Künstliche Immunität durch Corona-Impfungen erscheint vielen als die Erlösung, bis zu der es auszuharren gilt. Dabei gibt es bereits jetzt viele Immune, die eine wertvolle und wachsende Ressource darstellen. Mittlerweile belegen gute wissenschaftliche Untersuchungen, dass natürliche Immunität dank neutralisierenden Antikörpern nach Genesung existiert und wenigstens mehrere Monate anhält. Bereits Immune früh zu impfen, verschwendet Ressourcen in Form von Impfungen zulasten jener, die diese nötiger haben.

David Stadelmann ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und Fellow am Center for Research in Economics, Managemant and the Arts (CREMA), am Centre for Behavioural Economics, Society and Technology (BEST), am Institute for Research in Economic and Fiscal Issues (IREF) sowie am Ostrom Workshop (Indiana University). Er ist außerdem Mitglied des Walter-Eucken-Instituts. - © privat
David Stadelmann ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und Fellow am Center for Research in Economics, Managemant and the Arts (CREMA), am Centre for Behavioural Economics, Society and Technology (BEST), am Institute for Research in Economic and Fiscal Issues (IREF) sowie am Ostrom Workshop (Indiana University). Er ist außerdem Mitglied des Walter-Eucken-Instituts. - © privat

Natürlich Immune Freiheitsbeschränkungen wie Lockdowns auszusetzen, verschwendet weitere Ressourcen. Aus Effizienz- und Fairnessüberlegungen müssten sie bereits jetzt analog zu den bald künstlich Immunen behandelt werden. Sie müssten sofort wieder volle Freiheiten zurückbekommen. Daher sollten Menschen mit nachgewiesener Immunität - sei es aufgrund einer belegten Infektion oder eines späteren Tests auf neutralisierende Antikörper - ein Immunitätszertifikat ähnlich einem Impfausweis erhalten. Dieses sollte befristet sein und jeweils gemäß aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Gültigkeit haben.

Mit der schnell fortschreitenden Immunisierung der Bevölkerung wird es gesellschaftlich und wirtschaftlich immer teurer, die natürliche Immunität zu ignorieren. Neben den offiziell gemeldeten Genesenen gibt es eine relevante Dunkelziffer. Laut Robert-Koch-Institut liegt der Mittelwert der Dunkelziffer in verschiedenen internationalen Studien beim Faktor 10. Selbst wenn in Österreich die Dunkelziffer deutlich niedriger wäre und die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen bis zum Ende des harten Lockdowns auf wenige hundert sänke, gäbe es dann schon mehr als 800.000 Immune.

Von der Einsatzfähigkeit immunitätszertifizierter Personen profitieren alle: direkt durch ihre Arbeitsleistung, indirekt über die ganz normale Besteuerung von Einkommen und Konsum sowie dadurch, dass sie das Virus nicht weiter übertragen. Die natürliche Immunität aufgrund nachgewiesener Antikörper scheint sogar ähnlich verlässlich wie eine künstliche mittels Impfung zu sein, denn trotz Millionen gemeldeter Genesener weltweit ist die Zahl der nachgewiesenen Zweitinfektionen verschwindend gering. Das durch eine Impfung eher absehbare Ende der Gesundheitskrise trägt dazu bei, dass die Zertifizierung der natürlichen Immunität nicht zu wilden Selbstansteckungen führt. Die Leistungsfähigkeit der Immunen trägt auch zur Bekämpfung der noch länger anhaltenden wirtschaftlichen Krise bei.

Die Gesellschaft zahlt einen hohen Preis, wenn die natürliche Immunität nicht genutzt wird. Ersichtlich ist dies auch im Gesundheitswesen, wo die Mitarbeiter oft Quarantäne und Belastungen durch massive Schutzmaßnahmen ausgesetzt sind. Bereits jetzt ist ein relevanter und steigender Anteil der Pflegenden, der Gepflegten und der Angehörigen immun. Würden diese effektiv identifiziert und die Maßnahmen für sie vernünftig angepasst, trüge dies zu einer Entschärfung des Personalmangels bei.

Natürlich Immune zu ignorieren, verursacht menschliches Leid, ist gesellschaftlich schädlich, wirtschaftlich teuer, rechtlich unverhältnismäßig und damit ethisch mehr als fragwürdig.