Bei der Bewältigung gesellschaftspolitischer Herausforderungen spielt - wie internationale Beispiele zeigen - das Engagement gemeinnütziger Stiftungen eine doppelte Rolle: Auf der einen Seite wird durch entsprechende Anreize zusätzliches Geld mobilisiert, das sonst nicht zur Verfügung stünde. Auf der anderen Seite ermöglichen gemeinnützige Stiftungen innovative Herangehensweisen an gesellschaftliche Herausforderungen, die der Regelbetrieb staatlicher Institutionen nicht nutzen kann. Mit dem Bundesstiftungs- und Fondsgesetzes 2015 hat auch Österreich die Potenziale gemeinnütziger Stiftungen gezielt aktiviert. Die bisherige Bilanz ist erfreulich:

Harald Mahrer ist Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. Er war unter anderem von Mai bis Dezember 2017 Wirtschaftsminister. - © Marek Knopp
Harald Mahrer ist Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. Er war unter anderem von Mai bis Dezember 2017 Wirtschaftsminister. - © Marek Knopp

Durch das Gesetz ist die Zahl der Neustiftungen gestiegen. Aktuell sind 745 gemeinnützig aktive Stiftungen im Einsatz, um Projekte im Sozialbereich, im Bereich Kunst und Kultur oder in der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe voranzutreiben. Für den Stiftungsstandort Österreich besonders wichtig: Die Abwanderung von Stiftungskapital ins Ausland ist rückläufig.

Österreichs gemeinnützige Stiftungen überzeugen nicht nur durch thematische Breite, sondern auch durch hochaktuelle Schwerpunkte: So sind gemeinnützige Stiftungen im Einsatz, um das Coronavirus zu beforschen und seine sozialen Folgen zu lindern. Gerade jetzt zum Schulstart von Interesse ist, dass gemeinnützige Stiftungen auch innovative Bildungsprojekte und Chancengerechtigkeit fördern.

Dass gemeinnützige Stiftungen in Österreich seit 2015 den Weg aus der Nische geschafft haben, zeigt sich auch an den gestifteten Summen: Bis zu 70 Millionen Euro kommen dem sozialen Sektor Jahr für Jahr zusätzlich zugute.

All das sind Zahlen und Entwicklungen, die in der von der Bundesregierung für heuer geplanten Evaluierung des Bundesstiftungs- und Fondsgesetzes 2015 einfließen werden. Das Gesetz hat sich zweifellos bewährt. Es sollte in diesem Sinn fortgeführt und weiterentwickelt werden. Laut EcoAustria könnten 35 Millionen Euro jährlich mehr für Bildungsprojekte ausgeschüttet werden, wenn auch Bildung zum spendenbegünstigten Zweck würde.

Wir dürfen es uns gerade angesichts der Corona-Krise und ihrer gesellschaftlichen Folgen nicht leisten, die monetären und innovativen Potenziale gemeinnütziger Stiftungen durch Privatpersonen und Unternehmen nicht zu nutzen. Dass gemeinnützige Stiftungen in Österreich in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro auch für die Inklusion von Menschen mit Behinderung, für Kunst und Kultur, für Umweltschutz und Bildung und eben zur Bekämpfung von Covid-19 samt Folgen bereitgestellt haben, ist ein starkes zivilgesellschaftliches Signal auch in fordernden Zeiten. Gemeinnützige Stiftungen können und wollen den Sozialstaat nicht ersetzen. Sie sind vielmehr sinnvolle Ergänzung und innovative Impulsgeber, wenn es darum geht, neue Wege zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen zu entwickeln und umzusetzen. Wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Innovationskraft sind eine Erfolgskombination, die für unsere Zukunft immer wichtiger wird.