Und das groß angelegte Wählervertreibungsprojekt der Wahlkampfmanager könnte schließlich auch die Erwartung zerbröseln lassen, die Wahlbeteiligung könnte wieder in Richtung 80 Prozent steigen, nachdem sie 2013 bei 75 Prozent und 2008 bei 79 Prozent lag. Womöglich sinkt die Wahlbeteiligung nach den ungustiösen Vorkommnissen der letzten acht Tage nun aber ein weiteres Mal in Richtung 70 Prozent.

Kein Totalschaden
für die Demokratie

Es gibt aber auch Stimmen, die bei der Beurteilung der Affäre für das politische System für Augenmaß und kühlen Kopf plädieren. "Es ist ein Stärkezeichen für die Demokratie, dass so etwas aufgedeckt wird und den Parteien schadet, die dafür die Verantwortung tragen", findet der Politologe Anton Pelinka. "Das ist Demokratie. Der Täter wird bestraft. Was will man denn mehr haben?"

Ein Versäumnis beklagt aber auch Pelinka: "Es wird viel zu viel über die Performance der Parteien und über ,Dirty Campaigning‘ geredet." Kein Wort werde jedoch darüber verloren, was die österreichischen Parteien von den EU-Reformvorstellungen von Frankreichs Staatspräsident Macron und EU-Kommissionspräsident Juncker halten: Das ist viel zu wenig vorgekommen. Dabei ist das viel wichtiger für Österreich als eine verlogene Wahlkampagne."

Pelinkas Gesamturteil über den Wahlkampf fällt entsprechend harsch aus: Beschämend und provinziell sei er gewesen, der Wahlkampf. Und das Schlimmste: Er ist noch immer nicht vorbei.