Hanoi/Wien. Plötzlich beantwortet Kim Jong-un tatsächlich eine Reporterfrage. "Ich bin nicht pessimistisch", sagte er, nachdem er bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Donald Trump während des Gipfels von der "Washington Post" zu dem Treffen befragt wurde. "Im Augenblick habe ich das Gefühl, dass es gute Ergebnisse geben wird." Zum ersten Mal hatte sich damit der nordkoreanische Diktator der westlichen Presse gestellt.

Das war aber auch der einzig außergewöhnliche Moment bei der Zusammenkunft des US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Machthaber. Sonst hat der Gipfel in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi - ganz im Gegensatz zu der Ankündigung von Kim - nichts Substanzielles gebracht. Ganz im Gegenteil: Die Gespräche wurden vorzeitig abgebrochen und auch ein geplantes gemeinsames Essen der beiden Delegationen wurde abgesagt. "Manchmal muss man einfach gehen, und es war einer dieser Momente", verkündete Trump.

Keinerlei Einigung

Trump und Kim fanden keinen gemeinsamen Weg. - © reuters/Leah Millis
Trump und Kim fanden keinen gemeinsamen Weg. - © reuters/Leah Millis

Woran es sich spießte, das machte der US-Präsident bei seiner Pressekonferenz nach dem Gesprächsabbruch klar. Demnach hatte Nordkorea gefordert, die wegen seines Atom- und Raketenprogramms verhängten Sanktionen in ihrer Gesamtheit aufzuheben. "Das konnten wir nicht machen", betonte Trump.

Die USA haben wiederum verlangt, dass Nordkorea nicht nur - wie schon im Vorfeld ventiliert - den Nuklearkomplex Yongbyon, in dem Uran angereichert wird, schließt. Sondern dass Pjöngjang auch noch weitere Atomanlagen aufgibt. Dazu war wiederum Kim nicht bereit. Nicht ganz ohne Stolz verkündete Trump, dass die nordkoreanische Delegation überrascht gewesen sei, wie gut die USA über das Atomprogramm Bescheid wüssten. Nach wie vor warnen viele Experten, dass Nordkorea, das keinerlei internationale Inspektoren in sein Land lässt, weiterhin wesentlich intensiver an seinem Atomwaffenarsenal arbeitet, als die abgeschottete Diktatur offiziell einräumt.

Gleichzeitig betonte Trump, welch gutes Verhältnis er weiterhin zu dem nordkoreanischen Diktator habe. "Wie mögen uns einfach." Außerdem sei er "optimistisch", dass man in Zukunft ein "wirklich gutes Ergebnis" erzielen werde.

Wie das gelingen soll, blieb aber offen. Trump hat auch nicht verraten, wie die nächsten, konkreten Schritte aussehen sollen.

Der US-Präsident hat sich zwar mit seinem Abgang als harter und auch unkonventioneller politischer Verhandler präsentiert - und damit auch ein deutliches Zeichen in Richtung anderer Staaten gesetzt. So diskutieren die USA derzeit mit China über eine Beilegung des Handelsstreits. Ob der frühere Realtity-TV-Star damit aber Nordkorea zu Zugeständnissen bewegen kann, ist fraglich.