Ist Sektfrühstück das morgenhelle Pendant zum Champagner-Dinner in nächtlichem Kerzenschein? Das Hinüberretten der funkelnden Eleganz einer Festtafel unter Sternen an den Frühstückstisch? Mit der Freude daran, sich die Sterne vom Himmel ins Glas geholt zu haben? Oder ein Anlass, mit Freunden beim Brunch höherfliegende Gespräche zu führen, als es bei Kaffee möglich wäre?

Höchst individuelle Gründe gibt es, ein Frühstück in Gesellschaft von Sekt einzunehmen. Aber was ist "Sekt"? Begriffe wie Frizzante, Perlwein, Schaumwein und Sekt werden oft beliebig gegeneinander ausgetauscht. Dabei ist nicht einmal Sekt gleich Sekt.

In Österreich sind "Sekt" und "Qualitätsschaumwein" gleichbedeutend und können synonym verwendet werden. Allerdings wird unterschieden zwischen "Sekt" ohne nähere geografische Angabe und "Österreichischer Sekt mit geschützter Ursprungsbezeichnung", kurz: Sekt g. U., den es auf drei Qualitätslevels gibt: Klassik, Reserve und Große Reserve. Die beiden letztgenannten repräsentieren die heimische Sekt-Königsklasse, hergestellt durch das aufwendige traditionelle Flaschengärverfahren mit vorgeschriebenen Hefelagerzeiten.

Die Glasfrage

Ein schlankes, konisches Sektglas eignet sich für fruchtbetonte Sekte. Für Schaumwein mit längerer Hefelagerzeit steigert ein gutes Weißwein- bis Universalglas den Genuss. Ein Moussierpunkt (winzige aufgeraute Stelle) auf dem Glasboden fördert das gleichmäßige Aufsteigen der Perlen.

Spiel mit Sex-Appeal

Sekt im Glas delektiert den Blick des Betrachters durch den verspielten Tanz winzig kleiner Perlen, die in Ketten aneinandergereiht mit verwegenem Schwung an die spiegelnde Oberfläche drängen. Dieses elegante Schauspiel wird am besten in hohen, hauchzarten Gläsern inszeniert. Wem der Geschmack von Sekt ebenso wichtig ist wie die Optik, sollte sich für eine konische Form entscheiden, die das Bukett der Nase zuträgt.

Am Gaumen zeigt Sekt seinen Sex-Appeal durch lebendiges Schäumen (frz. Mousseux). Je feiner die Kohlensäurebläschen sind und je länger sie im Wein eingebunden bleiben, desto besser ist seine Qualität und umso zarter ist der anregende Kitzel von Zunge und Gaumen. Dazu kommt, dass die Kohlensäure im Magen zu einer schnelleren Aufnahme des Alkohols im Blut führt. Und das zum Frühstück? Sekt scheint der Bruder Leichtsinn am Tisch zu sein. Man kann ihn genussvoll bändigen, wenn man seine sensorischen Eigenschaften gezielt einsetzt.

Sekt und Speisen

Grundsätzlich verstärkt die Kohlensäure im Sekt Aromen in der Speise, andererseits betont sie die ohnehin vorhandene Säure – ein Grund, warum ein Sekt Brut mit 10 g Restzucker herber schmecken kann als ein trockener Weißwein mit 5 g Restzucker. Rosé oder weiß? Schilcher oder Burgunder? Farbe und Rebsorte sind für die ideale Kombination mit einem Gericht weniger relevant als die Struktur des Sekts (Säure, Kohlensäure, Süße, Gerbstoffe, Alkoholgehalt). Gut zu wissen ist auch, dass lang auf der Hefe gereifte Schaumweine mit brotigen Aromen mehr Durchsetzungskraft haben als junge, fruchtbetonte. Zwar gibt es Regeln zur Verbindung einzelner Komponenten im Wein und in der Speise, doch darf man nicht übersehen, dass stets alle beteiligten Komponenten zusammenspielen. Im Idealfall ergibt sich am Gaumen eine harmonische Partnerschaft zwischen Sekt und Speisen am Frühstückstisch.

Wie im Leben, so beim Essen und Trinken: Eine kleine Reiberei kann lauwarme Harmonie würzig auffrischen. Gönnen Sie sich also die Lust delikater Irrwege beim Ausprobieren. Es gilt: Besserer Sekt – mehr Freude.

Zum Herunterladen: