2014 hat die EU beschlossen, dass 27 Prozent des Stromes bis 2030 aus erneuerbarer Energie kommen sollen. Solar-, Wasser- und Windkraft liefern aber nicht unbedingt dann Energie, wenn sie tatsächlich gebraucht wird, oder?

Diese Quellen sind volatil, das heißt von äußeren Einflüssen wie Wind, Sonne, Wasserführung abhängig. Die Vernetzung mit den Nachbarländern hilft hierbei, denn sie erhöht die Versorgungssicherheit, weil man nicht auf sich alleine gestellt ist. Außerdem verstärkt das den Wettbewerb und führt zu günstigeren Preisen.

Zudem braucht man "flexible Kraftwerkseinheiten", Gas- und Wasserkraftwerke, um Spitzen auszugleichen. Unser Ressourcenglück in Österreich ist, dass dieser Speicher in hohem Maß Wasser ist, also Pumpkraftwerke.

Wie vertragen sich die vielfältigen Stromeinspeisungen durch Privathaushalte, Länder und Unternehmen mit der Ausfallssicherheit?

Diese Umstellung ist tatsächlich eine große Herausforderung. Bislang waren Stromnetze Einbahnstraßen, von den Kraftwerken zum Kunden. Jetzt liefern auch Privatkunden Strom, beispielsweise über Photovoltaikanlagen am Hausdach. Auch am Beispiel Burgenland lässt sich eine Veränderung darstellen: Dort gab es bis vor 20 Jahren keine Stromerzeugung. Nun liefern die dortigen Windkraftanlagen so viel wie drei, vier Donaukraftwerke. Aber die Burgenländer brauchen diesen Strom gar nicht selbst. Sie speisen ihn ins Netz ein, und das muss dafür entsprechend konfiguriert werden.

Ist privat erzeugter Strom nicht teurer als jener von Energieunternehmen, wird doch die Errichtung der Anlage gefördert?

Wird eine Investitionsförderung lukriert, ist das von Vorteil, daher machen es viele. Außerdem fällt gut ein Drittel der Stromrechnung weg, weil für das Netz nichts bezahlt werden muss, wenn kein Strom "von außen" bezogen wird. Strom weiterzuverkaufen rechnet sich nur, wenn ich eine Förderung dafür bekomme, dass ich Ökostrom an die zentrale Abwicklungsstelle für Ökostrom liefere. Andernfalls ist es besser, wenn ich den Strom selbst verbrauche. Die Voraussetzungen für die Errichtung einer Stromerzeugungsanlage sind für Private wie Unternehmen die gleichen. Auch große Stromerzeuger schöpfen Förderungen ab, und die sind dabei sehr professionell.

Was bringt die Zukunft beim Einspeisen hausgemachter Energie?

Künftig kann der Überschuss selbsterzeugten Stroms an Nachbarn weitergegeben werden. Die EU nennt das "Bürgerenergiegemeinschaften". Derzeit ist das nur innerhalb eines Wohnhauses möglich. Die nächste Gesetzesnovelle soll jedoch den Stromtausch in der näheren Umgebung regeln.