Die Angst um die eigene Gesundheit und die unserer Lieben, wirtschaftliche Unsicherheiten und persönliche Einschränkungen - 2020 wird nicht als grandioser Start ins neue Jahrzehnt in die Geschichtsbücher eingehen. Gerade darum sollte der Tag der Menschenrechte am 10. Dezember zu einer Mahnung für uns werden. In Zeiten der Krise ist es besonders wichtig, Menschenrechte nicht als vernachlässigbaren Luxus zu betrachten, sondern als Herzstück unserer Gesellschaft und das weltweit.

Hartwig Kirner ist Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. - © Fairtrade Österreich/Sehstern/Peter Tuma
Hartwig Kirner ist Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. - © Fairtrade Österreich/Sehstern/Peter Tuma

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat man das bereits erkannt und gemeinsam an einem Ideal gearbeitet, das drei Jahre später von der UNO verabschiedet wurde. Die 1948 definierten Menschenrechte verlangen nichts Unmögliches: genügend Nahrung, Bildung, Meinungsfreiheit, ein Verbot von Sklavenarbeit und andere Dinge, die wir hierzulande für selbstverständlich halten. Ein Blick in andere Länder zeigt aber, dass sie das nicht sind. Eine aktuelle Studie berichtet über Millionen Kinder, die nach wie vor im Kakaoanbau arbeiten, anstatt in der Schule zu sitzen. Kaffeebauern leiden weltweit so sehr unter der seit Jahren anhaltenden Preiskrise, dass sie oft nicht wissen, wie sie ihre Familien ernähren sollen. Im Konkurrenzkampf etwa bei Bananen wird um niedrige Cent-Kommastellen gefeilscht, um den Gewinn zu maximieren, ohne jede Rücksicht auf die Menschen am Ursprung.

Aber nicht nur in sogenannten Entwicklungsländern sind Menschenrechte nach wie vor in Gefahr. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind in den USA so verheerend, dass eine Hungerkrise rund 50 Millionen Menschen (etwa die Einwohnerzahl Spaniens) erfasst hat. Selbst in Österreich, einem der reichsten Länder der Welt, sind fast 1,5 Million Menschen von Armut gefährdet, darunter 300.000 Kinder. Die drohende Wirtschaftskrise nach Corona lässt darum Schlimmes erahnen.

Zusammen mit dem Klimawandel, der längst große globale Herausforderungen mit sich bringt, warten Probleme auf uns, die kein Land alleine bewältigen kann. Wenn wir jetzt wegsehen, verspielen wir die Chance auf eine Neuausrichtung unserer Wirtschaft, bei der ein gutes Leben für alle die oberste Priorität sein sollte. Faire Löhne, der Erhalt unserer Böden und eine nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen sind Eckpfeiler einer zukunftsfähigen Globalisierung, die wir jetzt einfordern müssen. In Österreich gibt es seit Jahren einen positiven Trend bei fair gehandelten Lebensmitteln. Eine wachsende Öffentlichkeit nimmt Ungerechtigkeiten im Welthandel nicht mehr schweigend hin und fordert aktiv Veränderungen ein. Das alleine reicht aber noch nicht.

In den kommenden Jahren wird es den politischen Willen benötigen, die wirtschaftlichen Folgen von Corona nicht auf dem Rücken der Schwächeren auszutragen. Einsparungen und neue Steuern werden nötig sein, um die Schulden, die heuer weltweit angehäuft wurden, wieder zurückzuzahlen.

Wir können aber entscheiden, welchen Weg wir dabei einschlagen. Die meisten Staaten - auch Österreich - haben die Wahrung der Menschenrechte in ihre Verfassung aufgenommen. Darauf sollten wir uns in den nächsten Jahren besinnen, wenn es darum geht, verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu handeln.