Abgeschwächtes Wachstum bei privaten Konsumausgaben

Das ist jedoch nur ein Teil der Geschichte. Während sich das chinesische Wirtschaftswachstum weiter abschwächt, verlangsamt sich gleichzeitig das Wachstums der Haushaltsausgaben - wenn auch weniger stark als in anderen Wirtschaftszweigen wie der Industrie und bei den Exporten, die stärker vom Handelskrieg betroffen sind. Die Pro-Kopf-Ausgaben des chinesischen Haushalts haben sich in den vergangenen zehn Jahren zwar mehr als verdoppelt, aber das Wachstumstempo hat sich verlangsamt.

Chinas Regierung scheint zu erkennen, dass ein Wandel hin zu einem binnenmarkt- und konsumorientierten Wirtschaftsmodell nötig ist. In dieser Hinsicht wurden schon Fortschritte erzielt, und der Handelskrieg könnte den Plan sogar beschleunigen. Denn es ist leichter, den Binnenkonsum zu fördern, als andere Maßnahmen zu ergreifen, die stärker von den internationalen Märkten und dem grenzüberschreitenden Handel abhängig sind.

Der Spielraum, Ausgaben und Konsum zu erhöhen, ist beträchtlich. Ähnlich wie in vielen anderen asiatischen und nahöstlichen Ländern ist die chinesische Sparquote mit 45,7 Prozent relativ hoch. Der Trend ist jedoch rückläufig, denn Chinas Sparquote lag 2010 noch bei 51,5 Prozent. Ein beschleunigter Rückgang könnte angesichts der Größe des chinesischen Binnenmarktes drastische Folgen haben. Es mag zwar unrealistisch erscheinen, westliche Sparquotenniveaus erreichen zu können, doch wenn China es schafft, sich zukünftig dem 27-Prozent-Niveau des Nachbarn Japan anzunähern, dürften die Auswirkungen erheblich sein.

Höhere Konsumausgaben der chinesischen Verbraucher würden sich auf viele Marktbereiche auswirken und es aktiven Investoren ermöglichen, die attraktivsten Investmentbereiche ausfindig zu machen, in denen das positive Wandlungspotenzial bisher noch unterschätzt wurde. Derzeit gibt es einige starke Trends im Konsumbereich, allen voran in Sport und Bildung. Chinesische Verbraucher werden zunehmend gesundheitsbewusster, was sich unter anderem darin zeigt, dass sie mehr Geld für Sportartikel und Nahrungsergänzungsmittel ausgeben.

Sport, Bildung und Reisen:
Sektoren mit Potenzial

Darüber hinaus ändern sich die Ansprüche der chinesischen Verbraucher. Die jüngere Generation legt mehr Wert auf individuelle Reise- und Unterhaltungsangebote statt auf ausländische Luxusgüter. Während sich einige Trends erst entwickeln, bleiben andere weiterhin stark, wie Ausgaben für Bildungsangebote für Kinder. Denn Bildung ist ein Bereich, für den Eltern viel Geld ausgeben und der vom wirtschaftlichen Abschwung kaum betroffen ist - insbesondere im Nachhilfeunterricht zeigt sich ein stabiler Trend.

Chinas Konsumgüterunternehmen sind gut positioniert, um den bestehenden Bedarf zu decken. Jedoch ist es wichtig, Unternehmen selektiv auszuwählen. Bei Lebensmitteln, Getränken und Kosmetik neigen chinesische Verbraucher beispielsweise dazu, ausländische Marken zu bevorzugen, da das Markenvertrauen hier nach wie vor höher ist. Die Nachfrage nach ausländischen Waren bleibt trotz der Auswirkungen des Handelskrieges mit den USA beständig. Aufgrund von Sicherheits- und Hygienerisiken in der Vergangenheit vertrauen chinesische Verbraucher etwa beim Kauf von Babynahrung immer noch mehr den ausländischen Marken. Je länger der Handelskonflikt andauert und je weiter er eskaliert, desto wahrscheinlicher wird es jedoch, dass Verbraucher auf chinesische Marken umsteigen. Chinas Konsumenten üben weiterhin Macht über die globalen Konsumtrends aus.