Seit längerer Zeit demonstrieren weltweit Jugendliche für den Klimaschutz. Manche fragen sich: Ist das ein Aufstand von Schulschwänzern? Wie viel Aufmüpfigkeit steckt hinter den Protesten, wenn diese sogar von Politikern goutiert werden? Man sollte dabei bedenken: Würden die Schülerproteste sonntags stattfinden, bekämen sie kaum Beachtung und verkämen zu bunten Spaziergängen.

Doch ein Protest an einem Schultag verleiht dem Ganzen eine gewisse Brisanz. Es geht natürlich um den Klimawandel, aber im Stillen verbirgt sich dahinter auch eine kleine Botschaft an die Bildungspolitik: Welche Bildung verpassen wir, wenn wir dagegen kämpfen, dass unsere Luft verpestet und unsere natürliche Lebensgrundlagen kaputtgemacht werden? Dass man der Umwelt zuliebe schlechtere Zensuren in Kauf nimmt, verleiht dem Ganzen eine pikante Note.

Der Glaube, dass die Generation nach uns die Erde so übernehmen wird, wie sie von uns geliehen wurde, ist fragil geworden. Mehr noch: Er ist gar nicht mehr vorhanden. Angesichts einer gefühlskalten Welt heute wird es uns in der Zukunft sicher nicht besser gehen. Das Wachstum hat ein Ende, die Ressourcen wachsen auch nicht in den Himmel. Platzt die Generationenblase?

Jetzt ist die Politik gefordert. Sie darf nicht die Jugend von heute überhören und ihrer Stimme kein Gewicht verleihen. Wir alle täten gut daran, die Veränderung zu wollen und nicht auf übermorgen zu verschieben. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass es schon drei nach zwölf ist. Zu lange haben wir geschlafen, und zu lange ist alles gut gegangen.

Der Protest der Jugend ist ernst zu nehmen. Ein klein wenig Kritik am System hat noch nie geschadet. Selbst US-Präsident Donald Trump konnte sich nicht die Welt aussuchen, in die er hineingeboren wurde. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Wenn wir alle zusammenhalten, kann die Kälte verschwinden, die wir dem Anderen gegenüber zeigen. Wenn wir alle gemeinsam an einem Werteklimawandel arbeiten, dann können wir auch schwierige Fragen wie den Klimawandel angehen.

Seit der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro vor mehr als einem Vierteljahrhundert hat sich im Grunde genommen nichts getan. Die Emissionen sind rapide in die Höhe geschnellt. Die Politik, vom Schreiber dieses Kommentars auch gerne salopp als "Geschäft der etablierten Erwachsenen" bezeichnet, hat versagt. Jetzt müssen wohl die jungen Generationen ran. Sie müssen die Welt, die sie von den vorangegangenen übernehmen sollen, retten. Steigende Meeresspiegel hin, Hitzerekorde her. Es muss etwas getan werden.

Wenn wir aber Klimaprotokolle ignorieren und weiterhin die Umwelt zerstören, verbauen wir die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. Und das wäre im Hinblick auf die kritische Lage alles andere als förderlich. Ein solcher Vertrauensbruch ist nicht mehr gutzumachen, und die Zuversicht auf eine bessere Zukunft erleidet Schiffbruch. Denn unsere Zukunft - und das sind eben die uns nachfolgenden Generationen - wird mit den immer stärker spürbaren Folgen der Erderwärmung leben müssen.

Andreas Raffeiner befindet sich im Doktoratstudium Geschichte an der Universität Innsbruck und lebt als freiberuflicher Redakteur, Rezensent und Referent in Bozen.