René Schader hat 2017 gemeinsam mit Thomas Angerer "Ummadum" gegründet:
Wer die Ridesharing-App nutzt, kann bei anderen mitfahren oder andere mitfahren
lassen und sammelt dabei Ummadum-Punkte, mit denen im lokalen Handel
bezahlt werden kann. Das Ziel: Das Land mobil machen und die regionalen
Wertschöpfungsketten stärken. Corona setzte ein großes Fragezeichen
hinter das Projekt, aber Ummadum gelang es, Corona ein Schnippchen zu schlagen.

"Wiener Zeitung": Ihre App Ummadum adressiert zwei Bereiche, die von der Coronakrise immer noch besonders betroffen sind: der Verkehr und der lokale Einzelhandel. Wie ist es Ihnen in den letzten Wochen ergangen?

René Schader: Das Verwunderliche an dieser Coronakrise ist, dass jeder den Ausbruch in China mitbekommen hat und es keiner so richtig kommen sah. Als schließlich im März die ersten Veranstaltungen abgesagt wurden, war uns klar, dass Ridesharing in den nächsten Wochen oder Monaten kein Thema sein würde. In einer Zeit des Social Distancing kann man nicht gemeinsam Auto fahren. Somit sind einige Vertragsabschlüsse mit Kooperationspartnern erstmal on hold gewesen. Wir wollten aber weiter für den regionalen Handel da sein, denn eines war uns auch schnell klar: Die großen Profiteure dieser neuen bis ins hinterste Tal durchdigitalisierten Welt werden Amazon & Co. sein, wenn wir nichts tun. Wir haben gemeinsam mit Sodexo ein Hilfsfahrtenfeature entwickelt, um diejenigen zu unterstützen, die sich in der Nachbarschaftshilfe engagieren. Die haben durch uns ein Tool bekommen. Das war der erste Schnitt. Wir wollen das weiterführen, auch wenn inzwischen unser ursprüngliches Konzept wieder nachgefragt wird. Die Hilfsfahrten wurden gut angenommen, besonders in Tirol, wo einige Gemeinden wirklich von der Außenwelt abgeschnitten waren. Das war auch für uns wichtig zu sehen, dass wir schnell reagieren können und uns an die neue Situation anpassen können.

Wie hat sich die Coronakrise im Geschäftsalltag von Ummadum gezeigt?

Es ist für uns nicht neu, von verschiedenen Orten aus gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, das machen wir ständig. Unsere Büros in Wattens und unser Büro in Wien waren nun einige Wochen verwaist, aber das hat uns nicht gebremst. Wir konnten letztes Jahr noch die Jahreshauptversammlung der FIA, dem Dachverband europäischer Mobilitätsclubs, in Paris mitnehmen. Wir haben dort gute Gespräche geführt, wie der Rollout von Ummadum in den einzelnen Ländern aussehen könnte. Wir möchten den Schritt ins Ausland so schnell wie möglich gehen. In Österreich haben wir bislang nicht nur Partner in Tirol, sondern auch in der Steiermark und in Niederösterreich. Grundsätzlich kann uns aber jeder Österreicher und jede Österreicherin nutzen, das Netz an Einlösestellen erweitern wir ständig. Gegen Ende des Jahres wollen wir auch im Ausland starten. Corona hat alles ein paar Monate nach hinten verschoben, aber die Roadmap ist eigentlich noch dieselbe.

Während des Lockdowns hat sich der Autoverkehr in Wien zwischenzeitlich halbiert. Wird diese Krise alternativen Verkehrskonzepten nutzen?

Grundsätzlich glaube ich, dass Corona die Gesellschaft als Ganzes verändert. Ummadum ist ja für den ländlichen Raum und als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr konzipiert. Im Zuge des Lockdowns war kein Ridesharing möglich und die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln wurde wegen der Abstandsregeln nicht empfohlen. Wir haben aber auch während der Zeit unsere Kontakte zu den Verkehrsverbünden ausgebaut und gemeinsame Strategien diskutiert, denn jetzt geht es darum, dass wir nicht wieder in dieses Verkehrsaufkommen kippen, das wir vor Corona hatten, mit Staus, mit Parkplatznot usw. Wir entwickeln da auch bereits neue Features, die unseren Partnern mehr Flexibilität geben und integrieren weitere Verkehrsmodi wie das Radfahren. Ich bin zuversichtlich, dass alternative Modelle in Zukunft eine größere Rolle spielen werden. Inzwischen hören wir auch von den Unternehmen sehr oft, dass es ihnen recht ist, wenn ihre Mitarbeiter gebündelt kommen und im Idealfall in den Fahrzeugen und dann auch im Betrieb unter sich bleiben.

Ummadum soll ja auch den lokalen Handel stärken. Man kann mit den Punkten bei den Partnerhändlern einkaufen und Dienstleistungen bezahlen. Nun schätzt das Institut für Handel in Köln, dass in Deutschland 64.000 kleine Läden zusperren werden und allenfalls die Filialisten überleben. Wie geht es Ihren Partnerhändlern?

Es gab zahlreiche Initiativen während der Krise, die versucht haben, den unabhängigen Handel zu stärken, aber wer im Bereich Digitalisierung nicht gut aufgestellt war, konnte nicht mal da mitmachen, denn das meiste fand online statt. Die Profiteure sind daher zum einen die globalen Player und zum anderen diejenigen, die ihre Kunden außerhalb des Geschäftes ansprechen konnten. Viele wird es hart treffen, viele werden zusperren müssen. Es wäre wünschenswert, wenn es einen Schritt zurück zur Regionalität geben würde, von der Ernährung bis hin zu anderen Konsumgütern. Ich bin allerdings skeptisch, was das Umdenken im Konsum betrifft. Wir haben viele Jahre die Vorteile von günstigen Produkten genossen und konsumiert, auch wenn es nicht notwendig ist. Das wird sich, glaube ich, auch nicht substanziell ändern. Dafür dauert diese Krise doch nicht lang genug. Wir werden wahrscheinlich sehr schnell zum alten Leben zurückkehren. Wir sehen durch die Krise aber auch, dass unser Ansatz, vor allem die Regionen zu stärken, genau richtig ist, denn diese Krise betrifft vor allem diese kleinen Unternehmen, von denen es ja ohnehin nur noch sehr wenige gibt. Wir müssen genau diese Unternehmen und Dienstleister schützen, denn das sind die Arbeitsplätze und Einkommen der Nachbarn, von Familienmitgliedern und Freunden. Das hat durch die Krise auch die Politik jetzt besser verstanden. Auf Digitalisierung, Ökologisierung und Regionalisierung soll mehr Wert gelegt werden, wir passen da perfekt dazu. Wenn die nächste Krise kommt, können wir wahrscheinlich schneller reagieren.

Ein Geschäft in Innsbruck eröffnet am 14. April nach dem wochenlangen Lockdown. Die kleinen Einzelhändler und Dienstleister sollten besser geschützt werden, meint René Schader. "Das sind die Arbeitsplätze von Nachbarn, Familienmitgliedern und Freunden." - © APAweb / Expa / Erich Spiess
Ein Geschäft in Innsbruck eröffnet am 14. April nach dem wochenlangen Lockdown. Die kleinen Einzelhändler und Dienstleister sollten besser geschützt werden, meint René Schader. "Das sind die Arbeitsplätze von Nachbarn, Familienmitgliedern und Freunden." - © APAweb / Expa / Erich Spiess

Ist Ihr Fazit daher eher positiv?

Als Unternehmensgründer wachsen wir an den Herausforderungen, denn ein Problem ist die Keimzelle eines neuen Geschäftsmodells: Man muss Wege finden, es zu lösen.

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Dies ist ein Beitrag aus der Serie "Die Welt nach Corona" der Digitalen Republik, einer Produktion der Content Production der "Wiener Zeitung". Ab dem 27. Mai erscheint unser Schwerpunkt zum Thema Amazon, Onlinehandel mit Lebensmitteln und Digitalisierung in KMU.