• vom 13.08.2012, 11:34 Uhr

Weltpolitik

Update: 13.08.2012, 19:44 Uhr

Aleppo

Syrien: Debatte über Flugverbotszone




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  • UNO-Beauftragte reist nach Syrien
  • Kämpfe in Aleppo und Damaskus.
  • Rebellen meldeten Abschuss von Kampfjet.

Ein Aufständischer hilft einer Frau, die Straße in Aleppo zu überqueren.

Ein Aufständischer hilft einer Frau, die Straße in Aleppo zu überqueren.© APAweb / Reuters, Goran Tomasevic Ein Aufständischer hilft einer Frau, die Straße in Aleppo zu überqueren.© APAweb / Reuters, Goran Tomasevic

In Syrien dauerten auch am Montag die Kämpfe an. Sowohl aus der Hauptstadt Damaskus als auch aus der Wirtschaftsmetropole Aleppo wurden Gefechte gemeldet.

Rebellen haben am Montag nach eigener Darstellung einen Kampfjet der Armee abgeschossen und den Piloten gefangen genommen. Das staatliche Fernsehen berichtete hingegen, das Flugzeug sei wegen technischer Probleme abgestürzt. Für die leicht bewaffneten Aufständischen wäre der Abschuss eines Armee-Jets ein seltener Triumph. Zum Beweis für ihre Version luden die Rebellen auf dem Internetkanal YouTube Videos hoch, die den Vorfall in der Provinz Deir Ezzor im Osten des Landes zeigen sollen.

Zu sehen ist ein Kampfjet, der plötzlich in Flammen aufgeht, ins Trudeln gerät und eine Rauchfahne hinter sich herzieht. "Gott ist groß! Ein MiG-Kampfjet ist in der Stadt Mohassen getroffen worden", hört man einen Rebellen rufen. Später zeigte der von Saudi-Arabien finanzierte Fernsehsender Al-Arabiya auch ein Video, das den Piloten in Rebellenhand zeigen soll. Die Echtheit der Filme ließ sich nicht überprüfen. Das Staatsfernsehen berichtete dagegen, ein Bergungsteam sei unterwegs. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur SANA konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten.

In Oppositionskreisen hieß es, die Rebellen hätten den Jet mit Flugabwehrgeschützen abgeschossen. "Es war eine MiG-21, die von einem 14,5-Millimeter-Flugabwehr-Geschütz getroffen wurde, dem größten im Arsenal der Rebellen", sagte ein Oppositioneller. Über die Herkunft des Geschützes machten die Rebellen keine Angaben. Kampfjets hatten zuletzt Aleppo und auch Dörfer bombardiert, die von den Aufständischen kontrolliert werden.

Die syrische Armee beschoss im Morgengrauen mehrere Viertel im Süden der Hauptstadt Damaskus und ging erstmals auch in der Altstadt mit Razzien gegen die Opposition vor. In der Altstadt seien zahlreiche Menschen festgenommen worden, während anhaltende Schüsse zu hören gewesen seien, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Armee ist nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten indes in ein weiteres Viertel der seit Wochen umkämpften Stadt Aleppo vorgedrungen. Die Regierungstruppen seien am Montag mit Panzern in den westlichen Stadtteil Saif al-Daula (Sayf al-Dawla) vorgestoßen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dort gebe es Kämpfe zwischen Armee und Rebellen. Zuvor waren im Internet Videos über von syrischen Aufständischen begangene Grausamkeiten aufgetaucht.

UNO-Beauftragte reist nach Syrien
Die für humanitäre Einsätze zuständige UNO-Beauftragte Valery Amos will in dieser Woche in Syrien über eine Ausweitung der Hilfsaktionen für die leidende Zivilbevölkerung beraten. Amos, die nach Angaben der Vereinten Nationen am Dienstag in das vom Bürgerkrieg zerrissene Land reisen soll, plant zudem einen Besuch bei syrischen Flüchtlingen im Libanon. Aus der syrischen Opposition wird unterdessen die Forderung nach einer Flugverbotszone über dem Land laut.

Zum Schutz der Rebellen sollten ferner international gesicherte Bereiche an den Grenzen zu Jordanien und der Türkei geschaffen werden, sagte der Chef des "Syrischen Nationalrats", Abdelbasset Sida, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch der Rebellenkommandant Abu Alaa trat für eine Flugverbotszone ein. Dies sei "wesentlich für die Fortführung unseres Kampfes". "Wir könnten mehr Gebiete unter unsere Kontrolle bringen, aber die Kampfjets des Regimes hindern uns mit ihren Bombardierungen daran", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.

Zuvor hatte US-Außenministerin Hillary Clinton nach Gesprächen am Samstag in Istanbul mitgeteilt, dass ihr Land und die Türkei die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien erwägen, um die syrischen Rebellen im Kampf gegen Präsident Bashar al-Assad zu unterstützen.

Unterdessen wurde am Montag bekannt, dass ein syrischer Diplomat am UNO-Sitz in Genf zur Opposition übergelaufen war. Der Erste Sekretär Danny al-Baaj, der Syrien beim UNO-Menschenrechtsrat vertreten hatte, bestätigte am Montag entsprechende Angaben der Schweizer Tageszeitung "Le Temps". Er hoffe, dass der Menschenrechtsrat weitere Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte in Syrien ergreife.




Schlagwörter

Aleppo, Syrien

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Dokument erstellt am 2012-08-13 11:48:24
Letzte Änderung am 2012-08-13 19:44:23


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