Heinz Kienzl war Generaldirektor der Nationalbank. Er ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. - © Alexander Wulz
Heinz Kienzl war Generaldirektor der Nationalbank. Er ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. - © Alexander Wulz

Vor einiger Zeit hörte ich, dass Klimaschutzaktivisten uns auffordern, den Fleischkonsum einzuschränken, um die brasilianischen Brandstifter zu bestrafen, die den CO2-schluckenden Urwald durch Brandrodung vernichten. Die Umweltaktivisten haben schon gegen den Handelsvertrag mit Kanada demonstriert und müssen daher wissen, dass mit einem Handelsvertrag, hinter dem die ganze EU steht, wohl mehr erreicht werden kann als durch reine Rindfleisch-Askese. Vor allem die recht einflussreiche europäische Agrarlobby wird schon dafür sorgen, dass der österreichischen Landwirtschaft kein Schaden daraus erwächst.

Die Diskussion über die Brandrodungen in Brasilien sollten den Österreichern bewusst gemacht haben, welch wichtiger CO2-Speicher Bäume sind, und eine Forschungsarbeit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich weist einen Weg, wie man vom Bremspedal auf den Rückwärtsgang schalten kann, also CO2 aus der Atmosphäre in Kohlenwasserstoff umwandeln, zum Beispiel in Holz. Zwei Drittel des CO2 könnten der Schweizer Studie zufolge durch das Anpflanzen von Bäumen gebunden werden.

Die Stadt Wien hat schon einen Weg gewiesen: Durch Baumpflanzungen in einer Großstadt kann zwar nur das Kleinklima verbessert werden, aber der Weg zu Größerem ist damit vorgezeichnet. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn andere europäische Städte diesem Beispiel folgen würden. Die neue Initiative, 8 Millionen Euro zum Pflanzen von Bäumen bereitzustellen, findet, wie eine Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft gezeigt hat, bei 83 Prozent der Wienerinnen und Wiener Zustimmung.

Beachtet werden sollte auch, dass die Stadt Wien im Jahr 2015 einen Strategieplan zu den "Urban Heat- Islands" veröffentlicht hat, eine profunde Analyse des Wiener Klimas mit Prognosen zur Zukunft. Das umfangreiche Konzept wurde von den Fachabteilungen des Magistrats und wissenschaftlichen Expertinnen und Experten erarbeitet und ist beim Magistrat herunterzuladen.

Um Staaten, die im subarktischen Klima in der nach Norden wandernden Waldgrenze zusätzliche Bäume anpflanzen könnten, für den Vorschlag der Schweizer Wissenschafter zu gewinnen - und das sind immerhin die USA mit Alaska, Kanada, Russland mit Sibirien und auch China, das auch schon mit den Anpflanzungen begonnen hat -, bedarf es mehr als der Unterstützung Österreichs. Dazu bedarf es der Unterstützung durch die Europäischen Union.

Eines sollte nicht vergessen werden: Am Ende solcher Bemühungen wäre ein wertvoller Rohstoff, nämlich Holz, zusätzlich gewonnen.