Um selbstbestimmt leben zu können, auf einem gesunden Planeten, eingebettet in eine Kultur, die das Miteinander fördert und individuelle Kreativität sowie Leistung möglich macht, ist gerade in Zeiten der Digitalisierung eine bewusste Bildung neuer Gewohnheiten gefordert. Nicht umsonst liest man allerorts, dass "der Mensch im Zentrum" sein müsse - und mit dieser Aussage schwingt nicht selten eine gewisse Angst mit. Von dieser Angst liest man schon in E. M. Forsters im November 1909 in der "Oxford and Cambridge Review" erschienenen Aufsatz "The Machine Stops". Er schreibt von einer durch "die Maschine" gesteuerten Menschheit, die in isolierten Zellen unter der Erde leben und nur mit Passierschein auf die Erdoberfläche dürfen.

Angst ist ein
schlechter Ratgeber

In den Sorgennarrativen von heute hört man etwa vom gläsernen Menschen, es werden Szenarien entwickelt, die es uns ermöglichen wollen, auf den Mars zu entfliehen, und es wird von Fehlentscheidungen der Künstlichen Intelligenz berichtet. Angst ist ein schlechter Ratgeber, darum eine kleine Anekdote dazu: Angeblich wurde ein Algorithmus entwickelt, der Millionen von E-Mails analysierte - wahrscheinlich um automatische, jedoch persönlich wirkende Antworten zu verfassen -, und immer, wenn der Algorithmus von einem E-Mail verwirrt war, antwortete er mit: "Ich liebe Dich." Dies schien die passende Aussage zu sein, wenn ein Mensch nicht mehr weiterwusste, und weist darauf hin, dass es eigenständig denkende Menschen braucht, um Technologie sinnvoll anzuwenden.

Als Biologie- und Mathematiklehrerin, als Managerin und Mutter gehe ich noch einen Schritt weiter: Nicht der Mensch, sondern unser Ökosystem namens Erde steht im Zentrum - und mit jeder noch so alltäglichen Entscheidung setzen wir einen Impuls. Das kann die Entscheidung gegen ein Plastiksackerl sein, die Entscheidung für einen Handykorb, in dem das Smartphone während des Mittagessens Pause macht, die Entscheidung für eine App, die beim Waldspaziergang die Himmelsrichtung zeigt oder Schritte zählen hilft, oder die Wahl der kurzfristig höheren, aber nachhaltigeren Investition in digitalisierte Produktionsprozesse.

Reflektieren und kommunizieren

Es könnte auch die Entscheidung sein, in einer "Smart City" das Leben und das Miteinander-Lernen so zu gestalten, dass die Kinder mithilfe von Technologie und einem Masterplan viel näher an - nein, mitten in - der "echten" Welt wären und Schule das wird, was sie wortursprünglich bedeutet: ein Ort zum Innehalten, um das Erlebte zu reflektieren. In so einer "Smart City" würde das Forschungsergebnis, das die positive Wirkung von Interaktionen mit Kindern auf demente Personen belegt, sofort zu Kooperationen zwischen Pflegeheimen, Kindergärten und Schulen führen, und es stünde Architektur zur Verfügung, die echte Begegnung ermöglicht.

In diesen Zeiten der schnellen Entwicklungen, in Zeiten der Informationsflut und der exzessiven Kommunikation ist es auf persönlicher Ebene ganz besonders wichtig, zu reflektieren und zu kommunizieren. Für die Reflexionsfähigkeit sind körperliche Gesundheit und Innehalten wichtig, für die Kommunikationsfähigkeit braucht man Grundlagenwissen und Empathie. Die Digitalisierung kann uns in all diesen Bereichen unterstützen und zwingt uns gleichzeitig, eine gute Balance zwischen dem was möglich ist und dem was nötig ist zu finden - damit auf gesellschaftlicher und globaler Ebene in jedem der vielen Teilbereiche die richtigen Entscheidungen fallen können, Kollateralschäden möglichst abgewendet sowie Kollateralnutzen erkannt und dienstbar gemacht werden können.