"Wiener Zeitung": In den Spitälern kommt es zu langen Wartezeiten bei Operationen, Ambulanzen gehen über, die Ärzte gehen auf die Straße. Steckt das Gesundheitswesen in seiner größten Krise?

Peter McDonald: Ich verwehre mich gegen die Behauptung, das Gesundheitswesen müsse gerettet werden. Das wird bewusst hochgespielt. Die Ärztekammer führt Verhandlungen und verunsichert die Menschen mit Szenarien, die nicht der Realität entsprechen.

Aber die Verunsicherung rührt auch daher, dass Jungärzte ins Ausland gehen und die Ärzte, die hier sind, demonstrieren.

In diesem Land braucht sich niemand Sorgen machen, medizinisch nicht entsprechend versorgt zu werden. Alle Österreicher sind sozial abgesichert - nicht selbstverständlich im Vergleich mit anderen EU-Ländern. Linz hat die höchste Spitalsdichte Europas, Österreich die höchste Ärztedichte weltweit.

Nun soll die Leistung der Spitäler auf Hausärzte ausgelagert werden. Diese wollen dafür aber mehr Geld.

Hinter der Forderung nach mehr Geld stecken vorrangig standes- und keine gesundheitspolitischen Motive. Die Entlastung der Spitäler ist ja genau die Idee hinter der laufenden Gesundheitsreform. Die Länder und die Sozialversicherung müssen die Spitalsentlastung gemeinsam finanzieren und das, was wir uns vorgenommen haben, umsetzen.

Sie haben es mit Ihrem Anreiz-Modell für Selbständige - gesünder leben, weniger Selbstbehalt zahlen - ins neue ÖVP-Programm geschafft. Dort werden Selbstbehalte für alle angeregt. Was sagen Sie dazu?

Ich finde es gut, dass eine Regierungspartei den Grundsatz der Selbstverantwortung und der Eigenvorsorge aufgenommen hat. In der Sozialversicherung der Selbstständigen sind Einkommensschwache und chronisch Kranke ohnehin vom Selbstbehalt befreit. Ich habe eingeführt, dass kein Selbständiger mehr als fünf Prozent seines Einkommens für Selbstbehalte ausgibt und belohnt wird, wenn man mit dem Arzt gemeinsam auf seine Gesundheit schaut, unabhängig davon, ob man gesund oder krank ist. Dieses Modell haben bereits über 50.000 Selbständige erfolgreich absolviert. Im Programmprozess der ÖVP wird diskutiert, ob dieses Modell für sie mehrheitsfähig ist. Von der SPÖ-Seite wird Ablehnung signalisiert. Daraus lässt sich ableiten, dass es sich um ein mittel- und nicht um einen kurzfristigen Ansatz handelt.