Wenn demnächst Heidi Horten ihr Privatmuseum im Stöckl-Gebäude im Wiener Hanuschhof eröffnet, bekommt Wien eine neue, ziemlich spektakuläre Kunst-Location. Auf rund 2.000 Quadratmetern werden die Highlights der mehrere hundert Objekte umfassenden Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Emil Nolde, Max Pechstein, Cy Twombly, Mark Rothko, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Roy Lichtenstein, Marc Chagall, Georg Baselitz, Francis Bacon, Fernand Leger, Gerhard Richter, Yves Klein oder Damien Hirst. Ziemlich spektakulär also. Schon 2018 stellte sie die Glanzlicher ihrer Sammlung unter dem Titel "WOW! The Heidi Horten Collection" im Leopold Museum vor. Mit ziemlichem Erfolg, das Publikum liebte die Ausstellung.

In jeder anderen Stadt der Welt, ob Venedig, New York oder Dubai, würde eine derart spektakuläre private Initiative zu tosendem Beifall für die Mäzenin führen, die ihren Schatz ja genauso gut in einem Zollfreilager am Flughafen Genf sicher wegsperren könnte, ohne dass die Öffentlichkeit irgendwas davon hätte. Und dass just am - erhofften - Ende der Pandemie nach zwei bleiernen Jahren ein neuer Platz geschaffen wird, an dem Menschen miteinander und mit Kunst in Berührung kommen, könnte man eigentlich als schönes Symbol für Aufbruch und Hoffnung verstehen.

Könnte man. Doch in Wien, der traditionellen Hauptstadt von Mieselsucht und schlechter Nachrede, hält sich die allgemeine Begeisterung für das neue Museum eher in Grenzen. Stattdessen lamentieren manche Qualitätsmedien herum, ohne klaren Vorwurf - welchen auch -, aber irgendwie missmutig und freudlos. Der "Standard" etwa maulte nach einer Baustellenbesichtigung, es "wirkt das einzelne Miet-WC für all die hier auf der Großbaustelle beschäftigten Arbeiter etwas lumpig", und vergaß nicht zu erwähnen, dass Horten einmal Geld an die ÖVP gespendet hat.

Ja, eh, kann man machen, muss man aber nicht, wenn man sich nicht dem Vorwurf kultureller Selbstverzwergung aussetzen will. Den Nörglern geht es im Grunde wohl um etwas ganz anderes, das sie so freilich nicht aussprechen:

Erstens gibt es eine grundsätzliche Abneigung dem Privaten gegenüber, das als irgendwie dubios gilt, während der Staat als gütige Mutter verstanden wird, an deren Zitzen sich die ganze Kunstwelt genussvoll labt.

Zweitens ist die Sammlung Horten nicht nach den Prinzipien irgendeines artifiziellen Konzeptes zusammengestellt, sondern einfach "WOW!" - eine Sammlerin kauft sich, was ihr gefällt und ziemlich vielen der bisherigen Besucher auch, ohne dass es der Vermittlungsarbeit der üblichen Erklärbären der Kunstszene bedarf. Geht gar nicht.

Drittens: Wenn nicht Steuergeld-finanzierte Kunstbürokraten den Diskurs dominieren, sondern Milliardäre, gilt das als Landnahme bisher komfortabel bewirtschafteten Terrains durch den Neoliberalismus; Widerstand gegen Horten wird quasi zur Rettung des Sozialstaates.

Aber das sagt so natürlich niemand. Laut "Standard" gibt es jedenfalls kein fröhliches Eröffnungsfest, sondern ein "Eröffnungsbrimborium". Wie schlecht gelaunt kann man eigentlich aufs Leben schauen?