Neun Sozialdemokraten wurden unter Missachtung aller Regeln des Rechtsstaates "standrechtlich" hingerichtet, sozialdemokratische Spitzenfunktionäre wie Otto Bauer und Julius Deutsch flüchteten in die demokratische Tschechoslowakei, andere (rund 2000) folgten ihnen, mehr als 10.000 Personen wurden verhaftet, 1202 von ihnen zu insgesamt 1410 Jahren Haft verurteilt.

Bereits wenige Monate später, nach der endgültigen Liquidierung der Sozialdemokratie – trotz des Weiterbestehens einer illegalen Bewegung, der "Revolutionären Sozialisten" –, sollte der zweite, bisher eher umworbene Gegner, die NSDAP, einen wirklichen Putschversuch unternehmen. Die "Justiz", die bisher auf dem rechten Auge blind zu sein schien, hatte auch das erste Todesurteil nach den Februar-Ereignissen gegen einen illegalen sozialistischen Jugendlichen, Josef Gerl, verhängt, der an einem Sprengstoffattentat gegen einen Pfosten der Donauuferbahn beteiligt gewesen war, und Sprengstoffattentate standen unter Todesstrafe. Gewalttaten von Nationalsozialisten – auch wenn sie zum Tode anderer Menschen führten – wurden bisher kaum "gerecht" behandelt.

Einen Tag nach Gerls Hinrichtung zeigten sich die wahren "Putschisten". Mitglieder der illegalen SS-Standarte 89 hatten einander in der Bundesturnhalle in der Wiener Siebensterngasse getroffen, um von dort aus das Bundeskanzleramt zu besetzen, ebenso wie den Rundfunksender, das Ravag-Gebäude in der Johannesgasse. Obwohl das Vorhaben gelang und Dollfuß schwer verwundet drei Stunden später seinen Verletzungen erlag, war der Putsch nicht erfolgreich, da sich die Exekutive und das Bundesheer zu jenem Zeitpunkt nicht auf die Seite der österreichischen Nationalsozialisten stellten. 107 Tote auf Regierungsseite und 153 getötete bzw. hingerichtete Putschisten sowie neun unbeteiligte Opfer blieben die traurige Bilanz dieses erfolglosen Staatsstreichs.

Trotz dieser Bluttat an der Symbolfigur der Kanzlerdiktatur, Engelbert Dollfuß, behielt die Regierung die Staatsgewalt, aber es wurde immer deutlicher, dass sich die Republik Österreich vom demokratischen Ausland isoliert hatte. An Stelle zahlreicher Belege kritischer Stimmen demokratischer Regierungen in England, Frankreich, der Tschechoslowakei etc. soll hier ein Brief eines einflussreichen außenpolitischen Redakteurs, Hamilton F. Armstrong, vom 15. Februar 1934 an den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zitiert werden. Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten – trotz inneramerikanischer undemokratischer Erscheinungen – eine entwicklungsfähige Tradition auszuweisen: "Das, was in Österreich passiert ist, ist tragisch. Die Sozialdemokratie Österreichs, die als einzige Partei der republikanischen Idee verpflichtet war, wurde ausgelöscht: Hunderte Menschen, deren einziger Fehler es war, an das zu glauben, an das die meisten Amerikaner glauben, wurden getötet. Ich fürchte, Dollfuß hat Österreich getötet. Um der Heimwehr und ihren italienischen Unterstützern zu gefallen, hat er die Sozialdemokratie zur selben Zeit wie die Nazis bekämpft. […] die Nazis werden die zerstörten Teile seiner Herrschaft erben." Der US-Experte sollte 1938 recht behalten.