Der angesehene Soziologe Erich Weede hat den Erfolg der westlichen politischen Kultur betont und in Hinblick auf drei Faktoren geprüft: die Einschränkung der Regierung, eine gewisse institutionelle Abgrenzung von Wirtschaft und Wissenschaft gegenüber der Religion und der Regierung sowie die demokratische Regierungsführung. Die letzteren zwei Faktoren schufen die Bedingungen des Wohlstands, die dazu führten, dass die Demokratie Wurzeln schlagen konnte.

21 Prozent der Weltbevölkerung, aber 5 Prozent des globalen BIP

Weede beweist jedoch, dass ein solches wirtschaftliches Wachstum, das der Demokratie vorausgeht, auch in nicht-westlichen Ländern zu beobachten ist. In Bezug auf die muslimische Welt stellt er fest, dass der islamische Raum mit Ausnahme einiger ölreicher, bevölkerungsarmer Staaten aus einem Mosaik überwiegend armer Länder besteht. Die Muslime machen zwar heute 21 Prozent der Weltbevölkerung aus, aber sie tragen weniger als 5 Prozent zum globalen BIP bei.

Die Korruption in Verbindung mit stagnierendem Wirtschaftswachstum und politischer Repression dient nur dazu, die allgemeine Bevölkerung vom Staat weiter zu entfremden. Kein Wunder, wenn 30 Prozent der Bürger in Not leben. Das bedeutet, dass ihr Haushaltseinkommen nicht die wiederkehrenden monatlichen Ausgaben deckt. Darüber hinaus war in einer Umfrage des Doha Institute aus dem Jahr 2018 ein Drittel der Befragten der Ansicht, dass Arbeitslosigkeit, Armut und Preisinflation die dringlichsten Herausforderungen darstellten. Die Jugend trägt oft die Hauptlast dieser wirtschaftlichen Katastrophe.

Der Krieg gegen den Islamismus muss auf ideologischer Ebene gewonnen werden, wenn überhaupt noch eine Hoffnung auf eine demokratische Zukunft für die islamische Welt besteht. Die Elemente dieses neuen, liberalen Islam wurden von Zaheer Kazmi, dem Autor des Buches "Islam After Liberalism", folgendermaßen umrissen: "Der liberale Islam muss zuerst einen Weg finden, um Unterschieden, Andersdenkenden, Heterosophen und Häresien Rechnung zu tragen."

Gleichzeitig gibt es mächtige Kräfte, die hartnäckig gegen einen solchen liberalen Islam arbeiten, um sich zu etablieren. Die Führung in Riad gibt nach wie vor große Summen ihrer Petro-Dollars aus, um sicherzustellen, dass sein wahhabistischer Islam weiterhin auf dem Vormarsch ist, während in Teheran die theokratische Regierungsform finanziell und durch Stellvertreter wie die Hisbollah gewaltsam gefördert wird. Darüber hinaus ist die islamische Welt derzeit mit beispiellosen Konflikten konfrontiert. Es gibt heute nicht weniger als sieben Bürgerkriege in muslimischen Majoritätsländern, bei denen die Möglichkeit eines Krieges zwischen dem Iran und Saudi-Arabien wahrscheinlicher wird und einen breiteren sunnitisch-schiitischen Konflikt zwischen islamischen Gesellschaften auslösen könnte.