Li Ning, eine der beiden größten chinesischen Sportbekleidungsmarken, machte im ersten Halbjahr 2019 um ein Drittel mehr Umsatz. - © afp/Teh Eng Koon
Li Ning, eine der beiden größten chinesischen Sportbekleidungsmarken, machte im ersten Halbjahr 2019 um ein Drittel mehr Umsatz. - © afp/Teh Eng Koon

Chinas Wirtschaft steht nicht zuletzt aufgrund des andauernden Handelsstreits mit den USA zunehmend unter Druck und gerät an die Grenzen ihres Wachstums. Eine der wichtigsten Stützen der chinesischen Wirtschaftsdynamik sind die Konsumausgaben der Verbraucher. Entsprechend notwendig erscheint ein beschleunigter Reformkurs der Regierung hin zu einem binnenmarkt- und konsumorientierten Wirtschaftsmodell. Der Nutzen für heimische, bereits schnell wachsende Unternehmen sollte erheblich sein.

"Der chinesische Verbraucher ist das Wichtigste in der Weltwirtschaft", sagte zu Jahresbeginn Jim O’Neill, ehemaliger Chefvolkswirt bei Goldman Sachs und Präger des Begriffs "BRIC" (für die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China). Diese Aussage verdeutlicht, welche zentrale Rolle die chinesische Kaufkraft auf globaler Ebene spielt.

Die am schnellsten wachsende Region beim Vertrieb

Amélie Thévenet ist Fondsmanagerin im Emerging-Markets-Team bei Jupiter Asset Management. - © Jupiter AM
Amélie Thévenet ist Fondsmanagerin im Emerging-Markets-Team bei Jupiter Asset Management. - © Jupiter AM

Für viele internationale Unternehmen stammt der Großteil des Umsatzwachstums aus ihren chinesischen beziehungsweise asiatischen Geschäftsbereichen. Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont erwirtschaftet bereits 22 Prozent des weltweiten Umsatzes allein in China und Hongkong. Der Rest Asiens macht weitere 16 Prozent aus. Asien ist auch die am schnellsten wachsende Region, was den Vertrieb anbelangt. Ebenso zählt die Region Großchina mit Abstand zum am rasantesten wachsenden Markt des Sportartikelherstellers Nike und weist dabei ein dreimal so hohes Wachstum auf wie der Kernmarkt Nordamerika. Insgesamt macht die Region 16 Prozent des weltweiten Umsatzes von Nike aus. Das Wachstumsniveau dieser internationalen Unternehmen wird jedoch durch die starke Abhängigkeit von ihren etablierten Traditionsmärkten im Westen gebremst.

Vor Ort beheimatete, chinesische Unternehmen haben hingegen den entscheidenden Vorteil, dass sie lokale Kundenbedürfnisse einfacher bedienen können. Trotz des Handelskonflikts mit den USA sollte ein so starker Binnenmarkt zudem das mittelfristige Wachstum dieser Unternehmen nicht beeinträchtigen. Im Bereich Sportbekleidung haben etwa Anta und Li Ning, die beiden größten heimischen Marken, ihren konsolidierten Umsatz im ersten Halbjahr 2019 um 35 Prozent beziehungsweise 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Der Handelskrieg, der bei vielen Unternehmen für Gegenwind sorgt, kann diesen Unternehmen tatsächlich zugutekommen, da chinesische Verbraucher aus patriotischen Gründen zunehmend heimische Waren bevorzugen und darin auch von der chinesischen Regierung bestärkt werden.