Ziemlich genau 50 Milliarden Euro erreichen die Zahlungen, die seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs an Russland für Energieimporte in die Europäische Union zu überweisen sind, das macht für jeden Kriegstag eine Milliarde. Vergleichsweise billig sind die Hilfen, die von der EU während dieser Kriegszeit an die Ukraine flossen, nämlich weniger als die Energierechnung von zwei Tagen.

Stefan Schleicher ist Professor am Wegener Center für Klima und globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Stefan Schleicher ist Professor am Wegener Center für Klima und globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Nicht nur die hohe Energierechnung von Russland, mit der rund die Hälfte des Staatsbudgets und damit die Kriegsmaschinerie finanziert werden, motiviert einen völligen Ausstieg der EU aus den russischen Energieimporten. Russland selbst könnte die Karte eines Lieferstopps ziehen, bevor die EU einen vollen Importstopp konsensfähig macht. Für Kohle hat die EU diesen Stopp bereits beschlossen, bei Erdöl ist es leichter, auf andere Lieferanten zu wechseln, bei Erdgas klemmt ein solcher Beschluss nicht zuletzt deshalb, weil sich Österreich mit Deutschland und Ungarn noch dagegen querlegt.

Viele der derzeit im Umlauf befindlichen Rechnungen über einen Ausstieg aus russischem Gas greifen zu kurz und sind deshalb sogar irreführend. Es ist nämlich unzureichend, nur auf hohe Russlandanteile bei den Importen zu verweisen. Konstruktiver sind Zahlen, die den Anteil des russischen Gases an der konsumierten Gasmenge festmachen. Auch kann ein solcher Schritt nur gemeinsam von allen Mitgliedstaaten im Sinne einer Energieunion mit solidarischen Leistungen gesetzt werden. Für ein Ausstiegszenario wären dafür drei Schritte zu setzen.

Schritt eins erfordert die Feststellung der von einem Importstopp betroffenen Gasmengen. Für den von der EU-Kommission angekündigten Vorschlag, bis Jahresende den Gasbezug aus Russland um zwei Drittel zu reduzieren, betrifft das den Bedarf einer Veränderung bei rund einem Viertel des Gaskonsums der EU.

Schritt zwei teilt diese Veränderungen auf zwei Möglichkeiten auf, nämlich auf eine Verringerung des Gaskonsums und einen Wechsel der Gaslieferanten. Plausibel wäre, die erste Hälfte davon - also eine von acht Einheiten Gas -durch Effizienz einzusparen und die zweite Hälfte - wiederum eine von acht Einheiten - von anderen Gaslieferanten zu beziehen. Schritt drei verteilt diese Veränderungen bei Effizienz und Bezug auf die Mitgliedstaaten, wie auch in anderen gemeinsam zu erledigenden Zielerfüllungen. Inkludiert sind dabei die Nutzung von Pipelines und das Speichern für Gas.

Eine solche Rechnung suggeriert nicht kalte Wohnungen und blockierte Produktionen in der Industrie. Sowohl die erforderlichen Effizienzverbesserungen als auch der notwendige Bezugswechsel liegen in erfüllbaren Bereichen. Diese Rechnung enthüllt auch, dass Österreich trotz eines Importanteils von 80 Prozent von Gas aus Russland besser eine Gasreduktion verkraften kann als die EU insgesamt, wo der russische Importanteil nur bei 40 Prozent liegt. Entscheidender ist die unterschiedliche Importabhängigkeit des inländischen Gaskonsums, die in Österreich bei 75 Prozent, in der gesamten EU aber bei 90 Prozent liegt.

Die in Österreich für Energie zuständigen politischen Institutionen ließen bisher eine solche belastbarere Gasrechnung noch offen.