In düsteren Zeiten hat es immer etwas leicht Gekünsteltes an sich, vermeintliche "Good News" von irgendwo herbeizuzerren, um die allgemeine Stimmung irgendwie aufzuhellen. Der Kundige weiß: Das ist der Zeitpunkt, wo die Kacke wirklich am Dampfen ist, if you excuse my french.

Und trotzdem ist es langsam Zeit, die apokalyptische Schau auf das ökonomische Geschehen der nächsten ein, zwei Jahre einmal ein wenig in einen historischen Kontext zu stellen, ohne damit irgendetwas zu verharmlosen oder schönzufärben. Denn wir stehen unzweifelhaft vor starken Wohlstandseinbußen für alle. Dies wird für Zehntausende das Ende ihrer bürgerlichen Existenz bedeuten, sozialen Abstieg und eine gravierende Verschlechterung ihrer Lebensverhältnisse. Das kann durchaus als Tragödie beschrieben werden. Aber, und das ist doch ein wenig Anlass zur Entspannung: Diese Krise spielt sich auf insgesamt bemerkenswert hohem Niveau ab.

Nehmen wir an, die Wirtschaft würde laut Worst-Case-Szenario heuer und nächstes Jahr um 35 Prozent einbrechen - von diesem Wert gehen nicht einmal die depressiven Pessimisten unter den Ökonomen aus. Zum Vergleich: Für das extrem von der Krise gebeutelte Italien werden derzeit minus 10 Prozent prognostiziert, für Österreich (noch) ein deutlich geringerer Wert. Ein Absturz von 35 Prozent ist also eher auszuschließen. Trotzdem, und das ist vielleicht nicht allen bewusst: Nach einem derartigen Rückgang wäre die Wirtschaftsleistung des Landes größenordnungsmäßig da, wo sie um das Jahr 2000 herum war, denn in den knapp 20 Jahren seither ist sie ungefähr um diesen Wert gewachsen.

Nun wäre das gewiss sehr schmerzhaft; unterschiedliche soziale Schichten wären unterschiedlich betroffen, es gäbe Verwerfungen aller Art. Aber, und das ist zentral: Auch ein Rückfall auf die Wirtschaftsleistung von damals wäre von einer echten Katastrophe schon ein gutes Stück entfernt. Es ist ja nicht so, dass im Jahr 2000 massenhaft Not und Elend geherrscht hätten, trotz einer um ein Drittel kleineren Wirtschaftsleistung.

Wirklich massenhaft Not und Elend herrschten bekanntlich in der Großen Depression der 1930er. Deshalb ist es auch zum Glück etwas irreführend, wenn derzeit immer wieder von "der ersten wirklich globalen Krise seit der Großen Depression nach 1929" (Zitat: Wirtschaftsnobelpreisträger Kenneth Rogoff) die Rede ist. Denn auch wenn das von den mathematischen Relationen her durchaus stimmen könnte: Damals war die Konsequenz des wirtschaftlichen Rückganges für Millionen eine Bedrohung für Leib und Leben, weil sie kein Geld mehr hatten, um sich und ihre Familien zu ernähren, was bekanntlich letztlich im Faschismus endete. Heute ist, zumindest in den europäischen Wohlfahrtsstaaten, die Konsequenz in den meisten Fällen, auf Konsum, etwa auf ein neues Auto, einen geplanten Urlaub, eine neue Küche oder dergleichen für eine gewisse Zeit verzichten zu müssen. Um Leib und Leben geht es hingegen sicher nicht.

Nicht, dass lustig wäre, was da vor uns liegt. Aber die Relationen zu wahren, kann trotzdem kein Fehler sein.