Psychische Störungen bei bis
zu 25 Prozent der Bevölkerung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass in Gebieten, die von einem Krieg betroffen waren, bis zu 25 Prozent der Bevölkerung an moderaten bis schweren psychischen Störungen als direkte oder indirekte Folge des Konflikts leiden. Betroffen sind aber nicht nur Menschen in Krisenregionen. Weltweit sterben jedes Jahr geschätzte 800.000 Menschen durch Suizid - das ist alle 40 Sekunden ein Menschenleben. Zum Vergleich: Die globale Sterberate bei Malaria konnte auf 450.000 pro Jahr gesenkt werden.

Die psychische Gesundheit muss viel ernster genommen werden. Unser psychisches Immunsystem hat wie unser körperliches Immunsystem Grenzen. Bei zu großen Belastungen werden wir krank. Und auch psychische Erkrankungen können tödlich enden. Prävention und ein einfacher Zugang zu adäquater Behandlung psychischer Störungen müssen nicht nur in Österreich, sondern weltweit Priorität bekommen. Wir von Ärzte ohne Grenzen versuchen auch in den entlegensten, von Konflikten oder Naturkatastrophen schwer betroffenen Gebieten nicht nur medizinische, sondern auch psychologische (Not-)Hilfe zu leisten. In Mossul konnten wir seit Beginn des Projekts im Juli 2018 insgesamt 1440 Menschen mit 4563 Konsultationen helfen.

Ich werde Hanin heute wiedersehen. Nachdem sie nach der Krisenintervention stabilisiert war, konnten wir zusammen mit dem Psychiater vorsichtig mit Antidepressiva beginnen. Zudem sehen wir sie zweimal pro Woche zur psychologischen Behandlung. Sie möchte irgendwann einen Kosmetiksalon eröffnen. Das wird wohl noch ein bisschen dauern. Ihr Schmerz ist etwas abgeschwächt, wenn auch immer noch da. Ihre Suizidgedanken kommen immer seltener. Sie träumt von der Zukunft. Lange Zeit war ihr das nicht möglich.