebevermessung der Roboter die Freigabe zum Auslösen des Instrumentes", Clemens Bittermann.

Dass in der Weichteil-Chirurgie die Automatisierung nur vorsichtig voranschreitet und der Roboter autonom lediglich die Tätigkeiten übernimmt, die standardisierbar sind, ist sinnvoll, meint auch Kronreif. Weichteil-Operationen sind wesentlich schlechter planbar als ein neurologischer Eingriff, weil sich Organe mit jedem Atemzug des Patienten verschieben: "Das kann man sehr schlecht vorausplanen, und Planbarkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Automatisierung", so Kronreif.

Acmit ist an dem EU-Projekt "Saras" beteiligt, bei dem es um die Teilautomatisierung von Prostatektomien (Entfernung der Prostata) und Hirntumor-Operationen geht. "Wir müssen uns fragen, in welchen Bereichen Autonomie wirklich sinnvoll ist", meint Kronreif. Es sei beispielsweise technisch machbar, aber nicht sinnvoll, den Nadelvorschub bei einer Biopsie zu automatisieren: "Es geht zu viel haptische Information verloren, die der Radiologe braucht, es ist vollkommen unnötig, diese Information dann technisch zu reproduzieren. Das würde die Systeme wiederum unnötig teurer machen", sagt Kronreif.

Clemens Bittermann hat mit Da Vinci gelernt, ohne haptisches Feedback auszukommen. Unverzichtbar jedoch: "Wir brauchen nach wie vor eine ruhige Hand."