Wenn eine Volkswirtschaft einer Seuche wegen erheblich geschwächt wurde, die Schulden astronomisch gestiegen sind und die Wirtschaftsleistung gefallen ist, dann wird jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch auch ohne abgeschlossenes Studium der Ökonomie zum gleichen Schluss kommen: Jetzt ist es Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und mehr zu arbeiten als früher, wo immer das geht, bis der Schaden wieder halbwegs behoben ist. Jeder kleine Gewerbetreibende, jeder Gastwirt, jeder Bauer würde das nach einer Katastrophe, die seinen Betrieb lahmgelegt hat, so machen.

Umso bemerkenswerter ist, was die Gerade-noch-SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner nun, am (hoffentlich) absehbaren Ende der Corona-Pandemie, vorschlägt: Wir sollen weniger arbeiten und dafür (fast) das Gleiche verdienen wie bisher. Die wöchentliche Arbeitszeit soll, wenn es nach der SPÖ geht, auf vier statt fünf Tage pro Woche verringert werden, also um stattliche 20 Prozent, das Gehalt aber nur um 5 Prozent sinken. Auf freiwilliger Basis. Vorerst.

Eine Wirtschaftskrise, die im Wesentlichen dadurch verursacht worden ist, dass Millionen Menschen wegen der Seuche weniger arbeiten durften als sonst, dadurch zu bekämpfen, dass künftig Millionen Menschen auch ohne Seuche weniger arbeiten - auf diese Idee muss man wirklich erst einmal kommen. Der Plan wird umso bizarrer, je genauer man hinschaut. Denn die SPÖ hat, immerhin, auch darüber nachgedacht, wer das alles zahlen soll. Auf die naheliegende Antwort - nur die Unternehmer - hat die Partei aus gutem Grund verzichtet, um nicht jeden Anspruch auf Ernsthaftigkeit gleich zu verwirken. Stattdessen soll nun die Hälfte der Mehrkosten der Staat (über das AMS) tragen, den Rest zu gleichen Teilen die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer.

Leider wissen wir nicht, woher die Republik die notwendigen Milliarden nehmen soll, ob sie entweder über Schulden kommende noch ungeborene Generationen finanzieren sollen - oder die mit kürzerer Arbeitszeit Zwangsbeglückten dies über Steuern und Abgaben letztlich selbst bezahlen müssen. Beides ist überschaubar attraktiv.

Interessant wäre auch zu beobachten, ob weniger qualifizierte und damit meist schlecht entlohnte Menschen die Aussicht, zusätzlich zur Inflation auch noch 5 Prozent ihres ohnehin schmalen Monatslohns einzubüßen, besonders erfreulich finden werden. Zu vermuten ist: Eher nicht, außer da, wo es die Möglichkeit gibt, den zusätzlichen freien Tag steueroptimiert beim Pfusch zu verbringen.

Leider ist das, was die SPÖ-Vorsitzende da von sich gibt, die Folge einer insgesamt eher nicht mit der Wirklichkeit kompatiblen ökonomischen Weltsicht. Schon vor ein paar Wochen meinte sie in diesem Kontext, es gebe "keinen wirksameren Jobmotor als die Verkürzung der Arbeitszeit". Das ist, mit Verlaub, grober Unfug. Jobs entstehen nicht durch sozialistische Mangelverwaltung, sondern durch das Zusammentreffen von Kapital, Risikobereitschaft, der Entwickelung toller Produkte und dem Fleiß der Mitarbeiter. Österreich braucht nicht weniger Arbeit, sondern mehr Menschen, die bereit sind, Unternehmertum zu riskieren, und damit Arbeit schaffen.