Es ist 2021, die Pandemie ist vorbei. Motivierte Forscher und Unternehmen haben einen funktionierenden Impfstoff gefunden, die Bevölkerung ist nun immun gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Die Wirtschaft ist gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen - nicht zuletzt dank der großzügigen staatlichen Hilfen, die über den Winter ausbezahlt wurden.

Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.

Einige Unternehmen haben die Krise nicht überlebt. Nicht, weil es an Hilfe mangelte, sondern weil unsere Welt nicht mehr dieselbe ist: Die Menschen reisen weniger, Termine finden häufiger online statt, der Internethandel blüht. Viele Geschäftsmodelle passen nicht mehr in die neue Zeit. Diesen Strukturwandel gilt es zu begleiten. Auslaufende Programme müssen durch gezielte Unterstützung ersetzt werden - dort, wo sie wirklich gebraucht wird.

Die noch im Dezember 2020 beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals der Unternehmen zeigen bereits Wirkung. Ebenso das Bemühen um eine weitere Entbürokratisierung. Voller Optimismus werden wieder Firmen gegründet, weil das mit der neuen Gesellschaftsform so viel einfacher ist als früher. Auch der Mittelstand profitiert: Investoren aus dem Ausland können nun viel besser davon überzeugt werden, in Österreich zu investieren.

Forschungs- und Investitionsprämien bringen Arbeitsplätze zurück, und die steuerliche Gleichstellung vom Eigen- und Fremdkapital führt dazu, dass die Wirtschaft künftig widerstandsfähiger sein wird, weil weniger Schulden gemacht werden, wenn es sich nicht mehr lohnt, sich arm zu rechnen. Die Regierung hat sich für die kommenden Jahre vorgenommen, mehr für die Digitalisierung und das Klima zu tun. Um Emissionen zu reduzieren, wird gerade ein nationales Emissionshandelsprogramm entwickelt. Die Einnahmen daraus werden im Rahmen einer Steuerreform für die dauerhafte Senkung der Einkommen- und Kapitalsteuern verwendet, um den Standort Österreich und die Leistung aller hiesigen Arbeitnehmer wieder attraktiv zu machen.

Die vergangene Krise hat ja nun allzu deutlich gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung ist: Man nutzt die europäische Unterstützung, um Schulen großflächig mit digitalen Lernwerkzeugen auszustatten. Auch die öffentliche Verwaltung wird noch stärker auf Online umgestellt. Auch die Städte haben sich verändert: Als im März 2021 das neue Home-Office Gesetz beschlossen wurde, haben viele Unternehmen entschieden, ihre Leute mehr von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Es kommt zu weniger Staus, und Experten sehen erste Anzeichen dafür, dass die Immobilienpreise in den Großstädten langsamer steigen. Einige erhoffen sich zudem eine Wirkung auf den Gender-Gap: Durch die eingesparten Arbeitswege bleibt mehr Zeit für Familie, für beide Partner.

All das mag heute unrealistisch scheinen, ist es aber nicht. Viele der hier beschriebenen Instrumente werden gerade entwickelt oder zumindest diskutiert. Auch wenn es am Anfang dieses zweiten Lockdowns kaum vorstellbar ist: Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, mit Optimismus und durch zukunftsorientierte Reformen, wird Österreich durch diese Krise langfristig gestärkt.