Der Psychiater Laurent Mottron bemängelt, dass die Intelligenz von Autisten in der Regel nicht korrekt gemessen wird. Grund dafür sei ein auf Sprache zugeschnittener IQ-Test.

Man weiß, dass viele verwendete Tests nicht wirklich abbilden, welche Potentiale in den Kindern stecken und wie die Leistungsfähigkeit im Allgemeinen ist. In jedem Test hat man sprachliche und eher logisch, nicht-sprachliche Aufgaben. Das Problem, das ich immer wieder erlebt habe: Wie kann man dem autistischen Kind die Testaufgaben sprachlich so erklären, dass es den Test auch lösen kann. Das ist die Schwierigkeit. Man kommt mittlerweile auch davon ab und schaut, was ein Kind schafft, was es erreicht.

Es wird verlangt, dass Autisten von Nicht-Autisten lernen. Aber können nicht auch Nicht-Autisten von Autisten lernen?

Autisten sind respektvoller als wir, weil sie weniger pauschalieren. Und sie sind absolut ehrlich, bis hin, dass sie sich mitunter selbst damit schaden. Und sie sind sehr treue Menschen, haben ein gutes Gedächtnis und sind nicht oberflächlich. Autistische Kerne und Verhaltensweisen sind etwas Kostbares. Aber das Ausmaß ist wichtig und das Wissen darüber, was Autismus ist und wie damit zu leben ist.