Im jüngsten US-Wahlkampf wussten die Menschen nicht, ob ein Mensch oder ein Bot um ihre Stimmen wirbt.

Vollkommen richtig, allerdings funktionieren Bots oder Spracherkennungssysteme wie Alexa oder Siri nur für beschränkte Aufgaben. Spätestens wenn man diese Grenze überschreitet, merkt man, dass etwas nicht stimmt. Ein wesentlicher Aspekt der menschlichen Intelligenz, die Vorstellungskraft, konnte in Maschinen nämlich bisher noch nicht abgebildet werden. Ein zweiter Aspekt ist die Empathie - die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.

Fantasievolle, mitfühlende Maschinen bleiben vorerst Science Fiction?

Es erscheint mir zwar wenig plausibel, dass diese Leistungen auf biologische Objekte beschränkt sein sollen. Aber derzeit ist es ein bisschen, als würde man in die nächste Galaxie fliegen wollen, obwohl die technischen Lösungen dafür fehlen. Noch gibt es keine Handhabe, diese Fähigkeiten in Computer zu bringen. Ein Ansatz sind Algorithmen. Doch wie soll ein Algorithmus für Fantasie aussehen? Ein zweiter ist, neuronale Netze anhand von riesigen Bilder- und Datenmengen darauf zu trainieren, Dinge zu erkennen. Hier ist nicht klar, wie sich durch schieres Training eine Vorstellungskraft entwickeln kann. Wir bräuchten komplett neue Lösungen.

Warum also der Hype um Künstliche Intelligenz, neuronale Netze und Maschinelles Lernen?

Es waren noch nie so viele Daten verfügbar, aus denen diese Systeme lernen. Früher hatte niemand eine Million Fotos, um sie zu trainieren. Heute ermöglicht verbesserte Hardware die Parallelverarbeitung immenser Internet-Datenmengen. Für Spiele, die ein Computer millionenfach gegen sich selbst spielen kann, ist dieser Ansatz sehr gut geeignet. Aber generell sind die Techniken nicht so spannend: Sie reichen nicht, um eine Intelligenz, die an die Leistungen des Gehirns heranreicht, zu implementieren.

Wie funktioniert Intelligenz im Gehirn?

Das ist etwas schwieriger zu beantworten. Bekannt, wenn auch nicht mehr in dieser klaren Trennung aktuell, ist die Idee, dass die beiden Gehirnhälften für verschiedene Intelligenzleistungen "zuständig" sind. Während die linke Gehirnhälfte etwa Grammatik, Rechnen, Logik oder Zeitempfinden abdeckt, sind Aspekte wie Kreativität, ganzheitliche Bilderkennung oder Raumempfinden in der rechten Gehirnhälfte lokalisiert. Die menschliche Intelligenz scheint sich insbesondere durch das Wechselspiel zwischen den Gehirnhälften auszuzeichnen. Einige Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Methoden der KI und den Gehirnhälften. Ihre Kombination ist eine der großen Herausforderungen, nicht zuletzt um das Verhalten von selbstlernenden Maschinen zu erklären.