Die Zwischenfälle zeigen, dass die Linke Gewalt nicht nur predigt, sondern in einigen Fällen auch bereit ist, zur Tat zu schreiten, meinte der Chef der postfaschistischen Alleanza Nazionale, Ginafranco Fini. Er distanzierte sich aber gleichzeitig von Haider, "der besser daran getan hätte, zu Hause zu bleiben und der einfach ungustiöse Aussagen gemacht habe".

Haider war nicht nur wegen seiner Angriffe gegen Italiens Präsident Carlo Azeglio Ciampi und Ministerpräsident Giuliano Amato in Kreuzfeuer der italienischen Politik geraten - Amato hatte in einem Brief an Bundeskanzler Schüssel dagegen protestiert - sondern auch wegen einer Bemerkung in einem Interview mit der römischen Zeitung "la Repubblica" über jüdische Kaufleute, die ihre Auslagen aus Protest verdunkelten: "Sie sollen machen, was sie glauben. Wenn sie Strom sparen wollen..."

Der Spitzenkandidat des Mitte-Links-Bündnisses für die kommenden Wahlen, Roms Bürgermeister Francesco Rutelli, sprach sich dafür aus, ein "Schlusswort zur Werbekampagne für Haider" auszusprechen. Durch diese Kampagne habe es Haider geschafft, gemeinsam mit anderen hohen Politikern, die höchsten Persönlichkeiten im Staat zu beleidigen.

Lega Chef Umberto Bossi, der noch vor wenigen Tagen in der Auseinandersetzung rund um den Haider-Besuch den italienischen Präsidenten Ciampi wegen dessen Kritik an Haider angegriffen hatte, distanzierte sich am Wochenende klar von Haider, dem er vorwarf, das Geschäft der Linken zu betreiben und ein Feind der Lega zu sein. "Er ist ein Sohn von Nazis, wir sind Söhne von Partisanen", meinte der Lega Chef.

Der italienische Innenminister Enzo Bianco ist wegen den Handgreiflichkeiten zwischen Autonomen und der Polizei stark unter Druck geraten. Der Chef der oppositionellen Altkommunisten (Rifondazione Comunista), Fausto Bertinotti, beschuldigte Bianco, die Anwendung brutaler Methoden gegen die Demonstranten gefördert zu haben.

Italiens neofaschistische Bewegung "Movimento Sociale - Fiamma Tricolore" hofft nach dem Besuch Haiders beim Papst offenbar auf eine engere Zusammenarbeit mit der FPÖ. Nach Angaben des römischen Vertreters der Bewegung, Daniele Giannini, überlege man eine politische Kooperation mit der FPÖ. Giannini habe am Sonntag Haider getroffen und am Abendessen der Kärntner Rom-Delegation in einem Restaurant der Hauptstadt teilgenommen, berichten italienische Zeitungen. Giannini hatte eine Solidaritätsdemonstration für Haider veranstaltet, an der zirka 500 Personen teilgenommen haben.