Ein rühmliches historisches Beispiel für staatliche Defizite

Beschäftigung, Produktion und der allgemeine Lebensstandard könnten durch staatliche Mehrausgaben einfach und effizient erhöht werden. Die Geschichte, die Herr Ortner bemüht, widersetzt sich seinem einseitigen Studium. Ein rühmliches historisches Beispiel für staatliche Defizite ist der "New Deal" von Präsident Franklin D. Roosevelt, der die Arbeitslosigkeit in den USA in der Weltwirtschaftskrise von 24,9 Prozent (1933) auf 14,3 Prozent (1937) zurückführte. Mit zentralbankfinanzierter Nachfrage wurde Anfang der 1940er nach dem Kriegseintritt in kürzester Zeit Vollbeschäftigung erreicht.

In der Nachkriegszeit wiederum wurden in einigen Ländern Formen der monetären Finanzierung von Staatsdefiziten praktiziert (Kanada, USA bis zum Jahr 1951, Frankreich) - eine Hyperinflation ließ sich dort aber nicht einmal im Ansatz blicken. Als die Europäische Zentralbank ihre indirekte Staatsfinanzierung im Jahr 2015 aufnahm, warnten deutsche Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten vor dem Untergang des Abendlandes durch die kommende Hyperinflation. Passiert ist allerdings nichts dergleichen. Im Gegenteil: Die Preissteigerungen in der Eurozone siechen weiterhin unter der angestrebten Zielmarke der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent jährlich dahin.

Das Verständnis der MMT ist vergleichbar mit der Entdeckung einer neuen Technologie. Die Beherrschung des Feuers, die Erforschung eines neuen Wirkstoffes eines Medikaments und das Wissen um die Spaltung von Atomkernen kann von Menschen missbräuchlich verwendet werden - manchmal mit katastrophalen Folgen. Aber es kann natürlich auch eingesetzt werden, um den Wohlstand zu mehren und gar ein neues Zeitalter unserer Zivilisation mit einem besseren, gesünderen Leben mit weniger sozialen und politischen Konflikten einzuleiten.

Kolossales Versagen
der Austeritätspolitik

Herr Ortner würde gut daran tun, sich mit der Forschung und den Argumenten der von ihm so bezeichneten "MMT-Gurus" wirklich zu beschäftigen, statt sie in seinem typisch brachialverbalen Stil zu verunglimpfen. Dann könnten wir sinnvoll darüber diskutieren, was wir dagegen tun können, dass Österreich mit jedem abgeschlossenen Konjunkturzyklus seit den 1980er Jahren eine höhere Arbeitslosenrate aufweist und dass nach einem kolossalen Versagen der Austeritätspolitik Millionen arbeitslose Menschen in der Eurozone verzweifelt und in Armut geraten sind. Die MMT kann einen funktionierenden Ausweg bieten. Man muss die MMT nicht mögen, aber die Debatte darüber vernünftig zu eröffnen, ist dringend notwendig.

Replik auf den Gastkommentar "Der Todeskult" von Christian Ortner in der "Wiener Zeitung" vom 29. März 2019

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