Da reden wir von zwei verschiedenen Dingen: Sie reden von assistiertem Suizid, den immer mehr Ethiker und NGOs unter bestimmten Umständen freigeben wollen. Ich meine die Tötung auf Verlangen, wie sie zum Beispiel in Belgien und den Niederlanden erlaubt ist.

Wir brauchen einen solchen Passus nicht in der Verfassung. Prinzipiell tötet kein Arzt, es soll sowieso nicht getötet werden, das braucht man nicht in die Verfassung schreiben. Von mir aus soll uns der Gesetzgeber ein paar Rahmenbedingungen vorgeben, aber der assistierte Suizid sollte eine individuelle Freiheit zwischen Patient und Arzt sein. Ich finde das Schweizer Modell prinzipiell nicht abstoßend.

Sie würden Vereine wie Exit erlauben?

Nein, ich finde es sehr bedauerlich, dass es solche Vereine geben muss. Das ist eine Sache zwischen Arzt und Patient. Man sollte nicht versuchen, den Einzelfall zu reglementieren. Was ist eigentlich so schlecht am Status quo?

Angehörige und Ärzte stehen mit dem halben Fuß im Kriminal.

Auch wenn mir bewusst ist, dass das zu plakativ ist, aber es ist nicht notwendig, einen Menschen zu töten, es genügt, ihn schmerzfrei zu halten. Im Zweifel bin ich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Sterben von verantwortungsvollen Ärzten.

Thema der parlamentarischen Enquete-Kommission ist das Sterben in Würde . . .

. . . es gibt noch nicht einmal das Recht auf ein Leben in Würde. Warum dann unbedingt beim Sterben anfangen? Wir sollen erst einmal schauen, dass die Menschen würdige Arbeitsplätze haben. Aber Würde ist etwas Individuelles: Jeder ehrliche, selbstreflektierte Mensch wird in seiner Umgebung Würde generieren.

Zur Person

Günther
Loewit

Der gebürtige Innsbrucker (Jg. 1958) lebt und arbeitet als Stadtarzt in Marchegg (NÖ). Er schrieb bereits einige Romane, 2012 wurde sein Sachbuch "Wie viel Medizin überlebt der Mensch?" zum Bestseller. Dieser Tage erscheint "Sterben. Zwischen Würde und Geschäft" (Haymon Verlag, 328 Seiten, 12,95 Euro).