Viele Anbieter, aber kaum Transparenz bei der Qualität

Durch das starke Branchenwachstum ist es aber nicht leicht, passende Kandidaten aus dem stetig wachsenden Pool auszuwählen, der hierzulande etwa 1000 bis 1500 Anbieter beinhaltet. Neben den dezidierten Interim-Managern selbst fischen allerhand weitere Anbieter, etwa auch Beratungsunternehmen oder ehemalige Geschäftsführer, in den einträglichen Gewässern. Ein transparentes Qualitätsmerkmal, das den Markt strukturieren und damit auch übersichtlicher machen würde, gibt es noch nicht.

Dennoch professionalisiert sich die Interim-Branche. Den ersten Schritt dafür bildete die Schaffung nationaler Dachverbände. Im deutschsprachigen Raum sind das die DDIM (Dachgesellschaft Deutsches Interim Management), der DSIM (Dachverband Schweizer Interim Manager) und der DÖIM (Dachorganisation Österreichisches Interim Management). Schon hier zeigt sich ein möglicher Grund, weshalb die Entwicklung in Österreich im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz verzögert ist: Die DDIM wurde bereits 2003 gegründet, der DSIM 2006 und die DÖIM erst im Dezember 2013. Auf einen allgemeingültigen Qualitätsstandard hat man sich aber noch in keinem der Länder geeinigt.

Das "Interim Executives Programme" der European Business School (EBS) im deutschen Oestrich-Winkel ist bis dato das einzige universitäre Ausbildungsangebot im deutschen Sprachraum und könnte sich in Zukunft als Standard etablieren. Studienleiter ist seit heuer der Wahl-Salzburger Siegfried Lettmann. Er ist selbst seit Jahren als Interim-Manager mit Fokus auf Transformation im Vertrieb aktiv und wurde für seine Mandate bereits mehrmals auf nationaler und internationaler Bühne ausgezeichnet. Auch er stellt fest, dass der räumliche Schwerpunkt seiner Einsätze sich verlagert. "Früher spielten sich die meisten meiner Aufträge in Deutschland ab. Das ändert sich zurzeit, ein immer größerer Teil meiner Mandate findet in Österreich statt", so Lettmann. Ende 2018 startete auch die österreichische Fachgruppe UBIT (Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT) gemeinsam mit der DÖIM einen neuen Zertifikatslehrgang.

Veränderung statt Sanierung
als Haupteinsatzgebiet

Der Ruf als "Unternehmensfeuerwehr" klingt trotz allem nur langsam ab. Obwohl inzwischen ein Großteil der Aufträge Themen wie der Marktentwicklung gilt, sehen viele die Manager auf Zeit immer noch - fälschlicherweise - als Sanierer. Das mag an den historischen Wurzeln liegen: Unter anderem, dass Interim-Management im deutschen Sprachraum zum ersten Mal so richtig zur Geltung kam, als nach dem Mauerfall westliche Manager die DDR-Betriebe von planwirtschaftlichen zu privatwirtschaftlichen Unternehmen "sanierten". Eine weitere wichtige Auftragsquelle waren Banken, die die externen Spezialisten einsetzen, um in letzter Sekunde Unternehmenskonkurse abzuwenden. Man brauchte in diesen Fällen raschen Ersatz für das fixe Management, das nicht selten als für die Krise mitverantwortlich betrachtet wurde. Restrukturierungen wurden damit zur Wiege des Interim-Managements.