In Marc-Uwe Klings Roman "QualityLand" werden Pakete von Drohnen zugestellt. Man muss die Waren allerdings gar nicht mehr selbst bestellen, denn dank allwissender Algorithmen schickt der marktbeherrschende Versandhändler "TheShop" den Kunden von selbst zu, was sie sich aufgrund ihrer Nutzerprofile vielleicht wünschen hätten können. Der deutsche Autor spinnt in seiner satirischen Dystopie viele reale Tendenzen der heutigen Digitalisierung weiter und überzeichnet sie.

Allerdings: Der Onlinehandel wächst tatsächlich laufend und verlockt Kunden mit maßgeschneiderten Angeboten ;zu immer neuen Käufen. Die Geschwindigkeit des Wachstums ist enorm: Transportierte die Österreichische Post 2014 noch 74 Millionen Pakete, so waren es 2019 schon 127 Millionen. Insgesamt wurden 2019 in Österreich 227,7 Millionen Pakete von verschiedenen Paketdiensten durch die Gegend gefahren, Tendenz steigend.

Die meisten Steigerungen im Gütertransport passieren heutzutage – eben unter anderem aufgrund des Onlineshandels – im Konsumentengeschäft, aber auch in anderen Segmenten. 2019 war insgesamt ein Plus von 14,6 Prozent im Vergleich zu 2018 zu verzeichnen. Mit der Digitalisierung hat der Versandhandel ein enormes Ausmaß erreicht, das jedes Jahr aufs Neue übertroffen wird. Alphabet, der Mutterkonzern von Google, setzt daher in bestimmten Gegenden bereits Lieferdrohnen ein. Beim US-Versandhändler Amazon bleibt es derweil bei wiederholten Ankündigung, mit Drohnen auszuliefern. Eine Lösung sind Drohnen nicht: Würde die Vision aus "QualityLand" Wirklichkeit, wäre der Himmel bald nicht mehr zu sehen vor lauter Lieferdrohnen.

Kann die Digitalisierung uns außer mit Drohnen aus der selbstgeschaffenen Misere helfen? Tatsächlich entsteht mit der Zunahme der Transporte nämlich ein echtes Umweltproblem: Seit 1990 sind in Österreich die Treibhausgas-Emissionen aus dem Verkehr um 67 Prozent gestiegen, auf 22,9 Millionen Tonnen im Jahr 2016.

Urbane Herausforderungen

Hermine Resch, Geschäftsführerin der Spedition Erich Temmel, mit ihrem Team bei der Verleihung des VCÖ Möbilitätspreises. - © Spedition Erich Temmel
Hermine Resch, Geschäftsführerin der Spedition Erich Temmel, mit ihrem Team bei der Verleihung des VCÖ Möbilitätspreises. - © Spedition Erich Temmel

Marian Timler scheint eine Lösung zu haben. Der studierte Logistik- und Transportmanager ist der stellvertretende Leiter der Abteilung Business Development des Hafen Wien. Das stetig größer werdende Verkehrsproblem der Stadt Wien vor Augen, hat Timler gemeinsam mit dem Thinkport Vienna und dem Agilen Team der Stadt Wien die "Hubert Stadtlogistik" entwickelt. Hubert ist ein City-Hub, ein städtisches Verteilzentrum, in einer Lagerhalle am Alberner Hafen. Geschäfte, Handwerksbetriebe oder Büros in Wien sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können bestellte Waren gebündelt zu einem vereinbarten Termin zustellen lassen und müssen nicht auf Lieferanten warten.

Lagerlogistik bei Gebrüder Weiß - © Marcel Hagen
Lagerlogistik bei Gebrüder Weiß - © Marcel Hagen

Das System ist einfach: Ein Kunde gibt bei Bestellungen nicht seine Geschäftsadresse als Lieferadresse an, sondern die Adresse von Hubert, wo er eine Kundennummer hat. Marian Timler nimmt dann alle Pakete entgegen, gibt sie in seine Logistiksoftware ein, druckt ein neues Etikett mit der Adresse des Kunden aus und liefert die Pakete gesammelt zwei Mal in der Woche mit einem Elektrolieferwagen an die gewünschte Adresse. Das Verpackungsmaterial nimmt er auf Wunsch wieder mit. Auf diese Weise werden unnötige Fahrten vermieden und die Straßen der Stadt entlastet.

Digitale Effizienz

Der Wirtschaftsverkehr ist für 15 bis 25 Prozent des städtischen Verkehrsaufkommens und für 25 bis 35 Prozent der Treibhausgas-Emissionen des urbanen Verkehrs verantwortlich. Gütertransporte für Baustellen, Handwerks- und Reparaturarbeiten, Handelsunternehmen, kommunale Dienstleistungen, Paketzustellungen für Büros und private Haushalte, Müllentsorgung und nicht zuletzt private Einkaufsfahrten verursachen Abgase und Lärm. LKW sind in Städten außerdem ein Sicherheitsrisiko für Fußgänger und Radfahrer. Nicht zuletzt parken die zahlreichen und permanent unter Zeitdruck stehenden Paketzusteller ihre Lieferfahrzeuge in zweiter Spur, auf Gehsteigen und Radwegen und verursachen damit Behinderungen und Konflikte.

Marian Timler, Projektleiter von Hubert Stadtlogistik: Der Hafen Wien wird zum City Hub. - © Christoph Liebentritt
Marian Timler, Projektleiter von Hubert Stadtlogistik: Der Hafen Wien wird zum City Hub. - © Christoph Liebentritt

Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, den Güterverkehr in urbanen Zentren bis zum Jahr 2030 emissionsfrei zu machen. Alle Augen richten sich daher unter anderem auf die sogenannte "letzte Meile", die letzten Meter bis zum Endkunden. Diese kurzen Strecken bis zum Empfänger können umweltfreundlicher von Lastenfahrrädern oder kleinen, elektrisch betriebenen Transportfahrzeugen zurückgelegt werden. Oder man delegiert und teilt die Güter auf: LKW könnten ihre Güter an peripheren City-Hubs, wie etwa Hubert, abladen, wo sie von den Kunden abgeholt oder von weiteren Dienstleistern zugestellt werden.
Bei der Koordination der Lieferungen und der Kommunikation zwischen den Lieferdiensten und den Empfängern helfen digitale Plattformen. Ohne diese Unterstützung wären die Lösungen nicht denkbar.

Geteilte Logistik

Der Thinkport Vienna, das Mobilitätslabor des Hafen Wien, das in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur betrieben wird, arbeitet neben Hubert noch an einer Reihe weiterer Projekte für eine grünere Logistik, die sich oftmals auf solche Modelle der geteilten Hubs stützen: RemiHub etwa soll bestehende Flächen des öffentlichen Verkehrs als temporäre Logistik-Hubs mitnutzen: das Projekt MiHu erforscht, wie mittelgroße Verteilzentren (Midi-Hubs) von mehreren Paket-Dienstleistern kooperativ genutzt werden können; im Projekt "Schnurr" wurde ein mobiles System entwickelt, mit dem Zustellern freie Lieferzonen in der Stadt angezeigt werden.

Das Austrian Institute of Technology (AIT) und 15 Unternehmen haben im Projekt "Emilia" ebenfalls ein City-Logistik-Konzept mit einer eigenen Routing-Software und einem besonders leichten und flexiblen Elektro-Lastenrad entwickelt. Die Österreichische Post bietet mit ihrem Service "AllesPost" an, Pakete jedes Zustellers anzunehmen, sodass die Kunden alle ihre Pakete in einer Postfiliale nach Wahl abholen können. In den SB-Zonen geht das rund um die Uhr.

Hubert Stadtlogistik am Hafen Wien: Geliefert wird im E-Auto als Sammellieferung. - © Christoph Liebentritt
Hubert Stadtlogistik am Hafen Wien: Geliefert wird im E-Auto als Sammellieferung. - © Christoph Liebentritt

Die Storebox Holding wiederum arbeitet gemeinsam mit Forschungspartnern an anbieterunabhängigen Schließfachanlagen, in denen Pakete hinterlegt und rund um die Uhr von den Kunden abgeholt werden können. Nachdem ein Paket in der Anlage hinterlegt wurde, generiert das Schließfach automatisch einen Zugangscode und schickt ihn dem Empfänger. Zwei Teststationen, eine in Wien-Margareten und eine in Kaumberg in Niederösterreich, gibt es bereits.

Konkurrenzlose Straße?

Doch die letzte Meile ist nur ein Puzzlestein einer nachhaltigeren Gütermobilität. Der Güterverkehr in Österreich hat sich seit dem Jahr 1990 auf rund 79 Milliarden Tonnenkilometer mehr als verdoppelt. 36 Prozent des energetischen Verbrauchs im Jahr 2018 erfolgten durch den Verkehr. Der Güterverkehr mit schweren und leichten Nutzfahrzeugen verursachte im Jahr 1990 laut dem Klimaschutzbericht 2018 des Umweltbundesamts Treibhausgas-Emissionen in der Höhe von 4,24 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, im Jahr 2016 waren es 8,12 Millionen Tonnen. Das ist eine Steigerung um 91,4 Prozent. Der Anteil des Güterverkehrs an den gesamten Treibhausgas-Emissionen betrug im Jahr 2016 10,2 Prozent. Moderne Kraftfahrzeuge verbrauchen weniger Treibstoff, doch die immense Zunahme der Transporte macht die technologischen Gewinne wieder zunichte: Dazu kommt, dass sich der Gütertransport immer mehr auf die Straße verlagert.

Am Campus der TU Graz entsteht die erste öffentlich nutzbare Paketstation in Österreich. Lieferdienste und Privatpersonen sollen sie ab Ende Januar nutzen können. - © APA web / dpa
Am Campus der TU Graz entsteht die erste öffentlich nutzbare Paketstation in Österreich. Lieferdienste und Privatpersonen sollen sie ab Ende Januar nutzen können. - © APA web / dpa

Im Jahr 2018 betrug das Gesamttransportaufkommen aller Verkehrsträger in Österreich 761 Millionen Tonnen, berichtet die Statistik Austria. Das sind um 1,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Davon wurden 83,6 Prozent (574 Millionen Tonnen) auf der Straße transportiert und nur 15,3 Prozent (105,3 Millionen Tonnen) auf der Schiene. Die beförderte Tonnage auf der Schiene verringerte sich gegenüber 2017 um 2,1 Prozent. Betrachtet man die Transportleistung, also die transportierte Menge unter Berücksichtigung der zurückgelegten Wegstrecke, steigt die Bahn mit einem Anteil von 29,2 Prozent etwas besser aus. Dies zeigt, dass die schweren Güter auf längeren Strecken tendenziell mit der Bahn transportiert werden. An der problematischen Bilanz ändert dies nichts.

Prognosen für Europa gehen von einer Zunahme des Güterverkehrs um 30 Prozent bis zum Jahr 2030 aus. Das ergibt grob gerechnet 80 Millionen Tonnen zusätzliches CO2 pro Jahr. Dabei sollte der Verkehrssektor auf EU-Ebene im Jahr 2030 laut den Klimazielen der EU 220 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid ausstoßen als im Jahr 2017, schreibt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in seinem Factsheet 2019-06, das deshalb entsprechend so betitelt ist: "Wachstum des Gütertransports in EU braucht Bahnausbau".

Die Schiene aufwerten

Doch warum werden nicht mehr Güter mit der Bahn transportiert? Wie könnte man das ändern? Am Willen der LKW-Frächter scheint es nicht zu liegen.

Die Argumente gegen die Bahn korrespondieren mit den Anforderungen an eine moderne, zeitgemäße Logistik: Es fehlen LKW-Auflieger, die man mit dem Kran hochheben kann, ein unzureichender und stockender Ausbau des Schienennetzes, veraltete Technologien und fehlendes Fachpersonal, insbesondere Lokführer, würden den europäischen Güterverkehr auf der Bahn hemmen, teilt uns die Spedition LKW Walter mit, die sich, wie sie sagt, seit 35 Jahren um umweltfreundlicheren Transport bemüht.

Kombinierter Verkehr und Verladung bei LKW Walter. - © LKW Walter
Kombinierter Verkehr und Verladung bei LKW Walter. - © LKW Walter

Der Güterverkehr auf der Schiene, insbesondere innerhalb eines multimodalen Netzes, ist technisch, organisatorisch und rechtlich aufwendiger als der LKW-Verkehr auf der Straße. Was beim Onlinehandel üblich geworden ist – Produkte auswählen, per Klick bestellen und zahlen, Rechnung per E-Mail erhalten, Lieferstatus online verfolgen –, ist beim Gütertransport mit der Bahn oder im Kombiverkehr Bahn-LKW noch immer mit langen Vorlaufzeiten und Papierkram verbunden. Es läuft nicht ganz so reibungslos wie beim LKW.

Christian Gratzer, Sprecher des VCÖ, beschreibt es so: "Ein LKW fährt von Rotterdam bis ans Schwarze Meer durch, die Bahn kann das nicht." Denn bei der Bahn gibt es in Europa teils unterschiedliche Signaltechniken, unterschiedliche Stromspannungen oder unterschiedliche Vorgaben an die Lokführer, wie gut sie die Sprache des jeweils durchfahrenen Landes können müssen. Technik und Personal zu wechseln, kostet Zeit und Geld. An der Grenze zur ehemaligen Sowjetunion beginnt außerdem das Breitspurnetz, das bis nach China führt. Loks müssen also von Normalspur auf Breitspur gewechselt und Container umgeladen werden, oder man verwendet Waggons mit verschiebbarer Achse.

Die Unterschiede in den Bahnsystemen seien historisch aus militärischen Gründen gewollt gewesen, sagt Clemens Först, Vorstandssprecher der ÖBB Rail Cargo Group. Die Europäische Kommission müsste dafür sorgen, dass diese Systeme vereinheitlicht werden, scheitert aber am mangelnden Durchgriffsrecht auf die Mitgliedsstaaten, welche über Investitionen entscheiden. Auch faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Straße und Schiene müssten politisch geschaffen werden: "LKW-Transporte auf der Straße haben höhere externe Kosten als die Bahn, wie CO2 und andere Emissionen, Unfall- und Staukosten. Die zahlt zu rund einem Drittel die Gesellschaft." Auch das Dieselprivileg und die Energieabgabe für Bahnstrom, der zu 100 Prozent von erneuerbaren Energieträgern stammt, benachteiligten den Gütertransport mit der Bahn wirtschaftlich.

Gütertransport mit Rail Cargo Austria - © David Payr
Gütertransport mit Rail Cargo Austria - © David Payr

Aber: "Wir müssen auch als Eisenbahnsektor unsere Hausaufgaben machen, und da ist die Digitalisierung ein wesentlicher Punkt", sagt Clemens Först. Die Digitalisierung soll helfen, den Zugang zum System Schiene sowie insbesondere Multimodalität, also den Gütertransport mit verschiedenen Verkehrsmitteln, einfach und praktisch zu machen. Die Rail Cargo Group arbeite daran seit einigen Jahren intensiv, so der Vorstandssprecher: "Wenn wir effizienter und schneller sind, können wir preisgünstiger sein und damit mehr Kunden überzeugen, auf die Bahn zu kommen."

Das Ziel ist dasselbe wie beim Transport mit LKW. Die Kunden sollen jederzeit unkompliziert in Erfahrung bringen können, wie ihre Güter am besten und schnellsten von A nach B gelangen. Jede Transportstrecke soll transparent mitverfolgt werden können, damit die Kunden wissen, wo sich ihre Güter gerade befinden und wann sie ankommen werden. Das klingt einfach, weil es im Bereich des Versandhandels so selbstverständlich geworden ist. Diese Transparenz auch im Schienentransport herzustellen, ist aber aufgrund der Rahmenbedingungen im internationalen Schienengüterverkehr sehr komplex. Auch benötigt nicht jeder Kunde gleich einen ganzen Zug. Nur einzelne Waggons eines Güterzuges zu buchen ist aber nicht immer möglich.

Smarte Bahnlogistik

Die digitalen Lösungen für die Herausforderungen sind allerdings nah: Die Rail Cargo Group (RCG) leitet mit ihrem Projekt "Smart Cargo" ein neues Zeitalter ein. Seit März 2019 werden auf die RCG-Güterwaggons Boxen der Wiener Firma CargoMon Systems montiert, die die Waggons grenzüberschreitend überwachen. Die Boxen enthalten GPS-Sensoren zur Positionsbestimmung und können Daten von Sensoren am Waggon empfangen, die Gewicht der Ladung, Erschütterungen und Luftfeuchtigkeit erkennen oder auch, ob die Türen geschlossen sind. Mittels "Geofencing" meldet das Gerät, sobald der Waggon einen Bahnhof verlässt oder Landesgrenzen überschreitet. Die Batterie des Geräts ist extrem robust und hält viele Jahre, erklärt Stefan Mahlknecht, Geschäftsführer von CargoMon Systems. Die Informationen werden über das Mobilfunknetz an eine von A1 Digital entwickelte IoT-Plattform (Internet of Things) gesendet, wo sie visuell aufbereitet und verarbeitet werden. Mehr als die Hälfte der 13.700 Güterwaggons der RCG wurden bereits mit den "smarten" Boxen ausgestattet, die einen ständigen Überblick ermöglichen sollen, wo sich welcher Waggon in welchem Zustand gerade befindet. In Kombination mit dem Wissen über den Zustand von Strecken und die gefahrenen Kilometer soll auch "predictive maintenance" möglich werden, also die vorausschauende Wartung des rollenden Materials. Die Wartung folgt der tatsächlichen Abnutzung statt wie bisher dem festgelegten zeitlichen Intervall.

Clemens Först, Vorstandssprecher der Rail Cargo Austria. - © Andreas Scheiblecker
Clemens Först, Vorstandssprecher der Rail Cargo Austria. - © Andreas Scheiblecker

Firmen und Privatpersonen wollen Waren immer schneller und zu einem konkreten Termin erhalten. Die Digitalisierung sei deshalb "das Schlagwort schlechthin", sagt Jürgen Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung des Transport- und Logistikunternehmens-Gebrüder Weiss aus Lauterach in Vorarlberg: "Zum digitalen Bereich gehören beispielsweise ein durchgängiges Realtime Track & Trace-System, eBooking, digitale Lagerbestands- und Auftragsinfos – darunter auch die voraussichtliche Ankunftszeit von Sendungen – oder Self-Ticketing." Diese Services sollen die Logistikleistungen für den Kunden transparenter und verständlicher machen. Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Anliegen der Kunden verstehen, seien allerdings nicht ersetzbar, fügt Bauer hinzu.

Schneller, effizienter, übersichtlicher, sicherer – das sind auch die Ziele der vier neuen Check-in-Gates am Hafen Wien. Auf dem riesigen Hafen-Gelände an der Donau, auf dem Container und Güter zwischen Schiff, Bahn und LKW hin- und hergeladen werden, kann man als Außenstehender schnell einmal die Orientierung verlieren. LKW, die einfahren, werden seit November 2017 automatisch per Kamera registriert, mit den bereits hinterlegten Kundendaten abgeglichen und einem bestimmten Halteplatz zugewiesen.

Serverraum bei Gebrüder Weiß - © Marcel Hagen
Serverraum bei Gebrüder Weiß - © Marcel Hagen

Die Digitalisierung spiele für die gesamte Mobilität eine zentrale Rolle, sagt auch Hermine Resch, Geschäftsführerin der Spedition Herbert Temmel aus Gleisdorf in der Steiermark. "Für die Entwicklung wirklich innovativer Konzepte braucht es aber das Zusammenspiel zwischen allen Unternehmen, also Hersteller, Frächter, Logistiker, Kunde etc. Wichtig dabei sind auch der Datenschutz und die Datensicherheit." Autonomes Fahren auf der Straße und auf der Schiene könnten außerdem das Problem des Fahrermangels lösen, den Energieverbrauch reduzieren und die Sicherheit erhöhen, ist Resch überzeugt.

Gefragt sind auch Lösungen zur Vermeidung von Leerfahrten. In den USA wurde dafür die Vermittlungs-App "Convoy" entwickelt, mit der Kunden und Fahrer direkt Aufträge vereinbaren können. 35 Prozent der gefahrenen Meilen würden leer erfolgen; 72 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente könnten eingespart werden, wenn leere Retourfahrten vermieden und die komplette freie Ladekapazität genützt würden, rechnen die Betreiber von Convoy vor. Die App hat allerdings auch den Effekt, das Risiko von Leerfahrten von Unternehmen auf die Fahrer zu verlagern, denn in der Regel sind die Convoy-Fahrer auch die Besitzer der Trucks bzw. der Zugmaschinen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Uber, das Taxifahrten vermittelt, aber seine Mitarbeiter nicht als Angestellte entsprechend bezahlt und versichert, wird Convoy daher von Gewerkschaften und Behörden kritisch betrachtet. Auch bei Uber sind die Fahrer mit ihren eigenen Fahrzeugen unterwegs. Ob das Modell für eine anspruchsvolle Logistik geeignet ist, ist fraglich.

Die Zukunft ist elektrisch

Bei allen Bemühungen für eine Vereinfachung und Beschleunigung der Bahntransporte, für multimodalen Gütertransport, Effizienzsteigerung und den Einsatz von kleineren E-Fahrzeugen für die letzte Meile, wird man auf LKW nicht verzichten können. Für diese setzen einige Hersteller und Transportunternehmen deshalb auf alternative Antriebe.

Internationale Komplettladungstransporte, die durchschnittlich 1300 Kilometer weit fahren, seien elektrisch derzeit nicht möglich, schreibt uns die Firma LKW Walter, die Transporte in ganz Europa sowie bis in den Nahen Osten, nach Zentralasien und Nordafrika organisiert. Deshalb setze man auf kombinierten Verkehr. Für den Transport auf Kurzstrecken seien elektrisch betriebene LKW aber bereits eine Alternative, so die Spedition.

Der Hafen Wien. - © Christoph Liebentritt
Der Hafen Wien. - © Christoph Liebentritt

Die Spedition Herbert Temmel nutzt für die kurzen Strecken seit Ende 2018 den eTruck von MAN und baut seit 2017 firmeneigene alte Diesel-LKW auf elektrischen Antrieb um. Die Batterie der E-Trucks reiche zwar nur für etwa 150 Kilometer, sagt Geschäftsführerin Resch, dafür seien sie "supergeil" zu fahren, in der Beschleunigung spitze, im städtischen Stop-and-go-Verkehr sparsamer und im Erhalt kostengünstig, weil weniger Verschleißteile eingebaut sind. Außerdem, so Resch, gebe es eine Förderung des Verkehrsministeriums von bis zu 50.000 Euro pro Fahrzeug. Für ihr Engagement hat die Firma Temmel 2019 den VCÖ Mobilitätspreis erhalten.

E-LKW der Spedition Erich Temmel - © LKW Erich Temmel
E-LKW der Spedition Erich Temmel - © LKW Erich Temmel

Sind technologische Lösungen der einzige Weg? Christian Gratzer vom VCÖ sieht auch die Konsumentinnen und Konsumenten in der Pflicht. Seine Empfehlung: Weniger kaufen, öfter zu Fuß oder mit dem Rad vor Ort einkaufen, weniger Pakete zurückschicken, den Konsum entschleunigen. Solche Verhaltensänderungen könnten viele Gütertransporte einsparen – ganz analog.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Printausgabe der "Digitalen Republik" am 29. Januar 2020, ein Verlagsprodukt aus der Content Production der "Wiener Zeitung".