Die Pandemie hat uns nach wie vor fest im Griff. Nach einem Jahr der wirtschaftlichen und emotionalen Achterbahnfahrt ist bei vielen Unternehmen eine verständliche Ermüdung und Ernüchterung eingekehrt. Für unsere Volkswirtschaft wird es bei aller Erschöpfung aber spielentscheidend sein, wie schnell wir wieder an Fahrt aufnehmen. Dazu braucht es Optimismus und klare Perspektiven. Eine Beschleunigung der Impfkampagne sowie eine effiziente Teststrategie, verbunden mit vorsichtigen und vor allem planbaren Öffnungsschritten, sind daher das Gebot der Stunde. Nur so können Hoffnung und ein positiveres Umfeld für erfolgreiches Wirtschaften entstehen.

Harald Breit ist Wirtschaftsprüfer und Partner beim Beratungsunternehmen Deloitte Österreich. Mit Juni 2021 übernimmt er dort die Rolle des CEO. - © Deloitte / Georg Wilke
Harald Breit ist Wirtschaftsprüfer und Partner beim Beratungsunternehmen Deloitte Österreich. Mit Juni 2021 übernimmt er dort die Rolle des CEO. - © Deloitte / Georg Wilke

Doch wie ist es um den Wirtschaftsstandort strukturell bestellt? Ein Vergleich der internationalen Rankings zeigt ein recht deutliches Bild: Österreich ist grundsätzlich erfolgreich, schlägt sich aber teilweise immer noch deutlich unter Wert. Im globalen Ranking "World Competitiveness Index" der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD etwa liegt Österreich auf Platz 16. Im direkten Europavergleich ergibt das nur den 9. Platz - damit liegen wir bloß im Mittelfeld der Industrienationen. Vergleichbare Länder wie Dänemark, Norwegen, die Schweiz oder die Niederlande schneiden konstant besser ab.

Österreich ist aber bei vielen Standortfaktoren international weiterhin sehr wettbewerbsfähig: Die starke Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte, hohe Produktivität, politische Stabilität sowie eine herausragend hohe Lebensqualität zählen eindeutig zu Österreichs Stärken. Als Schwächen gelten seit langem hohe Arbeitskosten, drückende Steuerbelastung, bürokratische Hürden und die im Vergleich zu anderen Ländern immer noch schleppende Digitalisierung.

Nun ist es gerade in Krisenzeiten entscheidend, Weichen für die Zeit danach zu stellen. Denn die Pandemie wirkt wie ein Brennglas, das die Stärken, aber vor allem auch die Schwächen des Wirtschaftsstandortes ziemlich schonungslos zu Tage fördert. So ist im Zuge der Krise die mangelhafte Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, des Gesundheitswesens und insbesondere auch des Schulbereichs in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Diese Schwäche in Verbindung mit einem komplexen und teilweise überbordenden Föderalismus erschwert sowohl die Entscheidungsfindungen als auch die rasche, konsequente Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Hier sollte also dringend angesetzt werden.

Weitere zentrale Hebel - nicht neu, aber umso aktueller - sind eine Verringerung der Steuerlast, insbesondere eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten, eine höhere Flexibilität des Arbeitsmarktes, die Förderung von Innovation, Start-up-Kultur und Unternehmergeist sowie die breite Förderung von Investitionen, insbesondere im Umweltbereich.

Die gute Nachricht: Die Österreichs Unternehmen beweisen in diesen Tagen ihre Resilienz. Ihre Zuversicht, auf geänderte Anforderungen und Rahmenbedingungen selbst rasch und effektiv reagieren zu können, ist nach wie vor sehr hoch. Und Optimismus ist bekanntlich die Grundvoraussetzung für Investitionen und wirtschaftliches Wachstum.