"Wir hatten viele verschiedene Datenbedürfnisse, konnten diese aber nicht erfüllen", sagt Iris Thallinger, Product-Owner Data Governance der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ). Aus diesem Grund entwickelten die Projektmanagerin in der Abteilung IT und Digitalisierung und ihr Team ab 2017 eine innovative, dezentrale Lösung für mehr als tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dafür wurde sie nun als Austrian Data Hero ausgezeichnet. Der Award wird jährlich von der Austrian Digital Value  für herausragende Leistungen im Bereich Data Governance verliehen.

Iris Thallinger ist eine Datenheldin: Sie baute in der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich die Stabsstelle Data Governance auf und schuf eine dezentrale Managementstruktur. Sie erhielt die Auszeichnung Autrian Data Hero der ADV. - © RLB OÖ Strobl
Iris Thallinger ist eine Datenheldin: Sie baute in der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich die Stabsstelle Data Governance auf und schuf eine dezentrale Managementstruktur. Sie erhielt die Auszeichnung AutrianData Hero der ADV. - © RLB OÖ Strobl

"Unsere Bank hatte über die Jahre große Mengen an Daten gesammelt. Es war allerdings ein komplexes Datensammelsurium, keine gemeinsame, konsistente Basis", erzählt die Linzerin Thallinger. Um die Unternehmensdaten besser für alle nutzbar zu machen, wurde 2016 ein entsprechendes Projekt ins Leben gerufen. Rasch zeigte sich, dass es mit diesem singulären Ansatz nicht getan sein würde. So schuf die Bank 2017 eine eigene Stabsstelle für Data Governance, die sich nun kontinuierlich dem Datenmanagement widmet. "Uns war wichtig, das Thema Data Governance im Unternehmen zu verankern. So konnten wir auch Bewusstsein für den Mehrwert von besserem Datenmanagement schaffen", sagt Thallinger. Iris Thallinger konnte auf ihren Erfahrungen im Projektmanagement aufbauen, die sie erstmals während des Studiums der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in Linz gesammelt hatte. Seit 2007 arbeitet Thallinger in der Bankenbranche im Projektmanagement, seit 2012 bei der RLB OÖ: "Durch meine Erfahrungen aus früheren Projekten hat es sich angeboten, dass ich das Rollenkonzept für Data Governance erarbeite. Das Haus kannte ich zu diesem Zeitpunkt ja schon gut."

Als ersten Schritt führte das Team intensive Gespräche mit allen Bereichsleiterinnen und Bereichsleitern, um die Schwachstellen im Kontext der Daten zu finden. Das waren vor allem mangelnde Datenqualität und fehlende Systematik. So wurde und wird etwa die Kundenklassifikation auf verschiedene Arten ermittelt und angezeigt. Einmal aus Vertriebs- bzw. Kundensicht, einmal aus meldepflichtiger Sicht. "Man musste höllisch aufpassen, beim Arbeiten mit diesen Daten die unterschiedlichen Ermittlungs- und Zuordnungslogiken nicht zu verwechseln", erinnert sich Thallinger. Und das war noch eine der im Vergleich einfacheren Problemstellungen.

Um ein umfassendes Datenmanagement zu ermöglichen, hat Thallinger einen sogenannten Datenlebenszyklus als Richtschnur entwickelt. Dieser Zyklus besteht aus fünf Schritten: Eruieren der Anforderungen, Festlegen von Definitionen und Verantwortlichen, Verwaltung der erfassten Daten, Optimierung der Datenqualität und letztlich Nutzung der Daten. Diese systematische Vorgehensweise war genau das, was bisher gefehlt hat. Nach der Abstimmung mit allen Bereichsleitern hat Thallinger insgesamt 27 "Data-Stewards" gesucht und gefunden, die als Schnittstellen zwischen dem sechsköpfigen zentralen Team und den jeweiligen Abteilungen des Hauses fungieren.

Diese dezentrale Struktur war letztlich auch das Erfolgsgeheimnis. "Eine zentrale Abteilung allein könnte das Thema in einem so großen Unternehmen gar nicht abdecken", sagt Thallinger. Mit den Data-Stewards aber gibt es in jeder Abteilung mindestens einen Ansprechpartner für alle Fragen zum Thema Daten.

Um die Metadaten zu verwalten, hat die RLB OÖ eine externe Software zugekauft: Jeder Mitarbeiter hat Zugriff auf das neue Onlinetool und kann dort allgemeine Datendefinitionen und Qualitätsregeln, aber auch spezifische Datenqualitäten und Verwendungen einzelner Daten in Reports nachschlagen. "So sparen sich Kollegen die Arbeit, immer wieder mit den gleichen Definitionen in einem neuen Projekt von vorn beginnen zu müssen", sagt Thallinger.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft? Den erfolgreichen Weg weiterzugehen. Noch sind längst nicht alle Datenbereiche im gesamten Konzern erfasst. "Data Governance ist nie zu Ende, auch weil sich unsere Datenbedürfnisse laufend ändern. Durch die Marktentwicklung, aber auch durch die Anforderungen der Aufsicht", sagt Thallinger. Ihr "Daten-Wiki" wird also noch weiterwachsen. Wie der Data Hero Award der Austrian Digital Value zeigt, jedenfalls in die richtige Richtung.

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Ein Beitrag zum Schwerpunktthema "Data Governance" aus der "Digitalen Republik", ein Verlagsprodukt aus der Content Production der "Wiener Zeitung".