• vom 28.01.2009, 09:24 Uhr

Weltpolitik

Update: 28.01.2009, 11:22 Uhr

Israel bombardiert Tunnel an Gaza-Ägypten-Grenze

Brüchige Waffenruhe in Nahost




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Von WZ Online

  • US-Beauftragter für Ausweitung von Waffenstillstand.
  • UNO-Diplomat: Gaza ist "riesiges Gefängnis ohne Menschenwürde".
  • Gaza. Israel hat nach Angaben von Augenzeugen entlang der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten Tunnelanlagen aus der Luft angegriffen. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Die Aktion habe sich am frühen Mittwochmorgen ereignet, sagten Bewohner der im Gazastreifen gelegenen Stadt Rafah sowie Sicherheitskräfte der radikal-islamischen Hamas. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte, sie prüfe den Bericht. Durch die Tunnel sollen unter anderem Waffen in den Gazastreifen geschmuggelt werden.


Die nach der dreiwöchigen israelischen Offensive im Gazastreifen erst kürzlich beschlossene Waffenruhe erwies sich damit einmal mehr als brüchig. Bereits am Dienstag war es zu Zwischenfällen gekommen, bei denen ein israelischer Soldat und ein Palästinenser starben.

US-Beauftragter bei Mubarak

Der neue US-Sondergesandte für den Nahen Osten, George Mitchell, hat sich nach Gesprächen in Kairo für eine Ausweitung des Waffenstillstands im Gazastreifen ausgesprochen. Seine Regierung unterstütze die entsprechenden Vermittlungsbemühungen von Ägypten, sagte Ex-Senator Mitchell am Mittwoch vor Journalisten. Seine Reise vermittle den Regierungen im Nahen Osten das deutliche Signal, dass die USA weiter verpflichtet seien, Frieden und Stabilität in der Region zu fördern.

Der amerikanische Beauftragte traf am Mittwoch mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zusammen. Anschließend war der Weiterflug nach Israel geplant. Mitchell will auch mit der palästinensischen Regierung von Präsident Mahmoud Abbas in Ramallah im Westjordanland sprechen, nicht aber mit Vertretern der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Auf seinem Programm stehen auch Besuche in Jordanien, der Türkei und Saudi-Arabien.

Holmes: "Massive humanitäre Hilfe" notwendig

Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Unter-Generalsekretär John Holmes, hat den Gazastreifen nach den israelischen Angriffen mit einem "riesigen Freilichtgefängnis ohne Normalität und Menschenwürde" verglichen. Holmes berichtete dem Weltsicherheitsrat am Dienstagabend über seine Eindrücke bei einem Besuch in dem Gebiet in der vergangenen Woche. Demnach brauchen die Palästinenser "massive humanitäre Hilfe" zum Überleben und zum Wiederaufbau ihrer Wohnhäuser. "90 Prozent der 1,3 Millionen Menschen im Gazastreifen ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen", sagte Holmes.

Er appellierte an den Sicherheitsrat, mit dafür zu sorgen, dass alle Grenzübergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen geöffnet werden, damit die angemessene Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden könne. Derzeit könnten durch die Beschränkungen der Israelis lediglich 120 Lastwagen mit Hilfsgütern pro Tag in das zerstörte Gebiet. Gebraucht würden aber wenigstens 500 Ladungen pro Tag, erklärte der Nothilfekoordinator dem höchsten UN-Gremium. Seinen Angaben nach häuften sich in Ägypten bereits Hilfsmittel, die im Gazastreifen dringend benötigt werden.

Die Leiterin des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNWRA), Karen AbuZayd, forderte die Untersuchung von Verstößen gegen internationales Recht, einschließlich der israelischen Angriffe auf UN-Einrichtungen im Gazastreifen. Außer humanitärer Hilfe sei auch Unterstützung im politischen Bereich erforderlich. Sie appellierte an den Sicherheitsrat, "einen Teil der Last zu schultern, damit wieder Normalität im Gazastreifen eintreten kann." (APA/Reuters)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-01-28 09:24:06
Letzte Änderung am 2009-01-28 11:22:00

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